Rübenzystennematode
Heterodera schachtiiRübenzystennematode – Kurzüberblick
Die Rübenzystennematode Heterodera schachtii ist ein bodenbürtiger Fadenwurm und bedeutender Schädling in Zuckerrübenfruchtfolgen. Die Larven dringen in die Wurzeln ein, bilden dauerhafte Zysten und schwächen die Wasser- und Nährstoffversorgung. Typisch sind nesterweise Kümmerwuchs, Welke bei Wärme und verformte, feinwurzelarme Rübenbestände. Eine sichere Diagnose erfordert meist Boden- und Wurzeluntersuchungen.
Typische Bedingungen
Überblick
Heterodera schachtii wird im Deutschen Rübenzystennematode, Rübenälchen oder Rübennematode genannt. Der Schädling sitzt überwiegend im Boden und ist an der Pflanze meist nicht direkt zu erkennen. Befallsnester können zunächst wie Trockenstress oder ungleichmäßige Bodenversorgung wirken.
Die Larven etablieren in der Wurzel ein dauerhaftes Nährgewebe. Dadurch werden Wasser- und Nährstofftransport beeinträchtigt. Die Schadwirkung hängt stark von Befallsdichte, Bodentemperatur, Feuchtigkeit, Wirtspflanze und Fruchtfolge ab.
Symptome und Erkennung
Typische Symptome treten nesterweise und häufig zunächst an warmen, trockenen Tagen auf:
- ungleichmäßiger, kümmerlicher Wuchs und verzögerter Bestandesschluss;
- schlaffe oder welkende Blätter trotz ausreichender Bodenfeuchte;
- hellgrüne bis gelbliche Blätter und Ertragsdepressionen ohne eindeutig typisches Blattbild;
- verkleinerte Rüben mit schwach entwickeltem Hauptwurzel- und Seitenwurzelsystem;
- zahlreiche feine weiße bis gelbliche Weibchen an den Wurzeln, später braune, zitronenförmige Zysten.
Die Symptome sind nicht beweisend: Verdichtungen, Trockenstress, Nährstoffmangel und andere Wurzelkrankheiten können ähnlich aussehen. Eine Bodenprobe mit Nematodenanalyse ist für eine belastbare Befallsbewertung besonders wichtig.
Ursachen und Ausbreitung
Die Vermehrung erfolgt an geeigneten Wirtspflanzen im Boden. Schlupfreife Larven werden durch Wurzelausscheidungen angelockt, dringen in die Wurzel ein und bilden dort ein spezialisiertes Nährgewebe. Nach der Entwicklung sterben die Weibchen ab; ihre Körper wandeln sich zu widerstandsfähigen braunen Zysten um.
Die wichtigste Verschleppung erfolgt mit befallener Erde: an Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen, Reifen, Werkzeugen, Stiefeln, Erdklumpen, Wasserabfluss und verunreinigtem Pflanz- oder Erntegut. Auch anfällige Unkräuter können die Population während einer Rotation erhalten.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Eier überdauern überwiegend geschützt in den Zysten im Boden. Bei geeigneter Bodenfeuchte und Temperatur schlüpfen die beweglichen Larven des zweiten Jugendstadiums. Sie wandern zu jungen Wurzeln, dringen nahe der Wurzelspitze ein und wandern zu den Leitgeweben.
Dort induzieren sie ein dauerhaftes Nährgewebe. Weibchen schwellen an und werden von außen an der Wurzel sichtbar; Männchen bleiben fadenförmig und verlassen die Wurzel zur Paarung. Nach dem Absterben entsteht die braune Zyste. In gemäßigten europäischen Anbaulagen sind meist etwa ein bis zwei Generationen pro Jahr möglich; die Entwicklungsdauer ist temperaturabhängig.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits befallene Bestände lassen sich während der Vegetation nur begrenzt kurativ behandeln. Im Vordergrund stehen daher die Senkung der Bodendichte und die Vermeidung weiterer Vermehrung.
