Genetzte AckerschneckeQuelle: Wikimedia CommonsRasbak at Dutch WikipediaCC BY-SA 3.0
Schädling

Genetzte Ackerschnecke

Deroceras reticulatum (O. F. Müller, 1774)
Kurzüberblick

Genetzte Ackerschnecke – Kurzüberblick

Die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum) ist eine häufige Nacktschnecke im deutschen Gartenbau und Ackerbau. Sie frisst vor allem nachts bei feucht-milder Witterung an Keimlingen, jungen Blättern, Triebspitzen, Früchten und Samen. Typisch sind unregelmäßige Fraßlöcher, abgeschabte Blattflächen und silbrige Schleimspuren. Eine sichere Bestimmung gelingt am besten durch Kombination aus Tierfund, Schleimspur und Fraßbild.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileKeimlinge, Keimblätter, junge Blätter, Triebspitzen, Blüten, Früchte, Samen, Wurzeln und Knollen.
Begünstigende BedingungenFeucht-milde Witterung, nasse oder schwere Böden, Schatten, dichter Pflanzen- und Ernterückstand, Mulch, Unkraut sowie Nachbarschaft zu Grünland oder Brache.
Pflanzendoktor

Überblick

Deroceras reticulatum wird in Deutschland als Genetzte Ackerschnecke bezeichnet. Die Färbung reicht von cremefarben, gelblich oder rötlichbraun bis schiefergrau; häufig zeigt der Körper eine dunkle netzartige Zeichnung. Ausgestreckt werden meist etwa 35–60 mm erreicht. Die Art besitzt einen kurzen Rückenkiel und eine Atemöffnung unterhalb des Mantels.

Die Bestimmung einzelner Ackerschnecken ist äußerlich nicht immer sicher, weil Färbung und Zeichnung variieren und nahe verwandte Arten ähnlich aussehen können. Für eine belastbare Diagnose sollten Fraßbild, Schleimspuren, Aktivitätszeit und möglichst das Tier gemeinsam beurteilt werden.

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Symptome und Erkennung

  • Unregelmäßige, weichrandige Löcher in Blättern und Keimblättern.
  • Abgeschabte, streifige Fraßflächen und angefressene Triebspitzen.
  • Vollständig verschwundene Keimlinge oder ausgedünnte Pflanzenbestände.
  • Fraß an jungen Früchten, Samen, Wurzeln und Knollen möglich.
  • Silbrige bis weißliche Schleimspuren auf Blättern, Erde oder Töpfen.

Die Tiere fressen überwiegend nachts oder bei bedecktem, feuchtem Wetter. Ähnliche Schäden können durch andere Nacktschnecken, Erdraupen oder mechanische Verletzungen entstehen; deshalb sollte unter Brettern, Erdklumpen und Pflanzenresten nach den Tieren gesucht werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Schaden entsteht durch raspelndes Fressen mit der Radula. Die Art ist ein Generalist und kann viele Kulturpflanzen nutzen. Hohe Befallsdrücke entwickeln sich vor allem in feuchten, schweren oder tonreichen Böden, unter dichter Bodenbedeckung, in schattigen Bereichen sowie neben Dauergrünland, Brachen und unkrautreichen Randflächen.

Milde, feuchte Frühjahre und regenreiche Sommer fördern Aktivität und Vermehrung. Direkte Verschleppung erfolgt vor allem mit Pflanzenmaterial, Erde, Kompost, Ernterückständen und feuchten Verstecken. Reduzierte Bodenbearbeitung und reichlich Mulch können in manchen Situationen zusätzliche Schutzräume schaffen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Genetzte Ackerschnecke ist zwittrig; unter günstigen Bedingungen kann auch Selbstbefruchtung vorkommen. Die Paarung beginnt häufig nach den ersten Herbstniederschlägen und kann bis ins Frühjahr andauern. Eier werden in Gelegen mit meist mehreren Dutzend kugeligen, zunächst durchscheinenden Eiern in geschützten Hohlräumen nahe der Bodenoberfläche oder unter Pflanzenresten abgelegt.

