Erlensterben durch Phytophthora alni
Phytophthora ×alni-Komplex; insbesondere Phytophthora ×alni, Phytophthora uniformis und Phytophthora ×multiformisErlensterben durch Phytophthora alni – Kurzüberblick
Das Erlensterben ist eine meist fortschreitende Wurzelhals- und Wurzelfäule an Erlen, die durch den Phytophthora-alni-Komplex verursacht wird. Besonders gefährdet ist die Schwarz-Erle an Fließgewässern, Ufern und Standorten mit Staunässe. Typisch sind kleine, gelbliche Blätter, eine schüttere Krone sowie schwarzbraune bis teerfarbene, oft nässende Flecken am Stammfuß. Eine sichere Diagnose erfordert Laboruntersuchungen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Erlen-Phytophthora verursacht eine Wurzel- und Wurzelhalsfäule, die den Wasser- und Nährstofftransport beeinträchtigt. In Deutschland tritt sie besonders an Ufern von Bächen und Flüssen, in Auen sowie auf dauerhaft oder zeitweise vernässten Böden auf. Häufig ist die Schwarz-Erle betroffen; auch Grau-Erle, Herzblättrige Erle und in geringerem Umfang Grün-Erle können erkranken.
Die Erkrankung kann sich innerhalb eines Bestandes oder entlang eines Gewässerlaufs ausbreiten. Einzelne Bäume zeigen zunächst nur eine schüttere Krone, während sich im Stammfuß bereits ausgedehnte Rinden- und Kambiumnekrosen entwickeln. Die sichtbaren Symptome allein beweisen den Befall nicht.
Symptome und Erkennung
Typische Anzeichen sind:
- kleine, blassgrüne bis gelbliche Blätter und vorzeitiger Blattfall,
- schüttere Krone, Kronenverlichtung und absterbende Zweige,
- ungewöhnlich starke Blüte und Fruchtbildung mit kleinen Zapfen,
- schwarzbraune, rostbraune oder teerartige, häufig nässende Flecken am Stammfuß und Wurzelanlauf,
- Rinden- und Kambiumnekrosen, die sich am Stamm nach oben ausdehnen können,
- Fäulnis an Feinwurzeln, Wurzeln und Wurzelhals sowie bei fortgeschrittenem Befall das Absterben des Baumes.
Zur Bestätigung werden Proben aus dem Übergangsbereich von gesundem zu nekrotischem Gewebe sowie gegebenenfalls Boden- oder Wasserproben untersucht. Verwechslungen sind unter anderem mit mechanischen Verletzungen, anderen Phytophthora-Arten, Hallimasch und standortbedingten Wurzelschäden möglich.
Ursachen und Ausbreitung
Phytophthora-Arten bilden bei Wassersättigung bewegliche Zoosporen. Diese können sich im Boden- und Oberflächenwasser zu Feinwurzeln bewegen und über Wurzelverletzungen, Lentizellen oder geschädigte Rinde eindringen. Die Ausbreitung erfolgt daher häufig mit der Fließrichtung von Bächen und Flüssen.
Eine wichtige Einschleppungsquelle kann infiziertes Baumschulmaterial sein. Auch verschlammte Fahrzeuge, Werkzeuge, Schuhe, Bodenanhaftungen und wasserführende Gräben können zur Verschleppung beitragen. Überflutungen, Bodenverdichtung und Verletzungen am Stammfuß erhöhen das Infektionsrisiko. Die genaue Bedeutung einzelner Übertragungswege kann je nach Gewässer und Erreger-Taxon variieren.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Erreger überdauert in infiziertem Gewebe und im Boden beziehungsweise Wasser. Unter feuchten, warmen Bedingungen werden Sporangien gebildet, aus denen bewegliche Zoosporen freigesetzt werden können. Diese erreichen die Wurzeln, keimen an und besiedeln zunächst Feinwurzeln oder verletztes Gewebe.
Von den Wurzeln breitet sich die Nekrose in den Wurzelhals und den unteren Stamm aus. Die Krankheit kann über längere Zeit latent bleiben; bei wiederholter Vernässung, Hochwasser oder zusätzlichem Stress nimmt die Kronenschädigung zu. Stark geschädigte Erlen sterben häufig innerhalb weniger Jahre, bei jungen Bäumen oder besonders günstigen Bedingungen auch schneller.