- Fruchtfolge anhand einer Bodenuntersuchung und der Befallsverteilung anpassen;
- resistente Zwischenfruchtsorten von Ölrettich oder Weißem Senf mit guter Jugendentwicklung und dichter Durchwurzelung verwenden;
- die Zwischenfrucht nicht durch zu späte Saat, schlechte Bodenbearbeitung, Trockenheit oder unzureichende Nährstoffversorgung schwächen;
- bei hoher Belastung tolerante oder resistente Zuckerrübensorten nur entsprechend aktueller Sorten- und Beratungsempfehlungen einsetzen;
- Unkräuter und Ausfallpflanzen in der Rotationsphase kontrollieren.
Die Wirkung resistenter Zwischenfrüchte ist sorten- und standortabhängig. Sie locken Larven zum Schlupf und Eindringen an, erlauben aber meist keine ausreichende Entwicklung zu neuen reifen Zysten.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen und allgemein nichtchemischen Anbau sind Fruchtfolge, Hygiene und resistente Zwischenfrüchte die wichtigsten Werkzeuge. Geeignet sind ausschließlich Sorten, deren Resistenz gegen Rübenzystennematoden geprüft und für den vorgesehenen Zweck dokumentiert ist.
- resistenten Ölrettich oder resistenten Weißen Senf möglichst früh und in ausreichender Bestandesdichte anbauen;
- eine gleichmäßige, intensive Durchwurzelung durch sorgfältige Saatbettbereitung sichern;
- keine anfälligen Rüben- oder Kreuzblütlerarten als vermeintlich neutrale Zwischenfrucht einsetzen;
- Getreide und andere geeignete Nichtwirte zur Populationssenkung nutzen;
- Feldhygiene und Unkrautkontrolle konsequent durchführen.
Gelbsenf kann in bestimmten Fruchtfolgen andere Nematodenprobleme begünstigen. Die Zwischenfrucht sollte deshalb nicht isoliert, sondern im gesamten Fruchtfolge- und Schaderregerkonzept ausgewählt werden.
Vorbeugung
Die wirksamste Vorbeugung ist eine integrierte Fruchtfolgeplanung:
- Zuckerrüben und andere nachgewiesen anfällige Wirtspflanzen nicht zu häufig anbauen; genaue Abstände richten sich nach Befallsdichte und regionaler Beratung;
- zwischen Rüben geeignete Nichtwirtkulturen wie Getreide einplanen;
- anfällige Kreuzblütler und bekannte Unkrautwirte in Befallsflächen konsequent vermeiden;
- nur geprüfte, resistente Ölrettich- oder Gelbsenfsorten einsetzen, wenn sie zur gesamten Fruchtfolge passen;
- Maschinen, Reifen und Geräte vor dem Wechsel aus Befallsflächen von anhaftender Erde reinigen;
- bei Verdacht Bodenproben systematisch aus Befallsnestern und Vergleichsbereichen entnehmen lassen.
Resistente Zwischenfrüchte müssen früh, dicht und mit intensiver Durchwurzelung etabliert werden. Für Deutschland wird in der Beratung häufig eine Aussaat bis spätestens Mitte August empfohlen; die konkrete Entscheidung hängt von Standort, Witterung und Fruchtfolge ab.
Wissenswertes
- Die braune Zyste ist der abgestorbene Körper des Weibchens und kann viele Eier über mehrere Jahre im Boden schützen.
- Die Larven reagieren auf Wurzelausscheidungen geeigneter Wirtspflanzen und verlassen dadurch ihre Zysten.
- Resistenter Ölrettich und resistenter Weißer Senf können den Schlupf fördern, ohne eine normale Zystenbildung zu erlauben.
- Die Schadwirkung kann auch bei äußerlich wenig auffälligen Rübenbeständen durch geringeren Ertrag entstehen.
- Die tatsächliche Wirtseignung hängt unter anderem von Pflanzenart, Sorte, Population und Versuchsbedingungen ab; deshalb sollten Host-Listen nicht pauschal erweitert werden.
Eine chemische Behandlung sollte nicht als Standardmaßnahme angenommen werden. Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind, und halten Sie die jeweils gültige Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Anwendungsbestimmungen und Wartezeit ein. Vor einer Anwendung sind amtliche Beratung und eine belastbare Bodenuntersuchung einzubeziehen.
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