Ahorn-Runzelschorf (Teerfleckenkrankheit)
Rhytisma acerinumAhorn-Runzelschorf (Teerfleckenkrankheit) – Kurzüberblick
Der Ahorn-Runzelschorf, auch Teerfleckenkrankheit des Ahorns, ist eine auffällige Blattkrankheit durch den Schlauchpilz Rhytisma acerinum. Auf Ahornblättern entstehen zunächst gelbliche Bereiche, später schwarze, teerartige und leicht erhabene Flecken. In Deutschland betrifft sie besonders Spitz- und Bergahorn. Für etablierte Bäume bleibt sie meist ein kosmetisches Problem; entscheidend ist die Entfernung befallenen Fallaubs.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Ahorn-Runzelschorf ist die durch Rhytisma acerinum verursachte Teerfleckenkrankheit des Ahorns. Der Erreger bildet im Blattgewebe dunkle Stromata, die sich im Jahresverlauf zu schwarzen, teerähnlichen Flecken entwickeln. In Deutschland wird das Schadbild besonders häufig am Spitzahorn (Acer platanoides) und am Bergahorn (Acer pseudoplatanus) beobachtet.
Bei größeren, gut eingewachsenen Bäumen bleibt die Erkrankung überwiegend ein ästhetisches Problem. Starker Befall kann einzelne Blätter vorzeitig zum Abfallen bringen, führt aber gewöhnlich nicht zum Absterben des Baumes.
Symptome und Erkennung
Die ersten Anzeichen erscheinen als kleine gelbliche bis gelbgrüne Blattverfärbungen. Im Sommer entwickeln sich daraus meist etwa 1–2 cm große, unregelmäßige, pechschwarze Flecken auf der Blattoberseite. Sie sind kompakt, leicht erhaben und häufig runzelig oder rissig; ein gelblicher Rand kann erhalten bleiben.
Mehrere Flecken können zusammenfließen. Stark befallene Blätter vergilben und fallen unter günstigen Befallsbedingungen vorzeitig ab. Die auffälligen schwarzen Flecken werden besonders deutlich auf herbstlich verfärbtem Laub. Die Diagnose sollte am Wirt und an der Fleckengröße mitgeprüft werden, da andere Ahorn-Runzelschorfe ähnlich aussehen können.
Ursachen und Ausbreitung
Die Hauptquelle für Neuinfektionen ist das befallene Fallaub des Vorjahres. Feuchtigkeit ermöglicht die Reifung und Freisetzung der Ascosporen; Wind und Regenspritzer verteilen sie auf frisch entfaltete Ahornblätter. Dichte Kronen, schattige Lagen und langsam abtrocknendes Laub verlängern die Infektionsbedingungen.
Eine Übertragung über Schnittwunden oder eine Ausbreitung in Holz und Wurzeln findet bei dieser Blattkrankheit nicht statt. Das Auftreten kann von Jahr zu Jahr stark schwanken, insbesondere in Abhängigkeit von Frühjahrsniederschlägen und Blattnässe.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überwintert in befallenen, abgefallenen Ahornblättern. Über Winter und im zeitigen Frühjahr reifen darin die Fruchtkörper heran. Bei feuchter Witterung, in Deutschland meist während des Austriebs und im Frühjahr, werden klebrige Ascosporen freigesetzt.
Die Sporen werden durch Wind und Regenspritzer auf junge Ahornblätter verteilt und dringen überwiegend durch Spaltöffnungen ein. Zunächst entstehen unscheinbare gelbliche Flecken; im weiteren Verlauf bildet der Pilz im Blattgewebe schwarze Stromata. Nach dem Laubfall setzt sich der Zyklus im Fallaub fort. Die genaue zeitliche Ausprägung variiert mit Witterung und Standort.
Behandlung und Bekämpfung
Eine Behandlung des Baumes ist in der Regel nicht erforderlich. Bereits vorhandene schwarze Flecken lassen sich während der Vegetationsperiode nicht zuverlässig entfernen. Bei starkem Befall können einzelne Blätter vorzeitig abfallen; der Baum bildet normalerweise neues Laub und bleibt vital.
Entscheidend für die Folgejahre ist, befallenes Fallaub im Herbst zu beseitigen und die Krone nicht unnötig feucht zu halten. Bei ungewöhnlich starkem, wiederkehrendem Befall, deutlicher Kronenverlichtung oder unsicherer Diagnose sollte eine fachkundige Baumpflege- oder Pflanzenschutzberatung hinzugezogen werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wirksamste nichtchemische Maßnahme ist eine konsequente Laubhygiene:
- Befallenes Ahornlaub im Herbst vollständig zusammenrechen und aus dem unmittelbaren Kronenbereich entfernen.
- Stark befallenes Laub nicht offen lagern oder als oberflächliche Mulchschicht unter demselben Ahorn liegen lassen.
- Laub nur dann im eigenen Kompost verwenden, wenn eine sichere Heißrotte mit ausreichend hohen Temperaturen gewährleistet ist; andernfalls über die kommunale Grünabfallsammlung entsorgen.
- Beim Entfernen möglichst trockenes Laub nicht unnötig aufwirbeln und Arbeitsgeräte bei wiederholter Nutzung an verschiedenen Beständen reinigen.
Biologische Präparate besitzen bei dieser Erkrankung im Haus- und Kleingarten keine verlässlich notwendige Standardrolle. Der Schwerpunkt sollte auf Fallaubbeseitigung und standortgerechter Pflege liegen.
Vorbeugung
Für deutsche Gärten und Parkanlagen sind vorbeugende Kulturmaßnahmen ausreichend:
- Ahornfallaub im Herbst gründlich entfernen, besonders unter stark befallenen Bäumen.
- Bei Neupflanzungen sehr feuchte, schlecht durchlüftete und dauerhaft schattige Standorte vermeiden.
- Auf einen standortgerechten, nicht übermäßigen Rückschnitt achten, damit die Krone gut durchlüftet bleibt.
- Bewässerung möglichst bodennah durchführen und unnötige Blattnässe vermeiden; bei etablierten Ahornbäumen nur bei tatsächlichem Trockenstress wässern.
- Keine routinemäßigen Fungizidspritzungen einplanen, da der Nutzen bei der meist harmlosen Erkrankung gering ist.
Wissenswertes
- Der deutsche Name „Teerfleckenkrankheit“ bezieht sich auf die glänzend schwarzen Stromata auf der Blattoberseite.
- Die schwarzen Flecken sind nicht bereits die reifen Sporenlager: Die Fruchtkörper reifen überwiegend erst im abgefallenen Blatt über Winter und geben im Frühjahr Ascosporen frei.
- Der Ahorn-Runzelschorf ist in Deutschland sehr häufig, gilt aber als wirtschaftlich kaum bedeutsam.
- Ähnliche schwarze Blattflecken an anderen Gehölzgattungen werden meist durch andere Rhytisma-Arten verursacht und sollten nicht automatisch R. acerinum zugeschrieben werden.
Eine direkte Fungizidbehandlung ist bei der meist nur kosmetisch bedeutsamen Erkrankung normalerweise nicht erforderlich. Falls in einer besonderen Situation dennoch eine Behandlung erwogen wird, dürfen in Deutschland ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die betreffende Kultur und das betreffende Schadbild verwendet werden. Immer das aktuelle amtliche Etikett, die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten beachten; keine Mittel zweckentfremden.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: