Apfelwickler
Cydia pomonellaApfelwickler – Kurzüberblick
Der Apfelwickler (Cydia pomonella) ist ein weit verbreiteter Fruchtschädling an Apfel und anderem Kernobst. Seine Larven bohren sich kurz nach dem Schlupf in junge Früchte ein und fressen bis zum Kerngehäuse. Typisch sind Einbohrlöcher, bräunlicher Raupenkot und vorzeitig abfallende oder madige Früchte. Eine wirksame Bekämpfung beruht auf Überwachung, Hygiene, mechanischen Maßnahmen und gut abgestimmtem integriertem Pflanzenschutz.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Apfelwickler ist im deutschen Kernobstanbau einer der wichtigsten Fruchtschädlinge. Befallen werden vor allem Äpfel, daneben können unter geeigneten Bedingungen auch Birnen, Quitten, Pfirsiche und Walnüsse geschädigt werden. Nicht jeder Fraß an Früchten stammt jedoch sicher von dieser Art; Einbohrloch, Raupenkot und der Fraßweg zum Kerngehäuse sind für die Diagnose besonders aussagekräftig.
Symptome und Erkennung
- Kleine Einbohrlöcher an jungen oder heranreifenden Früchten, häufig in Kelch- oder Stielnähe.
- Bräunlicher, krümeliger Raupenkot am Eingang und in den Fraßgängen.
- Fraßgänge bis zum Kerngehäuse; Kerne und Samen können beschädigt sein.
- Vorzeitig abfallende Früchte, besonders bei frühem Befall, oder madige, unverkäufliche Früchte zur Ernte.
- Die Larve ist zunächst weißlich und später rosa bis fleischfarben, mit braunem Kopf und bis etwa 2 cm Länge.
Ursachen und Ausbreitung
Die Schäden entstehen durch die Larven von Cydia pomonella. Begattete Weibchen legen einzelne Eier auf Blätter oder Früchte. Nach dem Schlupf suchen die Larven kurze Zeit auf der Oberfläche und bohren sich anschließend in eine Frucht ein. Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch den Flug erwachsener Falter sowie durch befallene Früchte, Kisten und Verstecke am Baum oder in der näheren Umgebung.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland überwintert die Art überwiegend als ausgewachsene Larve in einem Gespinst unter Borkenschuppen, in Rindenspalten oder geschützten Verstecken. Je nach Region und Witterung treten meist eine bis zwei Generationen jährlich auf. Die ersten Falter erscheinen gewöhnlich ab Mai. Flug und Eiablage werden durch warme Witterung begünstigt; die frisch geschlüpften Larven dringen rasch in die Früchte ein. Nach dem Verlassen der Frucht spinnen sie sich zur Verpuppung ein oder gehen in die Überwinterung.
Behandlung und Bekämpfung
Die Maßnahmen sollten am Flugverlauf und an der Eiablage ausgerichtet werden, nicht erst am sichtbaren Fruchtbefall. Pheromonfallen dienen vor allem der Überwachung; in geeigneten Anlagen kann die Verwirrmethode eingesetzt werden, wobei Baumgröße, Befallsdruck und Umgebung berücksichtigt werden müssen. Mechanische Barrieren, konsequente Fruchthygiene und eine genaue Kontrolle der ersten Befallszeichen sind im Hausgarten besonders wichtig. Bei starkem Befall sollten geeignete biologische oder andere zugelassene Maßnahmen nach regionaler Beratung und Etikettangaben in ein integriertes Programm eingebunden werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Apfelwickler-Granuloviren (CpGV) wirken spezifisch gegen die Larven und müssen von diesen aufgenommen werden; der richtige Anwendungstermin vor dem Eindringen in die Frucht ist entscheidend.
- Trichogramma-Schlupfwespen können Eier des Apfelwicklers parasitieren und werden je nach Produkt und Befallssituation wiederholt ausgebracht.
- Nematodenpräparate können gegen überwinternde Larven in geschützten Verstecken eingesetzt werden, sofern das konkrete Produkt für die Anwendung zugelassen und die nötige Feuchtigkeit vorhanden ist.
- Netze, Fangmanschetten, Fallobsthygiene und die Entfernung befallener Früchte reduzieren die Population ohne direkte Insektizidanwendung.
Vorbeugung
- Fallobst und befallene Früchte mehrmals wöchentlich absammeln und nicht auf dem Kompost weiterentwickeln lassen.
- Alte Borkenschuppen und geschützte Verstecke am Stamm kontrollieren; im Herbst und Winter die Rinde nicht unnötig verletzen.
- Wellpappestreifen als Fang- und Kontrollgürtel um den Stamm legen und regelmäßig wechseln; darin sitzende Larven entfernen.
- Bei kleinen Bäumen feinmaschige Insektenschutznetze nach der Blüte und vor dem Falterflug dicht anliegend anbringen.
- Fallen zur Flugüberwachung ab etwa Anfang bis Mitte Mai aufhängen und regelmäßig kontrollieren. Eine einzelne Pheromonfalle ersetzt keine vollständige Bekämpfungsstrategie.
- Baumkronen luftig und gut zugänglich halten, damit Früchte kontrolliert und befallene Exemplare rasch entfernt werden können.
Wissenswertes
- Die Larve ist nach dem Einbohren in die Frucht gegenüber vielen Kontaktmaßnahmen weitgehend geschützt.
- In Deutschland sind je nach Klima häufig eine oder zwei Generationen möglich; warme Regionen und heiße Jahre können den Befall deutlich verstärken.
- Die Art ist nicht auf Äpfel beschränkt, zeigt aber im Apfelanbau ihre größte wirtschaftliche Bedeutung.
- Granuloviren gegen den Apfelwickler gehören zu den besonders spezifischen biologischen Pflanzenschutzoptionen.
Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den Apfelwickler beziehungsweise die konkrete Anwendung zugelassen sind. Zulassungen, Auflagen, Wartezeiten, Anwendungszeitpunkte und Abstandsauflagen können sich ändern. Maßgeblich ist stets das aktuelle amtliche Etikett beziehungsweise die BVL-Zulassungsdatenbank. Gebrauchsanleitung, Schutzvorschriften und bienenschutzrelevante Auflagen genau einhalten; keine Mittel außerhalb der zugelassenen Anwendung einsetzen.
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