Aspergillus-Kolbenfäule
Krankheit

Aspergillus-Kolbenfäule

Aspergillus flavus
Kurzüberblick

Aspergillus-Kolbenfäule – Kurzüberblick

Die Aspergillus-Kolbenfäule wird durch den weltweit verbreiteten Schimmelpilz Aspergillus flavus verursacht und tritt besonders an Maiskolben nach Hitze, Trockenstress oder Insektenverletzungen auf. Gelblich-grüne bis olivgrüne Sporenbeläge sind typisch. Da der Pilz Aflatoxine bilden kann, reicht eine Sichtkontrolle nicht aus: Für Futter- und Lebensmittelzwecke ist bei Verdacht eine Laboranalyse erforderlich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileMaiskolben, Narbenfäden, Körner und bei der Lagerung beschädigtes Getreide- oder Saatgut.
Begünstigende BedingungenHeißes, trockenes Wetter, Trockenstress während Kornfüllung und Reife, verletzte Kolben oder Körner, späte Ernte sowie warme und feuchte Lagerbedingungen.
Pflanzendoktor

Überblick

Aspergillus flavus ist ein boden- und pflanzenrestbewohnender Schimmelpilz. Im deutschen Anbau ist die Aspergillus-Kolbenfäule vor allem bei Körnermais relevant, wenn ungewöhnlich warme, trockene Witterung mit Trockenstress, verzögerter Ernte oder Verletzungen durch Vögel und Insekten zusammentrifft. Befall kann außerdem nach der Ernte als Lagerfäule an unzureichend getrocknetem oder beschädigtem Erntegut auftreten.

Die Erkrankung ist von anderen Kolben- und Kornfäulen, insbesondere Fusarium-Arten, nur anhand des äußeren Bildes nicht immer sicher zu unterscheiden. Eine Aflatoxinbildung ist stammes- und umweltabhängig und muss analytisch geprüft werden.

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Symptome und Erkennung

Typisch sind einzelne befallene Körner oder kleine Befallsherde, häufig an der Kolbenspitze oder an Stellen mit Insekten- beziehungsweise Vogelfraß. Auf und zwischen den Körnern entsteht ein gelblich-grüner, später olivgrüner bis bräunlicher, pulveriger Sporenbelag. Die Spelzen können äußerlich unauffällig bleiben. Körner sind oft verfärbt, geschrumpft oder mechanisch verletzt.

Bei Lagerbefall können sich Schimmelbeläge und Qualitätsverluste entwickeln, ohne dass der Befall gleichmäßig über die Partie verteilt ist. Sichtbarer Schimmel bedeutet nicht automatisch einen hohen Aflatoxingehalt; umgekehrt können problematische Toxinmengen auch ohne auffälliges äußeres Schadbild vorkommen.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Sporen sind weit verbreitet und werden durch Luftbewegung, Staub, Ernterückstände und kontaminierte Geräte verbreitet. Trockenstress schwächt die Pflanze und begünstigt die Besiedlung der Körner. Fraßgänge des Maiszünslers, Vogelschäden, Hagel und Risse schaffen Eintrittspforten.

Nach der Ernte fördern beschädigte Körner, ungleichmäßige Trocknung, Kondensation, warme Lager und mangelhafte Reinigung die weitere Ausbreitung. Eine verspätete Ernte erhöht bei warmem Herbstwetter das Risiko. Besonders kritisch ist die Vermischung kleiner befallener Bereiche mit großen, äußerlich unauffälligen Partien.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz überdauert als Myzel und widerstandsfähige Sklerotien in Boden und Ernterückständen. Daraus sowie aus vorhandenen Sporen entstehen Luft- und Staubinokulum. Bei Mais beginnt eine wichtige Anfälligkeit mit dem Erscheinen der Narbenfäden; Sporen können diese besiedeln und anschließend die Körner erreichen. Insektenfraß und mechanische Verletzungen erleichtern die Infektion.

Die Kolonisierung wird besonders während der Kornfüllung und nahe der physiologischen Reife sichtbar. Nach der Ernte kann der Pilz beschädigte Körner weiter besiedeln, wenn Trocknung und Lagerung nicht ausreichend kontrolliert werden. Aflatoxinbildung hängt von Stamm, Temperatur, Wasserverfügbarkeit, Kornschädigung und Lagerdauer ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Bereits stark befallene Kolben oder Körner lassen sich nicht zuverlässig kurativ sanieren. Sichtbar schimmeliges Erntegut sollte ausgesondert und nicht in Lebensmittel- oder Futtermittelströme eingebracht werden. Eine sichere Entscheidung über die weitere Verwendung erfordert eine fachgerechte Untersuchung auf Aflatoxine und gegebenenfalls weitere Mykotoxine.