Behandlung und Bekämpfung
Eine kurative Heilung stark befallener Erlen ist in der Regel nicht zu erwarten. Bei einzelnen wertvollen Bäumen kann eine fachkundige Untersuchung klären, ob der Befall tatsächlich vorliegt und ob der Baum standsicher sowie erhaltungsfähig ist.
Stark geschädigte oder abgestorbene Bäume sollten aus Gründen der Verkehrssicherheit und zur Verringerung von Infektionsquellen fachgerecht gefällt werden. Wurzelstock und größere Wurzelreste sind soweit praktisch möglich zu entfernen oder sicher zu behandeln; befallenes Holz und anhaftender Boden dürfen nicht in bislang freie Gewässerabschnitte oder Baumschulen verbracht werden. Schnitt- und Fällarbeiten sollten bei trockener Witterung und mit gereinigten Werkzeugen erfolgen. In sensiblen Uferbereichen sind zusätzlich wasserrechtliche, naturschutzrechtliche und forstliche Vorgaben zu beachten.
Schonende und biologische Bekämpfung
Wirksame biologische oder „organische“ Hausmittel gegen eine etablierte Erlen-Phytophthora sind nicht verlässlich belegt. Sinnvoll sind deshalb vor allem nicht-chemische IPM-Maßnahmen:
- befallene Bäume und Wurzelreste fachgerecht entfernen,
- Werkzeuge, Fahrzeuge und Schuhe konsequent reinigen,
- keinen Schlamm, Kompost oder Boden aus befallenen Uferbereichen verschleppen,
- Wasserabfluss und Uferstruktur so erhalten, dass keine zusätzlichen Staunässe- oder Verletzungsschäden entstehen,
- gesunde, standortgerechte Erlen aus kontrollierten Beständen nachpflanzen und zunächst regelmäßig überwachen,
- Verdachtsfälle vor umfangreichen Maßnahmen durch eine geeignete Fachstelle oder ein Labor bestätigen lassen.
Vorbeugung
Eine vollständige Sanierung befallener Gewässerabschnitte ist meist nicht realistisch. Im Garten-, Landschafts- und Forstbereich sollten vorbeugend folgende Maßnahmen kombiniert werden:
- nur gesundes, rückverfolgbares und möglichst phytosanitarisch kontrolliertes Erlenpflanzgut verwenden,
- Erlen nicht aus befallenen Beständen oder unbekannter Herkunft in neue Gewässerabschnitte verpflanzen,
- Arbeitsgeräte, Schuhe, Fahrzeuge und Maschinen vor dem Wechsel zwischen Gewässern und Beständen reinigen und anhaftenden Boden entfernen,
- Verletzungen, Aufschüttungen und Bodenverdichtungen im Bereich des Stammfußes vermeiden,
- naturnahe Ufervegetation erhalten und unnötige Eingriffe in das Wasserregime vermeiden,
- auffällige Bäume frühzeitig markieren, dokumentieren und bei Sicherheitsrisiko fachgerecht beurteilen lassen,
- bei Neupflanzungen standortgerechte, nachweislich weniger anfällige Herkünfte prüfen; eine absolute Resistenz ist nicht gesichert.
Wissenswertes
Der Name Phytophthora alni wird heute häufig als Sammelbezeichnung für einen Komplex eng verwandter Erlen-Phytophthora verwendet. In der modernen Taxonomie werden unter anderem Phytophthora ×alni, P. uniformis und P. ×multiformis unterschieden. Diese Taxa gelten überwiegend als auf Erlen spezialisiert.
Die auffälligen „Teerflecken“ sind keine Fruchtkörper, sondern nässende Reaktionen aus geschädigtem Rinden- und Kambiumgewebe. Ein einzelner Fleck reicht nicht für die Diagnose aus; aussagekräftig ist die Kombination aus Kronenverlichtung, Stammfußnekrose und passendem feuchtem Standort.
Eine vorbeugende oder heilende Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln ist bei Erlen an Gewässern besonders kritisch und bietet keine verlässlich abgesicherte Lösung. Verwenden Sie ausschließlich Produkte, die in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt für genau diese Kultur und dieses Problem gesetzlich zugelassen sind, und befolgen Sie strikt das aktuelle Etikett einschließlich Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Abständen, Gewässerschutz- und Anwenderschutzauflagen. Keine Mittel in Gewässernähe oder im Wald einsetzen, wenn die Zulassung oder die Auflagen dies nicht ausdrücklich erlauben.
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