Phytophthora-Wurzel- und Kronenfäule durch Phytophthora nicotianae
Krankheit

Phytophthora-Wurzel- und Kronenfäule durch Phytophthora nicotianae

Phytophthora nicotianae Breda de Haan
Kurzüberblick

Phytophthora-Wurzel- und Kronenfäule durch Phytophthora nicotianae – Kurzüberblick

Phytophthora nicotianae ist ein bodenbürtiger Oomycet mit sehr breitem Wirtsspektrum. Er verursacht vor allem Wurzel-, Hals- und Kronenfäulen, kann aber je nach Wirt auch Stängel, Blätter, Früchte oder Knollen befallen. Welke, vergilbende Blätter und dunkelbraune, wassergetränkte Gewebe sind typische Hinweise; eine sichere Bestimmung erfordert meist Laboruntersuchungen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, Wurzelhals, Krone und Stängelbasis; je nach Wirt zusätzlich Blätter, Früchte oder Kartoffelknollen.
Begünstigende BedingungenStaunässe und schlecht drainierte Substrate, freies Wasser im Boden, kontaminiertes Bewässerungs- oder Ablaufwasser sowie warme Bedingungen; viele Krankheitsformen entwickeln sich besonders bei etwa 24–35 °C.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Erreger befällt bevorzugt unterirdische und bodennahe Pflanzenteile. Typisch sind zunächst gehemmtes Wachstum, Welke und eine nachlassende Neubildung von Trieben. An Wurzeln und Kronen entstehen wassergetränkte, braune bis schwarzbraune Fäulen; bei fortschreitendem Befall kann die Pflanze rasch zusammenbrechen.

Je nach Wirt und Isolat sind auch Blatt- und Stängelinfektionen möglich. An Tomate können Wurzeln, Stängelbasis und Früchte betroffen sein, an Kartoffel zusätzlich Blätter und Knollen. Bei Tabak ist die Krankheit als Schwarzbeinigkeit oder „Black Shank“ bekannt. Das breite Wirtsspektrum bedeutet jedoch nicht, dass jedes Isolat jeden potenziellen Wirt gleich stark krank macht.

Eine sichere Abgrenzung zu Phytophthora infestans, Pythium- und Fusarium-Welken sowie reinem Staunässeschaden ist anhand äußerer Symptome allein nicht zuverlässig möglich.

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Symptome und Erkennung

  • Welke einzelner Blätter oder ganzer Triebe trotz ausreichend feuchtem Substrat.
  • Mattgrüne, gelbliche oder später braune Blätter; Wachstumsstillstand und Absterben bei starkem Befall.
  • Wurzeln zunächst wassergetränkt, anschließend dunkelbraun bis schwarz; die Rinde zerfällt und lässt sich leicht ablösen.
  • Wassergetränkte, dunkelbraune Läsionen an Wurzelhals, Krone oder Stängelbasis, häufig mit scharfem Übergang zu gesundem Gewebe.
  • Bei Tabak: dunkle Stängelbasis, verfaultes Mark und charakteristische braun-schwarze Markscheiben.
  • Bei Catharanthus roseus können auch wassergetränkte Blatt- und Triebspitzenläsionen auftreten; die Stängel werden dunkelbraun eingeschnürt.
  • An Kartoffel und Tomate sind je nach Befallsverlauf Blatt-, Frucht- oder Knollenfäulen möglich.

Zur Bestätigung sind eine Untersuchung des Übergangsbereichs zwischen gesundem und krankem Gewebe sowie gegebenenfalls Kultivierung und molekulare Artbestimmung sinnvoll.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überdauert im Boden und in infiziertem Pflanzenmaterial unter anderem als Chlamydosporen und Oosporen. Bei freiem Wasser im Boden keimen diese Strukturen oder bilden bewegliche Zoosporen, die sich im Wasserfilm zu Wurzeln bewegen und diese infizieren.

Begünstigt wird die Krankheit durch Staunässe, schlecht drainierte Böden, übermäßige Bewässerung, hohe Luft- und Bodentemperaturen sowie dicht stehende Pflanzen. In deutschen Gewächshäusern und unter Folie können warme, dauerhaft nasse Substrate besonders problematisch sein.

Die Verschleppung erfolgt vor allem über kontaminiertes Gieß- und Oberflächenwasser, Spritzwasser, Substrat, Erde, Töpfe, Kisten, Schuhe, Geräte und infizierte Jungpflanzen. Abfluss- oder Überlaufwasser kann den Erreger von erkrankten zu gesunden Pflanzen weitertragen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Phytophthora nicotianae ist kein echter Pilz, sondern ein pilzähnlicher Oomycet. Dauerstrukturen überleben im Boden oder in Pflanzenresten. Unter warmen und nassen Bedingungen entstehen Sporangien und daraus Zoosporen, die sich aktiv im Wasser bewegen.

Zoosporen besiedeln Wurzelspitzen, Wunden oder bereits gestresstes Gewebe. Nach der Anheftung keimen sie aus und wachsen in Wurzel-, Kronen- oder Stängelgewebe ein. Bei geeigneten Bedingungen kann die Krankheit schnell fortschreiten; stark befallene Pflanzen welken innerhalb kurzer Zeit.

