Südamerikanische Minierfliege
Schädling

Südamerikanische Minierfliege

Liriomyza huidobrensis (Blanchard)
Kurzüberblick

Südamerikanische Minierfliege – Kurzüberblick

Die Südamerikanische Minierfliege (Liriomyza huidobrensis) ist eine polyphage Agromyziden-Art, deren Larven helle, geschlängelte Miniergänge zwischen den Blattseiten anlegen. Sie befällt zahlreiche Gemüse-, Kräuter- und Zierpflanzen, tritt in Deutschland besonders im geschützten Anbau auf und kann sich bei warmen Bedingungen rasch vermehren. Eine sichere Artbestimmung ist anhand des Schadbilds allein meist nicht möglich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blätter und junge Blatttriebe; gelegentlich werden auch Blattstiele und angrenzende Pflanzenteile durch Einstiche oder austretende Larven geschädigt.
Begünstigende BedingungenWarme, geschützte Bestände, dicht stehende Kulturen, kontinuierlich vorhandene Wirtspflanzen, Unkräuter sowie der Eintrag befallener Jungpflanzen. Bei etwa 25 °C ist die Entwicklung besonders schnell.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Südamerikanische Minierfliege ist eine kleine, meist 1–3 mm große, überwiegend schwarze Fliege mit gelb-orangefarbenem Stirnbereich und gelbem Rückenschild. Der wichtigste Schaden entsteht durch die Larven, die das Gewebe zwischen Ober- und Unterseite des Blattes ausfressen.

Das Wirtsspektrum ist sehr breit; dokumentiert sind mehrere hundert Wirtspflanzen aus zahlreichen Pflanzenfamilien. In Deutschland sind insbesondere Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen im Gewächshaus betroffen. Das Schadbild erlaubt jedoch keine sichere Unterscheidung von anderen Liriomyza-Arten oder einzelnen Phytomyza-Arten.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Helle, unregelmäßig geschlängelte Miniergänge im Blatt, häufig mit schwarzen Kotkrümeln an den Gangrändern.
  • Die Mine wird mit zunehmender Larvengröße breiter und kann bei starkem Befall mit benachbarten Minen zusammenfließen.
  • Runde bis unregelmäßige weiße Saug- und Einstichpunkte auf der Blattoberfläche durch erwachsene Weibchen.
  • Bei starkem Befall sinken Blattfläche und Photosyntheseleistung; junge Pflanzen können im Wachstum zurückbleiben oder Blätter verlieren.
  • Die cremefarbene Larve ist bei Gegenlicht oft innerhalb der Mine sichtbar. Die Artbestimmung erfordert bei regulierten oder unklaren Funden meist eine Untersuchung erwachsener Tiere oder molekulare Diagnostik.
Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Vermehrung erfolgt an befallenen Kulturpflanzen, Unkräutern und Pflanzenresten. Besonders leicht werden Eier, Larven und Puppen mit Jungpflanzen, Stecklingen, Schnittblumen sowie Blattgemüse verbreitet. Erwachsene Fliegen können kurze Strecken fliegen und durch Luftbewegung in Gewächshäuser gelangen; die Fernverbreitung über Pflanzenmaterial ist jedoch bedeutsamer.

Die Art ist stark polyphag. Nicht jede Pflanze mit Miniergängen ist allerdings automatisch von L. huidobrensis befallen, da mehrere Minierfliegenarten ein ähnliches Schadbild erzeugen.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen stechen Blätter zur Nahrungsaufnahme und Eiablage an. Die Eier werden in das Blattgewebe eingebracht und sind äußerlich kaum sichtbar. Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven drei Stadien und fressen sich zwischen den Blattepidermen vorwärts.

Die ausgewachsene Larve verlässt die Mine durch einen halbkreisförmigen Schlitz. Die Verpuppung erfolgt bei Liriomyza außerhalb des Blattes, meist im Boden, je nach Wirtspflanze teilweise auch an Blattunterseiten oder Trieben. Bei etwa 25 °C kann sich eine Generation unter günstigen Bedingungen in ungefähr 2–3 Wochen entwickeln; kühlere Bedingungen verlängern den Zyklus. Dadurch sind im Gewächshaus rasche Populationsanstiege möglich.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei frühem Befall einzelne verminte Blätter entfernen und die Entwicklung mit Leimtafeln sowie regelmäßigen Blattkontrollen verfolgen. Im Gewächshaus sollte eine biologische Regulierung möglichst früh beginnen, bevor zahlreiche Larvenstadien und Puppen vorhanden sind.