Je nach Temperatur und Feuchte schlüpfen die Jungtiere nach wenigen Wochen; spät im Herbst oder Winter abgelegte Eier können bis zum Frühjahr überliegen. Jungtiere fressen zunächst auch Algen und Pilze, später zunehmend Pflanzengewebe. Bei Trockenheit ziehen sich Jung- und Alttiere in Bodenrisse, Hohlräume und unter Kluten zurück. In Mitteleuropa sind überlappende Generationen möglich, der genaue Verlauf hängt stark von Witterung und Standort ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Zuerst Befallsherd und Aktivität feststellen: Bretter oder ähnliche Unterstände auslegen, morgens kontrollieren und zusätzlich bei feuchter Witterung mit der Taschenlampe suchen. Einzelne Tiere können regelmäßig abgesammelt werden. Bei Jungpflanzen ist eine Kombination aus sauberer Beetführung, Barrieren, angepasster Bewässerung und wiederholter Kontrolle meist wirksamer als eine einmalige Maßnahme.

Bei starkem Befall sollten gefährdete Bestände frühzeitig geschützt und die Maßnahmen nach Regen oder Bewässerung wiederholt werden. Schneckenfreie Gärten sind weder realistisch noch ökologisch sinnvoll; Ziel ist die Begrenzung des Schadens unter Erhalt nützlicher und geschützter Arten.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Der parasitische Nematode Phasmarhabditis hermaphrodita ist besonders gegen Deroceras reticulatum untersucht und kann im Haus- und Kleingarten als biologische Maßnahme eingesetzt werden, sofern ein für Deutschland zugelassenes Produkt verfügbar ist. Die Ausbringung erfolgt mit Wasser in einen bereits feuchten Boden; der Boden sollte während der Anwendung feucht bleiben und die Anwendungshinweise des Produkts sind genau einzuhalten.

Zusätzlich helfen konsequentes Absammeln, Versteckfallen zur Kontrolle, das Entfernen von Unkraut und Pflanzenresten sowie die Förderung natürlicher Feinde. Bierfallen, Salz, ungelabelte Hausmittel und selbst hergestellte Spritzbrühen sind keine empfehlenswerten Standardmaßnahmen; sie können Nichtzielorganismen schädigen oder rechtlich unzulässig sein.

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Vorbeugung

  • Beete regelmäßig kontrollieren, besonders nach Regen und in der Dämmerung.
  • Frühzeitig Bretter, Dachziegel oder umgedrehte Pflanztöpfe als Kontrollverstecke auslegen und morgens absammeln.
  • Unkraut, Erntereste und unnötige feuchte Verstecke im unmittelbaren Kulturbereich reduzieren.
  • Jungpflanzen kräftig und möglichst geschützt anziehen; empfindliche Kulturen nicht in dauerhaft nasse Senken setzen.
  • Bewässerung gezielt an den Wurzelbereich legen und möglichst morgens statt abends wässern.
  • Förderung von Laufkäfern, Kröten, Vögeln, Spitzmäusen, Blindschleichen und anderen natürlichen Gegenspielern.
  • Bei wiederkehrendem Befall Fruchtfolge, Bodenstruktur, Drainage und angrenzende Rückzugsflächen berücksichtigen.
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Wissenswertes

  • Die Art kann bei Störung klaren Schleim milchig-weiß erscheinen lassen.
  • Sie ist zwittrig; ein einzelnes Tier kann unter geeigneten Bedingungen zur Eiablage beitragen.
  • Ein erwachsenes Tier kann mehrere hundert Eier im Laufe seines Lebens ablegen.
  • Die Lebenserwartung liegt typischerweise bei etwa sechs bis zwölf Monaten, unter günstigen Bedingungen auch länger.
  • Die Aktivität ist stark von Bodenfeuchte und Temperatur abhängig; trockene, warme Phasen werden in geschützten Bodenhohlräumen überstanden.
  • Fraßschäden werden nicht nur an Gemüse verursacht, sondern auch an Getreide, Gräsern, Klee, Mais, Bohnen und Zierpflanzen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie ausschließlich Molluskizide, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und Anwendung zugelassen sind. Maßgeblich sind stets die aktuelle Zulassung, das amtliche Anwendungsetikett sowie die dort genannten Kultur-, Aufwandmengen-, Abstands-, Wartezeit- und Schutzbestimmungen. Nicht zugelassene Hausmittel oder Anwendungen außerhalb des Etiketts sind nicht anzuwenden. Eisen-III-Phosphat und andere Wirkstoffe können auch Nichtzielschnecken gefährden; geschützte Arten und Nützlinge müssen geschont werden.