Lilienhähnchen
Lilioceris liliiLilienhähnchen – Kurzüberblick
Das Lilienhähnchen (Lilioceris lilii) ist ein kleiner, glänzend orangeroter Blattkäfer mit schwarzem Kopf, schwarzen Beinen und schwarzer Unterseite. Käfer und vor allem die kotbedeckten Larven fressen an echten Lilien (Lilium) und Fritillarien (Fritillaria). Unregelmäßige Löcher, Randfraß und zerstörte Knospen sind typische Hinweise. Im Hausgarten ist frühes Absammeln besonders wirksam.
Typische Bedingungen
Überblick
Das Lilienhähnchen ist an seinem glänzend scharlachroten Körper sowie dem schwarzen Kopf, den schwarzen Beinen und der schwarzen Unterseite gut erkennbar. Bei Störung lässt es sich häufig fallen und landet mit der dunklen Unterseite nach oben.
Der Hauptschaden entsteht an echten Lilien (Lilium) und Fritillarien (Fritillaria). Gefressen werden Blätter, Stängel, Knospen und Blüten. Bei starkem Befall können Pflanzen weitgehend entlauben; geschwächte Lilien blühen dann schlechter und bilden kleinere Zwiebeln.
Symptome und Erkennung
Typisch sind unregelmäßige Löcher und Ausbuchtungen in Blättern, zunächst oft an der Blattunterseite. Larven sitzen häufig auf der Blattunterseite und sind durch eine feuchte, dunkle Kotauflage schwer als Insekten zu erkennen.
- Fraßlöcher und angefressene Blattränder
- Fraß an Knospen, Blüten und Stängeln
- kotbedeckte, schleimig wirkende Larven
- bei starkem Befall fast vollständig entlaubte Lilien
- verzögerte oder ausbleibende Blüte und geschwächte Zwiebeln
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall wird durch überwinternde adulte Käfer verursacht, die im Frühjahr zu austreibenden Lilien wandern oder fliegen. Weibchen legen die Eier direkt an geeignete Wirtspflanzen. Neue Einschleppungen können außerdem über befallene Topf- oder Zwiebelpflanzen erfolgen.
Laubstreu, Pflanzenreste und geschützte Bodenstellen in der Nähe von Lilien bieten Überwinterungsplätze. Unkontrollierter Fraß über mehrere Wochen sowie dichter Bestand fördern den Befallsaufbau. Gelegentliche Fraßspuren an Hosta, Maiglöckchen oder Kartoffel sind möglich, diese Pflanzen gelten jedoch nicht als gleichwertige Hauptwirte für die vollständige Entwicklung.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die erwachsenen Käfer überwintern in Boden, Laubstreu oder anderem Pflanzenmaterial und erscheinen in Deutschland gewöhnlich ab dem Frühjahr, sobald Lilien austreiben. Nach einer Reife- und Fraßphase legen die Weibchen orange bis rötliche Eier in kleinen Gruppen oder Reihen an die Blattunterseiten sowie gelegentlich an Knospen.
Die Larven durchlaufen mehrere Stadien und bedecken sich mit ihrem eigenen Kot. Sie fressen etwa zwei bis drei Wochen an Blättern, Knospen und Blüten, lassen sich anschließend zu Boden fallen und verpuppen sich in einem Kokon im Boden. Meist entwickelt sich eine Generation pro Jahr; die frisch geschlüpften Käfer fressen noch einige Zeit und suchen danach Überwinterungsplätze auf.
Behandlung und Bekämpfung
Bei geringem bis mittlerem Befall ist mechanisches Entfernen die bevorzugte Behandlung. Käfer, Eigelege und Larven sollten möglichst vollständig abgesammelt werden, bevor sich die Larven in den Boden zurückziehen.
Stark geschädigte Blätter nur dann entfernen, wenn sie weitgehend zerstört oder abgestorben sind; gesunde Restblätter unterstützen die Zwiebelversorgung. Nach der Behandlung den Bestand in kurzen Abständen erneut kontrollieren, weil sich Eier und junge Larven leicht übersehen lassen.
Bei wirtschaftlich bedeutenden Kulturen oder starkem Befall kann eine Beratung durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst sinnvoll sein. Chemische Maßnahmen sind im Haus- und Kleingarten nur nach Prüfung der aktuellen deutschen Zulassung und des Etiketts vertretbar.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Hausgarten sollte der Befall möglichst früh und regelmäßig kontrolliert werden:
- Ab dem Austrieb zwei- bis dreimal wöchentlich Blätter, Knospen und Stängel kontrollieren.
- Adulte Käfer vorsichtig unter einem Gefäß oder Tuch auffangen, bevor sie zu Boden fallen, und entfernen.
- Orange Eigelege an Blattunterseiten zerdrücken oder die betroffenen Blätter entfernen.
- Kotbedeckte Larven absammeln; bei starkem Befall auch abgefallene Larven im Bodenbereich entfernen.
- Abgestorbenes Laub und Pflanzenreste im Herbst beseitigen, ohne den Boden unnötig zu verdichten oder dauerhaft offen zu halten.
- Bei Neupflanzungen weniger anfällige Lilien-Sorten bevorzugen, sofern belastbare lokale Erfahrungen vorliegen.
Biologische Gegenspieler wie parasitoide Wespen sind aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet und aus Forschungsprogrammen bekannt, eine gezielte Freisetzung im privaten deutschen Garten ist jedoch keine allgemein verfügbare Standardmaßnahme.
Vorbeugung
Die wirksamste Vorbeugung besteht in früher Erkennung und konsequenter Entfernung der ersten Käfer und Eigelege. Lilien sollten ab dem Austrieb regelmäßig, insbesondere an den Blattunterseiten, kontrolliert werden.
- Neue Zwiebeln und Topfpflanzen vor dem Einsetzen auf Käfer, Eier und Larven prüfen.
- Lilien nicht unnötig in sehr dichten, schwer kontrollierbaren Beständen pflanzen.
- Nach der Vegetationsperiode abgestorbenes Laub und Pflanzenreste aus dem Bestand entfernen.
- Bei wiederkehrendem Befall Sorten mit beobachteter geringerer Anfälligkeit testen und den Bestand gut zugänglich halten.
- Fraßschäden nicht mit pilzlichen Blattflecken verwechseln: unregelmäßige Löcher und sichtbare Käferstadien sprechen für das Lilienhähnchen.
Wissenswertes
- Das Lilienhähnchen kann bei Störung vom Blatt fallen und sich dadurch der Entdeckung entziehen.
- Die Larven tarnen und schützen sich mit einer auffälligen Kotauflage auf dem Rücken.
- Taglilien (Hemerocallis) sind botanisch keine echten Lilien und gelten nicht als die typischen Entwicklungswirte des Schädlings.
- Neben Lilien werden gelegentlich weitere Pflanzen besiedelt oder angefressen; eine erfolgreiche Entwicklung ist jedoch vor allem von echten Lilien und Fritillarien bekannt.
Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie in Deutschland aktuell für die jeweilige Kultur und den betreffenden Schaderreger zugelassen sind. Vor jeder Anwendung das amtliche BVL-Zulassungsregister und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungsbedingungen, Warte- und Schutzvorschriften strikt einhalten. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation.
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