Für eine sichere Entscheidung ist das Schadbild im Gegenlicht zu prüfen. Bei wirtschaftlich relevantem Befall, ungewöhnlichem Auftreten oder Verdacht auf einen regulierten Schadorganismus sollte der zuständige Pflanzenschutzdienst beziehungsweise ein anerkanntes Diagnoselabor eingeschaltet werden. Stark befallene Bestände können durch konsequente Entfernung der Pflanzenreste und eine befallsfreie Folgekultur entlastet werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Im geschützten Anbau können die parasitoiden Schlupfwespen Diglyphus isaea und Dacnusa sibirica eingesetzt werden. Diglyphus wirkt vor allem gegen Larven in den Minen; beide Nützlinge benötigen einen frühzeitigen Einsatz und geeignete Temperatur- und Feuchtebedingungen.
  • Freilassungen sind nach Herstellerangabe und Befallsentwicklung wiederholt durchzuführen. Bei starkem Befall reicht ein später Nützlingseinsatz meist nicht aus.
  • Breit wirkende Pflanzenschutzmittel sowie unnötige Behandlungen vermeiden, da sie Parasitoide und andere natürliche Gegenspieler beeinträchtigen und bei Liriomyza-Arten Resistenzentwicklung begünstigen können.
  • Im Freiland natürliche Parasitoide durch blühende Randstrukturen, reduzierte Insektizidanwendungen und eine vielfältige Umgebung fördern, ohne befallene Unkräuter im Bestand zu dulden.
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Vorbeugung

  • Jungpflanzen, Stecklinge und Zukaufsware vor dem Einstellen gründlich kontrollieren; Pflanzen mit Minen nicht in den Bestand bringen.
  • Gelbe Leimtafeln zur frühen Überwachung in Bestandshöhe einsetzen. Sie dienen der Kontrolle, nicht als alleinige Bekämpfung.
  • Befallene Blätter regelmäßig entfernen und sicher entsorgen; nicht auf dem Kompost belassen, solange Larven oder Puppen vorhanden sein können.
  • Gewächshäuser, Arbeitsgeräte und Stellflächen zwischen Kulturen reinigen und Pflanzenreste vollständig beseitigen.
  • Unkräuter im und unmittelbar am Gewächshaus entfernen, da sie als alternative Wirte dienen können.
  • Bestände luftig führen und den Zukauf sowie die Verschleppung von Pflanzenmaterial zwischen Gewächshäusern minimieren.
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Wissenswertes

  • Liriomyza huidobrensis ist weltweit aus mehreren hundert Wirtspflanzenarten und zahlreichen Pflanzenfamilien bekannt.
  • Die Art ist mit Liriomyza langei morphologisch schwer zu unterscheiden; eine sichere Bestimmung kann molekulare Verfahren erfordern.
  • Ein Teil der Einstiche erwachsener Weibchen dient nur der Nahrungsaufnahme, ein kleinerer Teil der Eiablage.
  • Die Larven sind im Blatt geschützt, während die Puppen außerhalb des Blattes vorkommen. Dadurch sind Hygiene und die Entfernung befallener Blätter besonders wichtig.
  • In Deutschland wurden Befallsfunde bereits Anfang der 1990er-Jahre dokumentiert; im nördlichen Europa tritt die Art häufig im geschützten Anbau auf.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger beziehungsweise die zulässige Indikation rechtlich zugelassen sind. Ausschließlich nach aktueller amtlicher Zulassung und Gebrauchsanleitung anwenden; Wartezeiten, Auflagen, Anwenderschutz und Bienenschutz beachten. Wegen der versteckten Larven und der möglichen Resistenzentwicklung ist eine chemische Behandlung nicht als alleinige Standardmaßnahme anzusehen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.