Gemeine SpinnmilbeQuelle: Wikimedia CommonsAnte PerkovicCC BY-SA 3.0
Schädling

Gemeine Spinnmilbe

Tetranychus urticae Koch
Kurzüberblick

Gemeine Spinnmilbe – Kurzüberblick

Die Gemeine Spinnmilbe ist ein winziger, stark polyphager Pflanzensauger, der besonders an Gurken, Bohnen, Erdbeeren, Hopfen, Zierpflanzen und verschiedenen Gehölzen auftritt. Typisch sind helle Sprenkelungen der Blätter, später Vergilbung, Vertrocknung und feine Gespinste. In Deutschland nimmt der Befallsdruck vor allem bei warmem, trockenem Wetter sowie in Gewächshäusern zu.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattunterseiten und Blattgewebe; bei starkem Befall auch junge Triebe, Blütenstände und Früchte durch Gespinste und allgemeine Pflanzenschwächung.
Begünstigende BedingungenWarm-trockene Witterung, hohe Einstrahlung, Wassermangel, trockene Gewächshausluft, dichter Pflanzenbestand und ein Mangel an natürlichen Gegenspielern.
Pflanzendoktor

Überblick

Tetranychus urticae lebt überwiegend an den Blattunterseiten. Erwachsene Weibchen sind meist etwa 0,4–0,6 mm groß, gelblich bis grünlich gefärbt und zeigen häufig zwei dunkle Seitenflecken. Überwinternde Weibchen sind orange- bis rotbraun. Die Art ist in Deutschland weit verbreitet und tritt im Freiland besonders im Hochsommer sowie im geschützten Anbau auf.

Ein Befall wird häufig erst entdeckt, wenn bereits deutliche Blattschäden oder Gespinste sichtbar sind. Die Diagnose sollte deshalb mit einer Lupe und durch Abklopfen befallener Triebe auf ein weißes Blatt abgesichert werden.

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Symptome und Erkennung

Die Saugtätigkeit zerstört einzelne Blattzellen und verursacht zunächst zahlreiche gelblich-weiße Sprenkelungen. Bei zunehmendem Befall verschmelzen die Flecken; das Laub wirkt fahl, bronzefarben oder graubraun, vertrocknet und kann vorzeitig abfallen.

  • feine helle Sprenkelung auf der Blattoberseite
  • Milben, Eier und Gespinste vor allem auf der Blattunterseite
  • Wachstumshemmung, Blattkräuselung oder vorzeitiger Blattfall
  • bei starkem Befall flächige Gespinste und Absterben von Blättern oder Triebpartien

Das Schadbild kann mit Saugschäden durch andere Milben, Thripse oder Nährstoffmangel verwechselt werden. Bewegliche Punkte auf weißem Papier und die typische Gespinstdichte helfen bei der Abgrenzung.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Vermehrung wird durch Wärme, trockene Luft, Wassermangel und geschwächte Pflanzen gefördert. Besonders rasch entwickelt sich der Befall in sonnigen Gewächshäusern, an geschützten Hauswänden und bei ungleichmäßiger Bewässerung.

Die Ausbreitung erfolgt durch Kriechen zwischen benachbarten Blättern und Pflanzen, durch Windverfrachtung sowie durch verschleppte Pflanzen, Kleidung, Werkzeuge oder Pflanzenreste. Unkräuter können als Zwischenwirte dienen. Breit wirkende oder häufig eingesetzte Pflanzenschutzmittel können natürliche Gegenspieler reduzieren und dadurch Spinnmilbenprobleme verschärfen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen an der Blattunterseite, oft nahe der Gespinste, abgelegt. Daraus schlüpfen sechsbeinige Larven; anschließend folgen zwei achtbeinige Nymphenstadien und das adulte Stadium. Je nach Temperatur kann eine Generation etwa 7–20 Tage benötigen, sodass mehrere überlappende Generationen pro Saison möglich sind.

