Westlicher Maiswurzelbohrer
Diabrotica virgifera virgifera LeConteWestlicher Maiswurzelbohrer – Kurzüberblick
Der Westliche Maiswurzelbohrer ist ein bedeutender Maisschädling, dessen Larven im Boden an Maiswurzeln fressen. Befallene Pflanzen nehmen Wasser und Nährstoffe schlechter auf, kippen bei starkem Wurzelverlust um und zeigen bei Trockenheit besonders deutliche Schäden. Die erwachsenen Käfer fressen außerdem an Maisnarben, Pollen und Blättern. In Deutschland sind Fruchtfolge, Monitoring und die Vermeidung von Mais nach Mais zentrale Maßnahmen.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Westliche Maiswurzelbohrer ist in Deutschland vor allem ein Schädling von Mais (Zea mays). Die Larven leben im Boden und fressen zunächst Wurzelhaare, später größere Seiten-, Kronen- und Stützwurzeln. Stark geschädigte Pflanzen können bei Wind oder Trockenheit umkippen. Erwachsene Käfer erscheinen überwiegend im Juli und August und fressen an Pollen, Blättern und besonders an den Narbenfäden der Kolben.
Die Stärke des Befalls hängt wesentlich von der Maisanbaudichte und der Fruchtfolge ab. Mais nach Mais begünstigt den Aufbau lokaler Populationen, während ein Anbaujahr ohne Mais den Lebenszyklus meist wirksam unterbricht. Bei Verdacht sollten Pflanzenwurzeln untersucht und der Bestand durch Monitoring kontrolliert werden.
Symptome und Erkennung
Typische Anzeichen des Larvenfraßes sind:
- abgefressene Wurzelhaare und narbige Fraßgänge an Seiten- und Kronenwurzeln;
- reduzierte Wasser- und Nährstoffaufnahme, besonders auffällig bei Trockenheit;
- instabile Pflanzen, Lagerbildung oder das charakteristische „Gänsehals“-Symptom, bei dem sich Maispflanzen nach dem Umkippen wieder aufrichten;
- verzögertes Wachstum und Ertragsverluste bei starkem Wurzelschaden.
Erwachsene Käfer fressen an Maispollen, Blättern und Narbenfäden. Starker Narbenfraß kann die Befruchtung beeinträchtigen und zu lückenhaft ausgebildeten Kolben führen. Ein geringer Blattfraß allein ist meist nicht das wichtigste Schadmerkmal.
Ursachen und Ausbreitung
Der Befall nimmt besonders dort zu, wo Mais über mehrere Jahre auf derselben Fläche oder in sehr kurzen Fruchtfolgen angebaut wird. Die Weibchen legen ihre Eier im Sommer in den Boden von Maisfeldern, überwiegend in die obere Bodenschicht. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven und suchen Maiswurzeln auf.
Die erwachsenen Käfer können zwischen Feldern wechseln. Eine Verschleppung über mit Erde behaftete Maschinen, Pflanzenmaterial oder Boden ist ebenfalls möglich. In Laborversuchen wurden einzelne Entwicklungsstadien auch an anderen Gräsern beobachtet; unter deutschen Praxisbedingungen gilt Mais jedoch als der entscheidende Wirt für die erfolgreiche Entwicklung.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Westliche Maiswurzelbohrer bildet unter mitteleuropäischen Bedingungen gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die Eier werden vorwiegend ab August in feuchten Boden abgelegt und überwintern dort. Je nach Bodentemperatur erscheinen die ersten Larven in Deutschland meist ab Anfang bis Mitte Juni.
