Cercospora-Blattfleckenkrankheit der RübeQuelle: Wikimedia CommonsHoward F. Schwartz, Colorado State University, United StatesCC BY 3.0
Krankheit

Cercospora-Blattfleckenkrankheit der Rübe

Cercospora beticola Sacc.
Kurzüberblick

Cercospora-Blattfleckenkrankheit der Rübe – Kurzüberblick

Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit wird durch den Pilz Cercospora beticola verursacht und zählt in Deutschland zu den wichtigsten Blattkrankheiten der Zuckerrübe. Kleine, rundliche, graubraune Flecken mit rötlich-violettem Rand breiten sich bei warmer, feuchter Witterung rasch aus. Starker Blattverlust mindert die Assimilationsleistung, den Rübenmasseertrag und den Zuckergehalt.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem ältere und mittlere Blätter; bei starkem Befall nahezu die gesamte Blattkrone. Die Rübenkörper werden normalerweise nicht direkt befallen, verlieren aber durch Blattverlust an Zuwachs und Zuckereinlagerung.
Begünstigende BedingungenWarme Witterung, häufige Niederschläge oder Beregnung, lange Blattnässe, hohe Luftfeuchte, dichte Bestände, befallene Ernterückstände und kurze Rübenfruchtfolgen.
Pflanzendoktor

Überblick

Cercospora beticola verursacht die Cercospora-Blattfleckenkrankheit, die vor allem an Kulturformen von Beta vulgaris auftritt. In Deutschland ist sie insbesondere im Zuckerrübenanbau von Bedeutung, kann aber auch Rote Bete, Mangold und Futterrüben befallen.

Die Krankheit beginnt meist an älteren Blättern mit einzelnen, rundlichen, hell- bis graubraunen Flecken. Bei starkem Befall verschmelzen die Läsionen, das Blattgewebe stirbt großflächig ab und die Pflanze bildet fortlaufend neue Blätter. Dadurch werden Ertrag, Zuckereinlagerung und Erntequalität beeinträchtigt.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Kleine, meist runde, graubraune bis beige Blattflecken mit rötlich-violettem oder dunkelbraunem Rand.
  • Die Flecken können einen helleren Mittelpunkt und einen dünnen, dunklen Saum besitzen.
  • Bei feuchter Witterung sind in älteren Läsionen mit der Lupe kleine schwarze punktförmige Fruchtkörper beziehungsweise Pseudostromata erkennbar.
  • Viele Flecken verschmelzen zu größeren Nekrosen; Blätter vergilben, vertrocknen und sterben vorzeitig ab.
  • Starker Befall führt zu wiederholtem Neuaustrieb und einem auffällig aufrechten, „blattarmen“ Bestand.

Eine sichere Diagnose sollte ähnliche Blattfleckenkrankheiten, insbesondere Ramularia-Blattflecken, Phoma und bakterielle Blattflecken, berücksichtigen. Die mikroskopische oder labordiagnostische Bestätigung ist bei atypischen Symptomen sinnvoll.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger überwintert überwiegend in befallenen Rübenblattresten und bildet dort widerstandsfähige Pseudostromata. Bei günstiger Witterung entstehen Konidien, die durch Regentropfen, Beregnung, Wind, Arbeitsgeräte, Personen und möglicherweise Saatgut verbreitet werden.

Infektionen erfolgen typischerweise über die Spaltöffnungen. Die Krankheit wird besonders durch warme Temperaturen, häufige Niederschläge, lange Blattnässe und hohe relative Luftfeuchte gefördert. Dichte Bestände, unzureichende Abtrocknung und Rübenbestände in unmittelbarer Nähe befallener Vorjahresflächen erhöhen das Risiko.

Unkräuter und andere Chenopodiaceen können als Infektionsbrücke eine Rolle spielen. Für zahlreiche außerhalb der Gattung Beta gemeldete Wirte ist die tatsächliche Bedeutung jedoch unterschiedlich gut belegt; manche Nachweise beruhen möglicherweise auf Verwechslungen mit anderen Cercospora-Arten.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz überdauert zwischen den Anbaujahren vor allem in infizierten Blattresten. Unter warm-feuchten Bedingungen werden aus den Pseudostromata Konidien freigesetzt. Diese gelangen mit Wassertröpfchen oder Luftbewegung auf benachbarte Blätter und keimen dort bevorzugt bei längerer Blattnässe.

