Phytophthora-Fäule
Krankheit

Phytophthora-Fäule

Phytophthora capsici
Kurzüberblick

Phytophthora-Fäule – Kurzüberblick

Die Phytophthora-Fäule ist eine durch den wasserliebenden Oomyceten Phytophthora capsici verursachte Boden- und Fruchtkrankheit. Besonders gefährdet sind Kürbisgewächse, Paprika, Auberginen und Tomaten. Bei warm-feuchten Bedingungen dringt der Erreger über Wurzeln, Stängel oder Früchte ein und kann Pflanzen rasch zum Welken bringen. Entscheidend sind trockene Pflanzenbestände, gute Drainage, Hygiene und eine konsequente Fruchtfolge.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, Wurzelhals und Krone, Stängel und Blattstiele, Blätter sowie Früchte; bei Keimlingen auch die Stängelbasis.
Begünstigende BedingungenWarme Temperaturen, dauerhaft feuchte oder wassergesättigte Böden, Staunässe, schlechte Drainage, häufige Beregnung, Starkregen und dichter Pflanzenbestand. In Deutschland steigt das Risiko besonders in nassen Sommerperioden, tiefen Geländestellen, Folientunneln und Gewächshäusern mit hoher Luftfeuchte.
Pflanzendoktor

Überblick

Phytophthora-Fäule kann nahezu alle Pflanzenteile befallen. Typisch sind zunächst einzelne welke Pflanzen oder nesterweise Ausfälle in tiefer liegenden, vernässten Bereichen. Wurzeln und Wurzelhals verfärben sich dunkelbraun bis schwarz und wirken wassergetränkt. An Stängeln und Blattstielen entstehen unregelmäßige braune Läsionen; Früchte entwickeln weiche, eingesunkene Fäulen, die bei hoher Luftfeuchte von weißlichem Sporenrasen überzogen werden können.

Die Symptome variieren je nach Wirt. Bei Zucchini, Kürbis und anderen Kürbisgewächsen sind Stängel- und Fruchtfäulen häufig; bei Paprika und Aubergine stehen Welke, Kronenfäule und Fruchtbefall im Vordergrund. Eine sichere Diagnose kann eine Laboruntersuchung erfordern, da auch andere Phytophthora-Arten, Pythium, bakterielle Weichfäulen und Staunässeschäden ähnliche Bilder verursachen.

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Symptome und Erkennung

  • Plötzliches Welken einzelner Pflanzen oder ganzer Befallsnester trotz feuchtem Boden.
  • Dunkelbraune bis schwarze, wassergetränkte Wurzeln, Kronen und Stängelbasen; betroffene Pflanzen lassen sich wegen des Wurzelverlusts leicht aus dem Boden ziehen.
  • Wassergetränkte, olivbraune bis dunkelbraune Läsionen an Ranken, Stängeln und Blattstielen, die den Leitungsbahnen folgen oder den Stängel ringförmig abschnüren.
  • Bei Kürbisgewächsen häufig weiche, braune Fruchtfäulen, besonders an Bodenkontaktstellen oder am Fruchtstiel; später kann weißlicher, watteartiger Sporenbelag sichtbar werden.
  • Bei Paprika, Aubergine und Tomate sind Welke, Kronenfäule und Fruchtfäule möglich; Blattflecken können zusätzlich auftreten.
  • Keimlinge können an der Stängelbasis zusammenbrechen. Fruchtinfektionen können sich auch erst nach der Ernte, während Transport oder Lagerung, deutlich zeigen.
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Ursachen und Ausbreitung

Die Krankheit wird durch den Erreger im Boden, infizierte Jungpflanzen und Pflanzenreste eingeschleppt. Wasser ist der wichtigste Ausbreitungsfaktor: Zoosporen werden mit Bewässerungs- und Oberflächenwasser verlagert, während Regentropfen und Beregnung infiziertes Bodenmaterial auf Blätter, Stängel und Früchte spritzen.

Besonders riskant sind Staunässe, verdichtete Böden, tiefe Geländestellen, wiederholter Anbau anfälliger Wirtspflanzen und unzureichend gereinigte Geräte. Verletzungen an Wurzeln oder Stängeln erleichtern die Infektion. Auch befallene Früchte und Pflanzenreste können den Erreger in einem Bestand halten.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger überdauert im Boden und in infizierten Pflanzenresten als widerstandsfähige Dauerstrukturen; je nach Populationszusammensetzung können diese mehrere Jahre infektiös bleiben. Bei ausreichender Feuchtigkeit bildet er Sporangien und bewegliche Zoosporen. Diese schwimmen in Wasserfilmen durch gesättigten Boden, erreichen Wurzeln oder Stängelbasen und dringen in verletztes oder weiches Gewebe ein.