  • Befallsherde und stark beschädigte Kolben getrennt ernten und kennzeichnen.
  • Erntegut sofort reinigen, schonend trocknen und während der Lagerung regelmäßig auf Erwärmung, Feuchtenester und Schimmel kontrollieren.
  • Bei Verdacht auf Kontamination das zuständige Beratungssystem, ein akkreditiertes Labor oder die Futtermittel- beziehungsweise Lebensmittelüberwachung einbeziehen.
  • Kein Einsatz von Hausmitteln, Farbstoffen oder nachträglichem Vermischen zur Kaschierung des Befalls.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen und integrierten Anbau stehen Vorbeugung und Erntehygiene im Vordergrund. Wählen Sie standortangepasste, möglichst früh abreifende und widerstandsfähige Maissorten, vermeiden Sie unnötigen Trockenstress durch eine gute Bodenstruktur und nutzen Sie bei Bedarf eine bedarfsgerechte Wasserversorgung.

  • Kontrollieren und reduzieren Sie Kolbenverletzungen durch Vogelfraß und Insekten, insbesondere den Maiszünsler.
  • Ernten Sie reifen Körnermais ohne unnötige Verzögerung und vermeiden Sie Quetschungen durch falsch eingestellte Erntetechnik.
  • Trocknen Sie das Erntegut rasch und gleichmäßig auf eine für die sichere Lagerung geeignete Feuchte und lagern Sie es kühl, sauber und gut belüftet.
  • Entfernen Sie sichtbar verdorbene Partien getrennt und verfüttern oder verarbeiten Sie sie nicht ohne fachgerechte Untersuchung.
  • Biologische Konkurrenzpräparate mit nicht toxigenen Aspergillus-Stämmen sind regional und rechtlich unterschiedlich verfügbar; sie dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie für die Kultur und Anwendung zugelassen beziehungsweise genehmigt sind.
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Vorbeugung

Beugen Sie vor, indem Sie Trockenstress, Kolbenverletzungen und Ernteverzögerungen möglichst vermeiden. Nutzen Sie widerstandsfähige, standortgerechte Sorten, halten Sie den Bestand gesund und kontrollieren Sie den Maiszünsler nach den regionalen Empfehlungen. Ernterückstände sollten nach dem Anbau managementgerecht eingearbeitet oder anderweitig so behandelt werden, dass die Bildung und Verbreitung von Inokulum reduziert wird.

Überprüfen Sie Erntemaschinen, Silos und Förderwege gründlich und reinigen Sie sie vor der Einlagerung. Trocknen Sie Körnermais möglichst schnell, überwachen Sie Temperatur und Feuchte regelmäßig und lagern Sie nur ausreichend trockenes, unbeschädigtes Erntegut ein. Bei verdächtigen Partien sind getrennte Lagerung, repräsentative Probenahme und Laboruntersuchung sinnvoll.

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Wissenswertes

  • Aspergillus flavus kann Aflatoxine bilden, doch der sichtbare Pilzbelag sagt die tatsächliche Toxinmenge nicht zuverlässig voraus.
  • Die Erkrankung ist in Deutschland vor allem nach außergewöhnlich warmen und trockenen Vegetationsperioden zu erwarten; das Risiko ist regional und saisonal stark schwankend.
  • Einzelne befallene Kolben oder Körner können eine Partie ungleichmäßig belasten. Repräsentative Probenahme ist deshalb für die Laborprüfung entscheidend.
  • Gelbgrüne Sporenbeläge können mit anderen Schimmelpilzen verwechselt werden; eine sichere Diagnose sollte bei wirtschaftlich wichtigen Partien fachlich bestätigt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Eine chemische Bekämpfung ist bei bereits befallenen Kolben und Körnern nicht zuverlässig. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die betreffende Kultur und diesen Zweck aktuell zugelassen sind; prüfen Sie vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank und befolgen Sie strikt das gültige Etikett. Befallene Körner nicht durch Vermischen mit gesundem Erntegut „verdünnen“.