Nach dem Eindringen durch Spaltöffnungen wächst der Erreger zunächst weitgehend unauffällig im Blattgewebe. Nach ungefähr einer Woche können typische Nekrosen sichtbar werden. In den Läsionen entstehen neue Pseudostromata und Konidien, sodass sich die Krankheit während der Vegetationsperiode in mehreren Zyklen ausbreiten kann. Die Dauer eines Zyklus liegt je nach Temperatur, Feuchte, Sortenanfälligkeit und Bestandesklima ungefähr im Bereich von ein bis drei Wochen.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei ersten verdächtigen Flecken sollten mehrere Stellen des Bestands kontrolliert und der Befallsanteil dokumentiert werden. Im deutschen Zuckerrübenanbau richtet sich der Behandlungszeitpunkt nach regionalen Bekämpfungsrichtwerten, dem Termin im Vegetationsverlauf, der Witterungsprognose, der Sortenanfälligkeit und dem weiteren Ertragspotenzial. Die Schwellenwerte können sich regional und saisonal unterscheiden.

Eine chemische Maßnahme ist nicht allein aufgrund einzelner Flecken automatisch erforderlich. Wenn eine Behandlung notwendig wird, sollte sie möglichst frühzeitig nach dem zugelassenen Entscheidungssystem erfolgen. Wirkstoffgruppen müssen zur Resistenzvermeidung gewechselt beziehungsweise sinnvoll kombiniert werden; unnötige Wiederholungen gleicher Wirkmechanismen sind zu vermeiden.

Im Haus- und Kleingarten sind befallene Blätter beziehungsweise Erntereste zu entfernen und nicht auf dem Kompost zu belassen, wenn dort keine sichere Rotte gewährleistet ist. Stark befallene Pflanzen können nach der Ernte vollständig geräumt werden.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

  • Konsequent befallene Blätter und Pflanzenreste aus kleinen Beständen entfernen.
  • Wasser nicht über das Laub geben; Tröpfchenbewässerung oder bodennahe Bewässerung bevorzugen.
  • Für gute Luftbewegung und schnelles Abtrocknen sorgen, ohne den Bestand unnötig zu verdichten.
  • Wirtspflanzen aus der Familie der Fuchsschwanz- und Gänsefußgewächse im unmittelbaren Umfeld möglichst reduzieren, soweit sie als Infektionsquelle infrage kommen.
  • Robuste beziehungsweise tolerante Rübensorten auswählen.
  • Biologische Präparate oder Pflanzenstärkungsmittel nur verwenden, wenn sie für die Kultur und den vorgesehenen Zweck in Deutschland rechtmäßig verkehrsfähig beziehungsweise zugelassen sind; ihre Wirkung ersetzt keine Bestandskontrolle und ist je nach Produkt und Befallsdruck unterschiedlich.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Eine möglichst weite Fruchtfolge mit mindestens drei Jahren Abstand zwischen Rübenbeständen einhalten, sofern betriebliche Bedingungen dies ermöglichen.
  • Befallene Blattreste nach der Ernte zügig zerkleinern und durch geeignete Bodenbearbeitung möglichst gut in den Boden einarbeiten.
  • Rübenbestände nicht unmittelbar neben stark befallenen Vorjahresflächen anlegen, wenn eine Ausweichmöglichkeit besteht.
  • Sorten mit guter Cercospora-Toleranz oder -Resistenz bevorzugen und dabei regionale Sortenempfehlungen berücksichtigen.
  • Unkräuter und auflaufende Rübenpflanzen als mögliche Infektionsbrücken beseitigen.
  • Beregnung so steuern, dass die Blätter möglichst rasch abtrocknen; abendliche und nächtliche Überkopfberegnung vermeiden.
  • Bestände regelmäßig kontrollieren und regionale Warndienste beziehungsweise Monitoring-Systeme wie ISIP in die Entscheidung einbeziehen.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Cercospora beticola gilt als einer der wichtigsten Blattpathogene der Zuckerrübe weltweit.
  • Der Erreger ist taxonomisch eng mit anderen blattfleckenbildenden Cercospora-Arten verwandt; Nachweise an Nicht-Rübenwirten sind deshalb nicht immer ohne Weiteres eindeutig.
  • Die charakteristischen schwarzen Pünktchen in älteren Blattflecken sind Pseudostromata, aus denen neue Konidien hervorgehen können.
  • Der Pilz produziert phytotoxische Stoffe, die zur Schädigung des Blattgewebes beitragen können.
  • Eine stark befallene Rübe kann durch Neuaustrieb lange grün erscheinen, obwohl die wiederholte Blattneubildung bereits deutlich Ertrag und Zuckergehalt belastet.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das betreffende Problem aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung das amtliche BVL-Zulassungsregister, die aktuelle Gebrauchsanleitung und regionale Warndiensthinweise prüfen. Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Anzahl der Anwendungen, Abstände, Abdriftauflagen und Wartezeiten strikt nach dem aktuellen Etikett einhalten. Keine Wirkstoff- oder Spritzfolge aus dieser Enzyklopädie als verbindlichen Bekämpfungsplan übernehmen.