Neue Infektionen werden vor allem durch Oberflächenwasser, Spritzwasser, Bewässerung, anhaftende Erde an Schuhen und Geräten sowie durch infizierte Jungpflanzen und Pflanzenreste verbreitet. Warm-feuchte Bedingungen beschleunigen die Entwicklung. Befallsherde breiten sich häufig in Abflussrichtung oder von nassen Senken aus.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei Verdacht zuerst die Bewässerung anpassen, stehendes Wasser beseitigen und die betroffene Stelle markieren. Stark befallene oder kollabierte Pflanzen vollständig mit Wurzelballen entfernen und über den Restmüll entsorgen; befallene Früchte nicht weiter lagern oder für Saatgut verwenden. Gesunde Nachbarpflanzen nicht mit Erde oder Spritzwasser aus dem Befallsherd verunreinigen.

Eine bereits zerstörte Krone oder Wurzel lässt sich meist nicht kurativ reparieren. In noch wenig befallenen Beständen können schnelle Entfernung von Herden, trockene Blattführung, verbesserte Drainage und eine zugelassene, kulturbezogene Behandlung den weiteren Befall begrenzen. Die konkrete Wirksamkeit hängt von Resistenzlage, Applikationszeitpunkt, Kultur und Zulassung ab; bei wertvollen oder gewerblichen Beständen ist eine Beratung durch den Pflanzenschutzdienst oder eine Pflanzenklinik ratsam.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund. Befallene Pflanzen mitsamt Wurzelballen und kranke Früchte möglichst früh entfernen und nicht in den eigenen Kompost geben. Erde an Schuhen, Werkzeugen, Kisten und Maschinen nicht von einem Befallsfeld in saubere Beete verschleppen; Werkzeuge nach Kontakt mit kranken Pflanzen reinigen und desinfizieren.

Im ökologischen Anbau sind robuste oder tolerantere Sorten, zertifiziertes gesundes Pflanzgut, erhöhte Beete, sorgfältige Bodenstrukturpflege und Tröpfchenbewässerung besonders wichtig. Zugelassene biologische Präparate oder Pflanzenstärkungsmittel können je nach Kultur und Zulassungsstatus ergänzend eingesetzt werden, ersetzen aber keine Drainage, Hygiene und Fruchtfolge. Nur in Deutschland rechtlich zulässige Produkte und Anwendungen verwenden.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, möglichst zertifiziertes Saat- und Pflanzgut verwenden; Jungpflanzen vor dem Setzen auf Welke, Kronenläsionen und Wurzelverfärbungen prüfen.
  • Beete erhöht anlegen oder Dämme verwenden und verdichtete, schlecht drainierte Stellen meiden. Wasser darf nicht länger an der Pflanzenbasis stehen.
  • Tröpfchenbewässerung bevorzugen; keine Überkopfbewässerung und keine Verschleppung von Wasser aus bekannten Befallsstellen in gesunde Bereiche.
  • Eine mehrjährige Fruchtfolge ohne anfällige Wirtspflanzen einplanen. Mindestens drei Jahre ohne anfällige Kulturen können sinnvoll sein, abhängig von Standort, Befallsdruck und Kulturfolge.
  • Unkraut und freiwillig auflaufende Kürbis-, Nachtschatten- oder Bohnenpflanzen im Befallsbereich entfernen, sofern sie als Wirt dienen können.
  • Befallene Pflanzenreste, Früchte und Erde nicht in saubere Beete verbringen. Geräte, Schuhe, Kisten und Arbeitsflächen nach Arbeiten in Befallsflächen reinigen.
  • Ausreichende Pflanzabstände und gute Luftbewegung sichern; Früchte möglichst nicht direkt auf feuchtem Boden liegen lassen.
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Wissenswertes

  • Phytophthora capsici gehört zu den Oomyceten, die umgangssprachlich oft als „Wasserpilze“ bezeichnet werden; biologisch handelt es sich nicht um echte Pilze.
  • Die beweglichen Zoosporen benötigen Wasserfilme und erklären, warum Vernässung und Oberflächenabfluss die Krankheit so stark fördern.
  • Der Erreger kann verschiedene Pflanzenfamilien befallen. Deshalb reicht eine Fruchtfolge ausschließlich zwischen Gurke, Zucchini und Kürbis nicht aus, wenn zusätzlich Paprika, Aubergine oder andere anfällige Kulturen angebaut werden.
  • Fruchtbefall kann nach der Ernte weitergehen und zunächst mit einer mechanischen Verletzung oder einer gewöhnlichen Lagerfäule verwechselt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die BVL-Zulassungsdatenbank beziehungsweise PS Info und stets das aktuelle Etikett beachten; Kultur, Aufwandmenge, Wartezeit, Anwendungszahl, Abstandsauflagen und Schutzbestimmungen sind verbindlich. Eine pauschale Fungizidempfehlung ist nicht seriös, da Zulassungen und Indikationen wechseln.