Erdbeerblütenstecher
Schädling

Erdbeerblütenstecher

Anthonomus rubi
Kurzüberblick

Erdbeerblütenstecher – Kurzüberblick

Der Erdbeerblütenstecher (Anthonomus rubi) ist ein kleiner Rüsselkäfer, der in Deutschland vor allem Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren schädigt. Das Weibchen legt ein Ei in eine noch geschlossene Blütenknospe und nagt anschließend den Blütenstiel an. Die Knospe knickt ab, vertrocknet und fällt häufig zu Boden. Besonders in Junganlagen oder bei starkem Zuflug können dadurch deutliche Ertragseinbußen entstehen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileGeschlossene Blütenknospen und Blütenstiele; zusätzlich gelegentlicher Loch- und Schabefraß an Blättern und Blütenblättern.
Begünstigende BedingungenGeschlossene Knospen kurz vor Blühbeginn, warme Frühjahrswitterung, benachbarte Erdbeer- und Rubusbestände sowie ungeräumte vertrocknete Knospen und geeignete Überwinterungsvegetation.
Pflanzendoktor

Überblick

Anthonomus rubi wird in Deutschland auch Beerenstecher oder Himbeer-/Erdbeerblütenstecher genannt. Die Art gehört zu den Rüsselkäfern (Curculionidae) und tritt vor allem an Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren auf. Der Befall kann nesterartig beginnen, da überwinterte Käfer aus der näheren Umgebung in die Kultur einwandern. Besonders empfindlich sind junge Erdbeerbestände mit vielen geschlossenen Blütenknospen.

Die Diagnose ist meist anhand der abgeknickten, vertrocknenden Knospen möglich. Ähnliche Schäden an Himbeeren können jedoch auch durch andere Blüten- oder Stängelstecher verursacht werden.

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Symptome und Erkennung

Typische Anzeichen sind:

  • kleine Fraßstellen an Blättern oder Blütenknospen durch die erwachsenen Käfer;
  • kurz unterhalb der geschlossenen Knospe angenagte Blütenstiele;
  • hängende, welkende und später braune Knospen;
  • vertrocknete Knospen, die häufig zu Boden fallen, aber am Stiel hängen bleiben können;
  • bei stärkerem Befall deutlich weniger geöffnete Blüten und Früchte.

Beim Öffnen einer vertrockneten Knospe können sich eine cremeweiß-gelbliche, beinlose Larve mit braunem Kopf oder später eine Puppe befinden.

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Ursachen und Ausbreitung

Das Weibchen legt gewöhnlich ein Ei in eine noch geschlossene Blütenknospe. Danach nagt es den Blütenstiel teilweise oder vollständig durch. Die Knospe vertrocknet und dient der Larve als geschützter Entwicklungsraum. Die erwachsenen Käfer können aus angrenzenden Erdbeer-, Himbeer- oder Brombeerbeständen sowie aus wild wachsenden oder ornamentalen Rosengewächsen zufliegen. Befall wird außerdem durch stehen gelassene, vertrocknete Knospen und geeignete Überwinterungsplätze in der Vegetation begünstigt.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die überwinterten erwachsenen Käfer werden im Frühjahr aktiv, sobald sich der Boden und die Pflanzenbestände ausreichend erwärmen; in mitteleuropäischen Beständen wird der Beginn häufig bei Bodentemperaturen von etwa 10–14 °C beobachtet. Kurz vor Blühbeginn fressen sie zunächst an Blättern und Knospen. Die Eiablage erfolgt in geschlossene Knospen, anschließend wird der Stiel angenagt.