Die Ausbreitung ist überwiegend boden- und wassergebunden. Im Gegensatz zu typischen Blattkrankheiten mit großräumiger Windverbreitung bildet P. nicotianae häufig nur selten Sporen auf Blattläsionen; bei einzelnen Wirten und Befallsformen sind jedoch oberirdische Infektionen möglich.

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Behandlung und Bekämpfung

Früh befallene Topfpflanzen oder Einzelpflanzen sollten meist vollständig entfernt werden, da stark zerstörte Wurzeln nicht wieder gesund werden. Bei wertvollen Beständen können gesunde, symptomfreie Pflanzenteile in frisches, sauberes Substrat umgesetzt werden; das ursprüngliche Substrat und kontaminierte Gefäße dürfen dabei nicht mitübertragen werden.

Im Bestand sind eine sofortige Korrektur der Bewässerung, bessere Drainage, die Unterbindung von Wasserläufen und die Entfernung von Pflanzenresten entscheidend. Befallsherde sollten markiert und regelmäßig kontrolliert werden. Bei Gemüse und Zierpflanzen ist die Kombination aus Hygiene, Wassermanagement, toleranten Sorten oder Unterlagen und geeigneter Kulturführung wirksamer als eine rein kurative Maßnahme.

Bei unklarer Diagnose, wiederkehrendem Befall oder größeren Beständen sollte eine Pflanzenprobe an ein geeignetes Diagnoselabor oder die zuständige Beratung gegeben werden. Die Artbestimmung ist wichtig, weil sich Wirtsspektrum, Befallsform und Empfindlichkeit gegenüber Wirkstoffen unterscheiden können.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Hygienische Kulturführung mit sauberem Pflanzgut, frischem Substrat und getrennten Arbeitsgeräten.
  • Bewässerung auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen und Wasserüberschuss konsequent vermeiden.
  • Erkrankte Pflanzen und Wurzelreste aus dem Bestand entfernen; befallenes Material nicht vermehren oder kompostieren.
  • Bei leeren Flächen können standort- und kulturabhängig Maßnahmen wie ausreichendes Austrocknen, Dämpfen oder Solarisation geprüft werden; ihre Wirkung hängt stark von Temperatur, Bodentiefe und Anwendung ab.
  • Biologische Präparate auf Basis zugelassener Antagonisten können unterstützend eingesetzt werden, ersetzen aber keine Drainage- und Hygienemaßnahmen. Vor einer Anwendung muss die Wirksamkeit für Kultur und Erreger in der konkreten Situation geprüft werden.
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Vorbeugung

  • Nur gesundes, untersuchtes Pflanzgut aus hygienisch zuverlässiger Quelle verwenden.
  • Substrate, Töpfe, Anzuchtplatten und Werkzeuge sauber halten; wiederverwendbare Behälter vor dem Einsatz fachgerecht reinigen und desinfizieren.
  • Drainage verbessern, Hochbeete oder erhöhte Kulturflächen nutzen und Staunässe vermeiden.
  • Gezielt in den Wurzelbereich bewässern; lange Blatt- und Substratnässe sowie Überlauf zwischen Töpfen verhindern.
  • Erkrankte Pflanzen mitsamt möglichst viel Wurzel- und Substratbereich entfernen. Nicht in den Hauskompost geben.
  • Wasserabfluss aus befallenen Bereichen von gesunden Beständen fernhalten und Arbeitsabläufe von gesund nach krank organisieren.
  • Wirtspflanzenwechsel und längere Anbaupausen können die Inokulumdichte senken, sind wegen des breiten Wirtsspektrums aber allein nicht ausreichend.
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Wissenswertes

  • Phytophthora nicotianae ist ein Oomycet und taxonomisch nicht mit den echten Pilzen gleichzusetzen.
  • Der Erreger wurde früher häufig als Phytophthora parasitica bezeichnet; dieser Name erscheint noch in älterer Fachliteratur.
  • Die dokumentierte Wirtsspanne umfasst zahlreiche Pflanzenfamilien und mehr als 255 Gattungen; einzelne Isolate können dennoch eine ausgeprägte Wirtsspezialisierung zeigen.
  • Bei Tabak ist die typische Schwarzbeinigkeit durch dunkle, nekrotische Stängel- und Markgewebe gekennzeichnet.
  • Die Verwechslung mit der Kraut- und Braunfäule der Tomate oder Kartoffel ist möglich. P. nicotianae bevorzugt im Allgemeinen deutlich wärmere Bedingungen und ist häufig stärker bodenbürtig.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das konkrete Problem zugelassen oder genehmigt sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Wartezeit, Abstandsauflagen und Gewässerschutzvorgaben der aktuellen Gebrauchsanweisung beachten. Wegen möglicher Wirkstoffresistenz und artspezifischer Unterschiede keine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge empfehlen; die aktuelle Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie die amtliche Beratung heranziehen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

38 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.