Apfeltriebsucht
Krankheit

Apfeltriebsucht

Candidatus Phytoplasma mali
Kurzüberblick

Apfeltriebsucht – Kurzüberblick

Die Apfeltriebsucht ist eine durch „Candidatus Phytoplasma mali“ verursachte, systemische Erkrankung von Apfelbäumen. Typisch sind besenartige Kurztriebe, vergrößerte Nebenblätter, vorzeitige Blattverfärbung, kleine, minderwertige Früchte und eine nachlassende Baumleistung. Die Übertragung erfolgt vor allem durch phloemsaugende Psylliden und durch infiziertes Vermehrungsmaterial.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileTriebe, Blätter, Nebenblätter, Blüten, Früchte, Phloem sowie langfristig die gesamte Baumkrone und das Wurzelsystem.
Begünstigende BedingungenInfiziertes oder nicht ausreichend geprüftes Pflanzgut, anfällige Malus-Sorten und -Unterlagen, Vorkommen infizierter Alt- und Wildapfelbäume sowie aktive Populationen phloemsaugender Psylliden während der Vegetationsperiode begünstigen die Ausbreitung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Apfeltriebsucht wird durch das zellwandlose, im Phloem lebende Bakterium „Candidatus Phytoplasma mali“ verursacht. Die Erkrankung tritt in Europa einschließlich Deutschland auf und betrifft überwiegend Apfelbäume. Nicht jeder infizierte Baum zeigt sofort eindeutige Symptome; eine sichere Bestimmung erfordert bei zweifelhaften Fällen eine molekularbiologische Untersuchung.

Besonders problematisch ist die Krankheit in Erwerbsanlagen, Baumschulen und Streuobstbeständen, weil infizierte Bäume langfristig geschwächt bleiben und kein verlässliches heilendes Verfahren zur Verfügung steht.

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Symptome und Erkennung

  • Besendichte, aufrecht wachsende Kurztriebe mit verkürzten Internodien („Hexenbesen“).
  • Vergrößerte, auffällige Nebenblätter und teilweise frühzeitige Rot- oder Gelbfärbung der Blätter.
  • Verzögerter Austrieb, schwacher Wuchs, Kleinblättrigkeit oder ungleichmäßige Kronenentwicklung.
  • Kleine, schlecht ausgefärbte, geschmacklich und lagertechnisch minderwertige Früchte; Kelch- oder Stielbereiche können auffällig verändert sein.
  • Blüten können steril bleiben oder nur schwach fruchten.
  • Bei fortgeschrittenem Befall nehmen Ertrag, Fruchtqualität und Winterhärte ab.

Die Symptome können je nach Sorte, Unterlage, Alter des Baumes, Befallsdauer und Jahreswitterung unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Verwechslungen mit Nährstoffmangel, Wurzelschäden, Herbizidschäden oder anderen Phytoplasmen sind möglich.

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Ursachen und Ausbreitung

Das Phytoplasma wird durch phloemsaugende Insekten übertragen, insbesondere durch Apfelblattsauger der Gattung Cacopsylla; als wichtige Vektoren gelten unter anderem Cacopsylla mali und Cacopsylla melanoneura. Die Insekten nehmen den Erreger beim Saugen an infizierten Pflanzen auf und können ihn nach einer Entwicklungs- beziehungsweise Latenzphase an gesunde Apfelbäume weitergeben.

Eine wichtige Verbreitungsquelle ist außerdem infiziertes Veredelungs- und Pflanzgut. Pfropfen, Okulation und die Verwendung symptomlos infizierter Mutterpflanzen können den Erreger in neue Anlagen einschleppen. Abgestorbene oder verwilderte Apfelbestände sowie anfällige Wild- und Zierformen von Malus können die epidemiologische Situation zusätzlich erschweren.

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Lebenszyklus und Überdauerung

„Candidatus Phytoplasma mali“ lebt im Phloem infizierter Pflanzen und kann außerhalb eines lebenden Wirtes nicht dauerhaft überdauern. Der Erreger wird von geeigneten Vektoren während der Saugtätigkeit aufgenommen, vermehrt sich im Insekt und gelangt später mit dem Speichel in das Phloem einer neuen Wirtspflanze.