Ei, Larve und Puppe entwickeln sich überwiegend innerhalb der abgeknickten Knospe. Vom Ei bis zum Schlupf des Jungkäfers vergehen abhängig von Temperatur und Witterung ungefähr sechs bis acht Wochen. In Deutschland wird in der Regel eine Generation pro Jahr beobachtet. Ab dem Spätsommer ziehen sich die Käfer in geeignete Überwinterungsplätze zurück.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Einzelpflanzen oder kleinen Hausgärten ist das Absammeln der Käfer und vor allem das Entfernen aller abgeknickten Knospen meist die wichtigste Maßnahme. Die Kontrolle sollte frühmorgens oder bei kühler Witterung erfolgen, wenn die Käfer weniger aktiv sind. Gelbe oder grüne Klebetafeln können ergänzend zur Überwachung dienen, ersetzen aber keine Knospenkontrolle.

Im Erwerbsanbau sollte eine Behandlung nur nach Bestandeskontrolle und anhand einer regionalen Befallseinschätzung erfolgen. Der optimale Überwachungszeitraum liegt kurz vor dem Aufblühen, bevor die Tiere geschützt in den Knospen sitzen. Kulturführung, Netze, Hygiene und eine genaue Terminierung sind einer pauschalen Kalenderbehandlung vorzuziehen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den ökologischen und biologisch orientierten Anbau stehen vor allem vorbeugende und mechanische Verfahren im Vordergrund:

  • regelmäßiges Auspflücken und Entfernen abgeknickter Knospen;
  • Abdecken gefährdeter Erdbeerreihen mit feinmaschigem Insektennetz vor dem erwarteten Zuflug, sofern Bestäubung und Pflanzenklima nicht beeinträchtigt werden;
  • gezieltes Absammeln erwachsener Käfer bei kleinen Beständen;
  • Monitoring mit Klebetafeln zur Erkennung des Zuflugs;
  • Förderung einer vielfältigen, ungestörten Nützlingsumgebung.

Für entomopathogene Pilze, insbesondere Metarhizium anisopliae, wurden in Versuchen einzelne positive Effekte untersucht; die Praxistauglichkeit und Zulässigkeit ist jedoch produkt-, kultur- und länderabhängig und darf nicht vorausgesetzt werden.

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Vorbeugung

Ein wirksames Management beginnt mit regelmäßiger Kontrolle ab dem Austrieb und besonders in den zwei bis drei Wochen vor Blühbeginn:

  • Blütenknospen an mehreren Stellen der Anlage wöchentlich auf Käfer und frische Fraßstellen prüfen;
  • abgeknickte, vertrocknende Knospen frühzeitig abpflücken und aus der Anlage entfernen, nicht unter den Pflanzen liegen lassen;
  • stark befallene Erdbeerbestände und benachbarte Himbeer- oder Brombeerreihen bei der Kontrolle gemeinsam berücksichtigen;
  • alte Pflanzenreste und unnötige Überwinterungsplätze nach der Saison reduzieren, ohne wertvolle Nützlingshabitate pauschal zu zerstören;
  • bei gefährdeten Junganlagen die Kultur mit geeigneten Insektennetzen gegen den Zuflug schützen, wobei Blüh- und Bestäubungsmanagement beachtet werden muss.
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Wissenswertes

Der sichtbare Schaden entsteht durch das Durchtrennen des Blütenstiels nach der Eiablage – die vertrocknete Knospe ist damit gleichzeitig Schadbild und Entwicklungsraum. Ein Weibchen kann temperaturabhängig bis zu etwa 50 Eier ablegen. Die Art ist in Europa weit verbreitet und in Deutschland nicht grundsätzlich selten oder gefährdet, wird aber in Erdbeerkulturen besonders dann problematisch, wenn viele geeignete Knospen und benachbarte Wirtspflanzen vorhanden sind.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die konkrete Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die entsprechende Anwendung aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung die amtliche BVL-Zulassungsdatenbank und die aktuelle Gebrauchsanleitung prüfen; nur nach Etikett, vorgeschriebener Aufwandmenge, Wartezeit, Auflagen und Anwenderschutz handeln. Im Haus- und Kleingarten können für diese Indikation je nach Kultur keine geeigneten Mittel verfügbar sein. Blühende Kulturen und Bestäuber besonders schützen.