Die Larven durchlaufen drei Stadien und fressen etwa vier bis fünf Wochen an den Wurzeln. Anschließend verpuppen sie sich im Boden. Ab etwa Mitte Juli erscheinen die ersten Käfer; die höchsten Käferzahlen werden häufig im August beobachtet. Nach einem Reifungsfraß paaren sich die Tiere, und die Weibchen beginnen erneut mit der Eiablage. Ein kleiner Teil der Eier kann eine verlängerte Winterruhe durchlaufen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei Verdacht sollten mehrere Pflanzen an verschiedenen Stellen des Bestands ausgegraben und die Wurzeln vorsichtig von Erde befreit werden. Fraßspuren, Wurzelverlust und Larven sollten möglichst fotografisch dokumentiert und bei unklarer Bestimmung fachlich bestätigt werden. Zusätzlich ist der Bestand während der Maisblüte auf Käfer und Narbenfraß zu kontrollieren.
In der integrierten Bekämpfung haben Fruchtfolge und die Unterbrechung des Entwicklungszyklus Vorrang. In offiziell abgegrenzten Befalls- oder Sicherheitszonen können besondere Vorgaben zu Fruchtfolge, Monitoring, Transport und Bekämpfung gelten. Einzelne stark geschädigte Pflanzen lassen sich nicht kurativ wiederherstellen; Maßnahmen zielen deshalb auf die Verringerung der Folgepopulation.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den ökologischen und möglichst schonenden Anbau stehen vor allem vorbeugende und kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund: Mais nicht unmittelbar nach Mais anbauen, Maisdurchwuchs beseitigen, Fruchtfolgen diversifizieren und den Anbau in bekannten Risikoflächen überwachen. Eine gute Bodenstruktur und bedarfsgerechte Wasserversorgung können die Folgen von Wurzelschäden mindern, beseitigen den Schädling jedoch nicht.
Natürliche Gegenspieler im Boden und im Bestand können zur Regulation beitragen, reichen bei starkem Befall aber nicht zuverlässig als alleinige Maßnahme aus. Für den Hausgarten ist ein Befall an wenigen Maispflanzen meist durch das Entfernen von Maisdurchwuchs und eine mehrjährige Anbaupause besser zu begrenzen als durch Spritzungen.
Vorbeugung
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine ausreichend weite Fruchtfolge ohne Mais im Folgejahr. In Deutschland kann bereits ein Anbaujahr ohne Mais die Entwicklung der aus dem Vorjahr stammenden Larven weitgehend unterbrechen. Maisdurchwuchs sollte entfernt werden, da er den Schädling mit Nahrung versorgen kann.
- Maisflächen und Risikoflächen regelmäßig überwachen;
- bei gefährdeten Beständen Gelbtafeln, Pheromonfallen oder standardisierte Käferkontrollen nach regionaler Empfehlung einsetzen;
- Maisstroh und Ernterückstände sachgerecht einarbeiten;
- Maschinen vor dem Wechsel aus befallenen Flächen von anhaftender Erde reinigen;
- bei amtlichem Nachweis die Vorgaben der zuständigen Pflanzenschutz- und Pflanzengesundheitsbehörde beachten.
Wissenswertes
- Der deutsche Name bezieht sich auf den wichtigsten Schaden: den Wurzelfraß der Larven.
- Die Käfer sind häufig gelblich mit dunklen Längszeichnungen; die Färbung kann jedoch variieren.
- Starker Wurzelfraß kann dazu führen, dass sich umgeknickte Maispflanzen wieder aufrichten und dadurch einen „Gänsehals“ bilden.
- Erwachsene Käfer können durch Narbenfraß die Kornbildung stärker beeinträchtigen als durch ihren meist weniger bedeutenden Blattfraß.
- Mais ist der praktisch maßgebliche Wirt für die erfolgreiche Entwicklung in deutschen Anbausystemen; einzelne alternative Gräser sind vor allem aus Laborbeobachtungen bekannt.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn das konkrete Produkt für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger aktuell zugelassen beziehungsweise genehmigt ist. Vor jeder Anwendung sind die amtliche Zulassungsdatenbank, die aktuelle Gebrauchsanleitung, Anwendungsbestimmungen, Abstandsauflagen und Wartezeiten zu prüfen. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation; im Zweifel die zuständige Pflanzenschutzberatung einbeziehen.
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