Grüne Reiswanze
Nezara viridulaGrüne Reiswanze – Kurzüberblick
Die Grüne Reiswanze (Nezara viridula) ist eine wärmeliebende, polyphage Baumwanze, die in Deutschland vor allem im Südwesten und unter geschützten Bedingungen wie Gewächshäusern häufiger auftritt. Sie saugt an Blättern, Trieben und Früchten. Besonders an Tomaten, Paprika, Bohnen und anderem Fruchtgemüse verursachen die Einstiche helle, eingesunkene oder später braune Schadstellen und Qualitätsverluste.
Typische Bedingungen
Überblick
Nezara viridula wird in Deutschland als Grüne Reiswanze, regional auch als Grüne Gemüsewanze oder Südliche Stinkwanze bezeichnet. Die etwa 1,6 cm große Wanze ähnelt der heimischen Grünen Stinkwanze (Palomena prasina), besitzt aber typischerweise drei bis fünf helle Punkte am Vorderrand des Halsschilds. Die Art ist wärmeliebend und hat sich im deutschen Südwesten, insbesondere im Oberrheingebiet, stärker etabliert; in Gewächshäusern kann sie lokal problematisch werden.
Adulte Tiere und Nymphen stechen Pflanzengewebe mit ihren saugenden Mundwerkzeugen an. Besonders relevant sind Tomaten, Paprika, Bohnen und andere Fruchtgemüse, daneben Obst, Beeren, Zierpflanzen und verschiedene Wildpflanzen. Die tatsächliche Schadenshöhe hängt von Befallsdichte, Kulturstadium und Witterung ab.
Symptome und Erkennung
Das Schadbild entsteht durch Einstiche und die Abgabe von Speichel in das Pflanzengewebe:
- helle, punktförmige bis rundliche Einstichstellen an Früchten;
- eingesunkene, schwammig-weiche Flecken, die später braun oder nekrotisch werden können;
- Flecken, Verformungen oder vorzeitiges Welken an jungen Trieben und Blättern;
- Qualitäts- und Lagerverluste bei Tomaten, Paprika, Bohnen und Obst;
- sichtbare grüne oder dunkel gefärbte Nymphen sowie Erwachsene an Blattunterseiten, Triebspitzen und Früchten.
Die Symptome können mit Schäden durch andere Baumwanzen verwechselt werden. Für eine sichere Diagnose sollten die Wanze und – wenn vorhanden – das Eigelege bestimmt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Grüne Reiswanze verbreitet sich durch Zuflug, aktive Wanderung zwischen Wirtspflanzen und die Verschleppung einzelner Tiere mit Pflanzenmaterial. Das breite Wirtspflanzenspektrum erleichtert den Wechsel zwischen Kulturpflanzen, Unkräutern und Ziergehölzen. Besonders günstig sind warme Sommer, milde Winter, geschützte Lagen und Gewächshausbedingungen.
In Deutschland legt die Art meist ab Ende Mai Eigelege an, häufig an der Blattunterseite. Die Gelege sind je nach Quelle und Beobachtungssituation meist gelblich bis weißlich und rechteckig angeordnet; die angegebene Eizahl kann variieren. Die auffälligen Nymphen bleiben anfangs häufig gruppenweise zusammen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Grüne Reiswanze überwintert überwiegend als erwachsenes Tier in geschützten Bereichen, unter anderem in Bodenstreu und Pflanzenresten. Im Frühjahr werden die Tiere bei steigenden Temperaturen aktiv. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier meist an Blattunterseiten ab. Über mehrere Nymphenstadien entwickeln sich die Tiere zu geflügelten Erwachsenen.
Unter deutschen Freilandbedingungen ist gewöhnlich mit etwa einer Generation pro Jahr zu rechnen. In warmen Gewächshäusern oder in klimatisch begünstigten Regionen kann die Entwicklung schneller verlaufen und die Populationsdichte deutlich zunehmen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei geringem Befall ist Absammeln meist die schonendste Maßnahme. Eigelege können von Blättern entfernt werden, sofern dabei die Kulturpflanze nicht beschädigt wird. In Gewächshäusern sollten Pflanzen systematisch kontrolliert und Befallsherde sofort behandelt oder isoliert werden.