Im Freiland überwintern vor allem begattete Weibchen in Pflanzenresten, Bodenstreu, Rindenspalten oder geschützten Bereichen nahe der Wirtspflanze. Im Gewächshaus kann die Entwicklung bei günstigen Bedingungen auch im Winter fortgesetzt werden. Die tatsächliche Dauer und Zahl der Generationen hängt von Temperatur, Luftfeuchte, Wirtspflanze und Gegenspielern ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Früher Befall lässt sich oft durch einen kräftigen, aber pflanzenschonenden Wasserstrahl von Ober- und Unterseiten der Blätter reduzieren. Stark befallene Blätter oder Triebe sollten entfernt und im Hausmüll entsorgt werden; nicht auf dem Kompost ablegen. Die Maßnahme muss nach einigen Tagen wiederholt und durch Kontrollen ergänzt werden, weil Eier und versteckte Stadien erhalten bleiben können.

Im geschützten Anbau ist eine frühzeitige biologische Bekämpfung meist wirksamer als eine späte Intervention. Geeignete Raubmilben werden entsprechend Kultur, Temperatur, Luftfeuchte und Befallsstärke ausgewählt. Befall und Gegenspieler sollten vor jeder Maßnahme dokumentiert werden.

Bei wertvollen Beständen kann zusätzlich ein zugelassenes, nützlingsschonendes Präparat in Betracht kommen. Wegen möglicher Resistenzbildung sind Wirkstoffgruppen nicht wiederholt oder schematisch einzusetzen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den biologischen Pflanzenschutz sind insbesondere Phytoseiulus persimilis und je nach Kultur- und Klimabedingungen Neoseiulus californicus wichtige Gegenspieler. Sie sollten möglichst bei frühem Befall und nach Beratung durch einen seriösen Nützlingsanbieter ausgebracht werden. Hohe Temperaturen und sehr trockene Luft können die Etablierung erschweren.

Im Freiland sind natürlich vorkommende Raubmilben, Raubkäfer, Blumenwanzen und weitere räuberische Arthropoden zu schonen. Hilfreich sind außerdem gleichmäßige Bewässerung, das Abwaschen kleiner Befallsherde und die Entfernung stark besiedelter Pflanzenteile. Kaliseifen- oder Ölpräparate können je nach Kultur den Befall mindern, müssen aber auf Verträglichkeit, Zulassung und korrekte Anwendung geprüft werden.

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Vorbeugung

  • Pflanzen gleichmäßig mit Wasser versorgen, ohne Staunässe zu erzeugen; Trockenstress vermeiden.
  • Im Gewächshaus rechtzeitig lüften und bei starker Sommerhitze gegebenenfalls schattieren.
  • Blattunterseiten ab dem Frühjahr regelmäßig kontrollieren; besonders gefährdete Kulturen im deutschen Hochsommer engmaschig beobachten.
  • Neue Pflanzen zunächst getrennt auf Befall prüfen und stark befallene Pflanzen nicht unkontrolliert verstellen.
  • Unkraut und Pflanzenreste im Gewächshaus sowie in unmittelbarer Nähe der Kultur entfernen, ohne dabei nützlingsfreundliche Strukturen unnötig zu zerstören.
  • Breit wirkende Pflanzenschutzmittel nur begründet einsetzen, da sie Raubmilben und andere Gegenspieler schädigen können.
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Wissenswertes

  • Die Art gehört nicht zu den Insekten, sondern zu den Spinnentieren und besitzt im erwachsenen Stadium acht Beine.
  • Die zwei dunklen Körperflecken entstehen überwiegend durch den durchscheinenden Darminhalt und sind kein völlig zuverlässiges Bestimmungsmerkmal in jedem Entwicklungsstadium.
  • Unter günstigen Bedingungen kann sich der Entwicklungszyklus innerhalb weniger Wochen schließen; dadurch entstehen schnell überlappende Generationen.
  • Gespinste dienen nicht nur dem Schutz, sondern erleichtern auch die Fortbewegung und können Eier vor Austrocknung und teilweise vor Gegenspielern abschirmen.
  • Die Gemeine Spinnmilbe ist polyphag und wurde an sehr vielen Kultur-, Zier- und Wildpflanzen nachgewiesen; die konkrete Wirtseignung kann jedoch je nach Pflanzenart und Sorte variieren.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die konkrete Kultur und das jeweilige Problem aktuell zugelassen sind. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Etikett. Anwendung, Aufwandmenge, Wartezeit, Abstände, Schutzmaßnahmen und Beschränkungen sind strikt einzuhalten. Keine Behandlungsserie ohne Befallskontrolle; Resistenzmanagement und der Schutz von Nützlingen haben Vorrang.