Nach der Infektion breitet sich das Phytoplasma systemisch im Baum aus. Sichtbare Symptome erscheinen häufig zeitverzögert und können von Jahr zu Jahr schwanken. Die Vektordynamik hängt von Witterung, Vegetationsverlauf, Vorkommen geeigneter Wirtspflanzen und der Nähe infizierter Bäume ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine zuverlässige kurative Behandlung eines infizierten Apfelbaums steht nicht zur Verfügung. Rückschnitt einzelner erkrankter Triebe kann das Erscheinungsbild vorübergehend verändern, beseitigt den systemischen Erreger jedoch nicht und ist bei bestätigtem Befall keine Sanierungsmaßnahme.

Bei einzelnen Verdachtsbäumen sollte zunächst eine fachgerechte Diagnose erfolgen, da ähnliche Symptome auch andere Ursachen haben. Bei bestätigter Apfeltriebsucht ist das Roden und sichere Entfernen des gesamten Baumes in der Regel die wirksamste hygienische Maßnahme. In Erwerbsanlagen sind betroffene Nachbarbäume und Pflanzgutpartien besonders sorgfältig zu überprüfen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und extensiven Anbau liegt der Schwerpunkt auf vorbeugender Hygiene und der Unterbrechung von Infektionsquellen: gesundes zertifiziertes Pflanzgut, regelmäßige Kontrolle, unverzügliches Roden bestätigter Bäume und Entfernung stark befallener Wurzelausschläge oder verwilderter Apfeltriebe.

Vektoren können durch Monitoring und die Förderung eines vielfältigen Nützlingsbestands in ihrer Bedeutung begrenzt werden. Eine vollständige Verhinderung der Übertragung durch natürliche Psyllidenpopulationen ist jedoch nicht zuverlässig möglich. Organische Spritzmittel oder Pflanzenstärkungsmittel heilen einen infizierten Baum nicht.

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Vorbeugung

  • Ausschließlich geprüftes, zertifiziertes und möglichst symptomfreies Apfelpflanzgut sowie kontrollierte Mutterpflanzen verwenden.
  • Neu gekaufte Bäume vor der Pflanzung auf Wuchsform, Nebenblätter, Triebe und Fruchtmerkmale kontrollieren.
  • Verdächtige Bäume markieren, nicht zur Vermehrung verwenden und bei wirtschaftlicher Bedeutung durch eine geeignete Diagnostikstelle untersuchen lassen.
  • Bestätigt befallene Bäume einschließlich möglichst großer Wurzelreste vollständig roden und aus der Anlage entfernen; nicht lediglich einzelne symptomatische Zweige stehen lassen.
  • Verwilderte, stark befallene Apfelbestände und problematische Wurzelausschläge in der unmittelbaren Umgebung beseitigen, soweit rechtlich und praktisch möglich.
  • Baumschul- und Erwerbsbestände regelmäßig auf Vektoren und typische Triebsuchtmerkmale kontrollieren.
  • Werkzeuge bei Schnitt- und Veredelungsarbeiten sauber halten; vor allem aber infiziertes Vermehrungsmaterial konsequent ausschließen.
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Wissenswertes

  • Die Bezeichnung „Apfeltriebsucht“ bezieht sich auf die auffällige Bildung vieler kurzer, besenartiger Triebe.
  • Der Erreger gehört zur Apple-Proliferation-Gruppe der Phytoplasmen und ist taxonomisch als „Candidatus“ bezeichnet, weil diese Organismen nicht wie klassische Bakterien dauerhaft in Reinkultur gehalten werden können.
  • Apfelsorten und Unterlagen unterscheiden sich in ihrer Reaktion; eine scheinbare Toleranz bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Infektion vorliegt.
  • Der Apfel ist der Hauptwirt. Nachweise an einzelnen anderen Rosengewächsen sind dokumentiert, ihre epidemiologische Bedeutung kann jedoch je nach Region und Wirt unterschiedlich sein.
  • Die sicherste Grundlage für Vermehrung und Neuanlage ist pathogenfreies, kontrolliertes Ausgangsmaterial.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Gegen das im Phloem lebende Phytoplasma gibt es keine verlässlich heilende Pflanzenschutzmittelbehandlung. Maßnahmen gegen mögliche Vektoren dürfen in Deutschland ausschließlich mit einem aktuell für die konkrete Kultur und das konkrete Schadproblem zugelassenen Pflanzenschutzmittel erfolgen; stets die aktuelle Zulassung, Anwendungsbestimmungen, Abstände, Bienenschutzauflagen und das Etikett beachten. Eine routinemäßige Insektizidbehandlung ohne Monitoring und ohne zugelassene Indikation ist nicht zu empfehlen.