Bei stärkerem Befall ist ein integriertes Vorgehen sinnvoll: Befallsherde kartieren, Netze und hygienische Maßnahmen kombinieren, benachbarte Wirtspflanzen berücksichtigen und nur bei nachgewiesenem wirtschaftlichem oder qualitativem Schaden weitere Maßnahmen einleiten. Spritzungen gegen Wanzen sind häufig durch die versteckte Lebensweise, die Mobilität und die unterschiedliche Empfindlichkeit der Entwicklungsstadien nur begrenzt zuverlässig.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Kleingarten stehen vor allem nichtchemische Maßnahmen im Vordergrund:
- regelmäßiges Absammeln von Nymphen, Erwachsenen und Eigelegen;
- Schutznetze und geschlossene Lüftungsöffnungen an Gewächshäusern;
- Entfernung von Pflanzenresten und überwinternden Verstecken nach der Kultur;
- Förderung einer vielfältigen Nützlingsfauna durch blütenreiche, strukturierte Randbereiche;
- Schonung von Vögeln, räuberischen Insekten und Spinnen.
Für die Grüne Reiswanze sind Eiparasitoide wie Trissolcus basalis wissenschaftlich als Gegenspieler bekannt. Eine verlässliche, flächendeckende Freisetzung solcher Parasitoide ist im deutschen Gartenbau jedoch nicht allgemein verfügbar und sollte nicht ohne fachliche Prüfung vorausgesetzt werden.
Vorbeugung
- Pflanzen ab dem Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders Blattunterseiten, Triebspitzen und Fruchtansatz.
- Eigelege, Nymphen und adulte Tiere möglichst früh von Hand ablesen und außerhalb der Kultur sicher entfernen.
- Feinmaschige Insektenschutznetze an gefährdeten Gemüsebeständen einsetzen; sie müssen lückenlos anliegen und dürfen die Bestäubung nicht ungewollt behindern.
- Gewächshäuser, Folientunnel und angrenzende Bereiche nach der Kultur gründlich von Pflanzenresten und Verstecken reinigen.
- Stark befallene Unkräuter und freiwillig auflaufende Wirtspflanzen im unmittelbaren Kulturumfeld entfernen, ohne dadurch zusätzliche Wanderungen in die Kultur auszulösen.
- Fruchtfolge, gute Bestandsübersicht und getrennte Kulturtermine nutzen; eine vollständige Vermeidung ist wegen des breiten Wirtspflanzenspektrums jedoch nicht realistisch.
Wissenswertes
- Die Grüne Reiswanze stammt wahrscheinlich aus Ostafrika und ist heute weltweit in warmen Regionen verbreitet.
- In Deutschland wurde sie bereits seit dem späten 20. Jahrhundert gelegentlich nachgewiesen; häufiger und dauerhafter wird sie vor allem in klimatisch begünstigten Gebieten beobachtet.
- Die Art kann sich von Pflanzen aus zahlreichen Familien ernähren und gilt deshalb als stark polyphag.
- Die grün gefärbten Erwachsenen werden leicht mit der heimischen Grünen Stinkwanze verwechselt. Die hellen Punkte am Vorderrand des Halsschilds sind ein nützliches, aber bei schlechten Fotos nicht immer sicher erkennbares Bestimmungsmerkmal.
Keine pauschale Pflanzenschutzmittel-Empfehlung ableiten. Im Erwerbs- und Hausgartenbau dürfen ausschließlich Produkte verwendet werden, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das konkrete Schadproblem gesetzlich zugelassen sind. Anwendung, Wartezeit, Aufwandmenge, Anwenderschutz und Auflagen sind strikt dem aktuellen amtlichen Etikett beziehungsweise der Zulassungsdatenbank zu entnehmen. Nützlingsschonende und nichtchemische Maßnahmen haben Vorrang.
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