PinienprozessionsspinnerQuelle: Wikimedia CommonsFvlamoenCC BY-SA 3.0
Schädling

Pinienprozessionsspinner

Thaumetopoea pityocampa (Denis & Schiffermüller, 1775)
Kurzüberblick

Pinienprozessionsspinner – Kurzüberblick

Der Pinienprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa) ist ein wärmeliebender Schmetterling, dessen gesellige Raupen vor allem Kiefern befallen. Sie fressen Nadeln, bauen auffällige weiße Gespinstnester und ziehen im Frühjahr oft in langen Prozessionen zur Verpuppung in den Boden. Ihre Brennhaare können Haut, Augen und Atemwege von Menschen und Tieren reizen. In Deutschland ist die Art bislang kein etablierter, regelmäßig nachgewiesener Schädling.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Nadeln, junge Zweige und Kronenbereiche von Kiefern; gelegentlich Zweige und Nadeln von Zedern sowie selten weitere Nadelgehölze.
Begünstigende BedingungenWärme, trockene Witterung, sonnige lichte Kiefernbestände, geeignete sandige oder lockere Böden zur Verpuppung sowie milde Winter fördern Entwicklung und Ausbreitung.
Pflanzendoktor

Überblick

Der Pinienprozessionsspinner ist vor allem im Mittelmeerraum und in wärmebegünstigten Regionen Süd- und Südwesteuropas verbreitet. In Deutschland wird die Art von EPPO derzeit als „nicht vorhanden, unzuverlässiger Nachweis“ geführt; sie sollte daher nicht mit dem in Deutschland häufigeren Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) oder dem Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora) verwechselt werden.

Typisch sind gesellige Raupen, helle Seidennester in Kiefernkronen und die namensgebenden Prozessionen zur Verpuppung. Bei Verdacht in Deutschland ist eine fachkundige Bestimmung sinnvoll, insbesondere bei Befall außerhalb des bekannten wärmebegünstigten Verbreitungsbereichs.

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Symptome und Erkennung

  • Angefressene, gelblich bis braun werdende Nadeln, zunächst häufig in der Nähe der Eiablage und später an älteren Nadeljahrgängen.
  • Teilweise oder bei starkem Befall vollständige Entnadelung einzelner Äste oder Kronenbereiche.
  • Weiße bis hellgraue, längliche Gespinstnester von etwa 12–25 cm Länge in den Zweigen und der Krone.
  • Im Spätwinter oder Frühjahr Gruppen von Raupen, die in langen, dicht hintereinander laufenden Prozessionen den Baum verlassen.
  • Kontakt mit Raupen, Häutungsresten oder alten Nestern kann juckende Hautreaktionen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden auslösen.

Das Schadbild allein ist nicht eindeutig; eine Verwechslung mit anderen behaarten Raupen oder Prozessionsspinnerarten ist möglich.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Schaden entsteht durch den Fraß der Raupen an Kiefernnadeln. Die Ausbreitung erfolgt lokal durch die flugfähigen Falter und über Eiablage an geeigneten Nadelbäumen. Eine Verschleppung über größere Entfernungen ist vor allem durch befallene Pflanzen, Zweige oder andere Waren mit anhaftenden Eiern, Raupen oder Nestmaterial denkbar.

Wärmere Bedingungen begünstigen die Etablierung und die Verschiebung der Verbreitungsgrenzen. In Deutschland ist der aktuelle Status jedoch nicht mit einer regelmäßigen, flächigen Etablierung gleichzusetzen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Falter schlüpfen meist im Sommer, paaren sich kurz danach und legen ein einzelnes, zylindrisches Eigelege an Kiefernnadeln oder Zweigen ab. Ein Gelege kann ungefähr 70–300 Eier enthalten. Die Larven schlüpfen gewöhnlich im Spätsommer oder Herbst, fressen zunächst an jungen Nadeln und entwickeln sich in mehreren Larvenstadien gesellig weiter.

Im Winter bauen sie auffällige, wärmende Gespinstnester und verlassen diese vor allem nachts zum Fraß. Im frühen Frühjahr wandern die ausgewachsenen Raupen in Prozessionen zu geeigneten Bodenstellen, spinnen Kokons und verpuppen sich in den oberen Bodenschichten. Die Puppenruhe dauert meist bis zum selben Sommer, kann unter ungünstigen Bedingungen aber ein bis mehrere Jahre verlängert sein.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einzelnen Zierkiefern kann ein qualifizierter Fachbetrieb zugängliche Nester und Raupen außerhalb der Aktivitätszeiten fachgerecht entfernen und sicher entsorgen. Wegen der Brennhaare sind Schutzkleidung, geeignete Atem- und Augenschutzmaßnahmen sowie eine fachgerechte Reinigung erforderlich; Haus- und Gartenbesitzer sollten nicht selbst in die Krone steigen.

Starker Nadelverlust wird von gesunden Kiefern oft teilweise kompensiert, kann aber bei jungen, wiederholt geschädigten oder zusätzlich gestressten Bäumen die Vitalität mindern. Befallene Äste sollten nur nach fachlicher Abwägung geschnitten werden. Bei Import- oder Quarantäneverdacht gelten die Anweisungen der zuständigen Behörden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die wichtigste nichtchemische Strategie ist integrierter Pflanzenschutz: regelmäßige Kontrolle, frühe Erkennung, fachgerechte mechanische Entfernung und Vermeidung der Verschleppung. Natürliche Gegenspieler wie Vögel, Parasitoide und räuberische Insekten können Populationen beeinflussen, reichen bei gesundheitsgefährdenden Nestern in Aufenthaltsbereichen jedoch nicht als alleinige Maßnahme aus.

Nistkästen und strukturreiche, wenig intensiv gepflegte Lebensräume können die allgemeine Förderung von Insektenfressern unterstützen. Sie ersetzen weder die sichere Entfernung von Nestern noch eine fachkundige Bestimmung. Raupen oder Nester sollten nicht abgesaugt, zerdrückt oder verbrannt werden, da dabei Brennhaare freigesetzt werden können.

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Vorbeugung

  • Kiefern aus Risikoregionen beim Kauf und beim Transport sorgfältig auf Eigelege, Raupen und Gespinstnester kontrollieren.
  • Neue Pflanzen zunächst getrennt von vorhandenen Kiefern beobachten; verdächtiges Material nicht unkontrolliert verbringen oder kompostieren.
  • In gefährdeten, wärmebegünstigten Lagen Kiefernkronen ab Spätsommer bis Frühjahr regelmäßig kontrollieren.
  • Nester, Raupen und verdächtige Prozessionen niemals mit bloßen Händen berühren; Kinder und Haustiere fernhalten.
  • Bei einem möglichen Fund in Deutschland Fotos, Standort und Wirtspflanze dokumentieren und den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder die Forstbehörde informieren.
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Wissenswertes

  • Die Art wird im Deutschen auch Pinienprozessionsspinner genannt, obwohl sie nicht ausschließlich an der Mittelmeer-Kiefer vorkommt.
  • Die Raupen orientieren sich bei ihren Prozessionen an Seidenfäden und chemischen beziehungsweise taktilen Signalen; die vorderste Raupe gibt die Bewegungsrichtung vor.
  • Die feinen Brennhaare können sich aus Raupen, Nestern und Häutungsresten lösen und durch Luftbewegung verbreitet werden.
  • Die Wirtspflanzenwahl ist nicht völlig einheitlich: Pinus nigra und Pinus sylvestris gehören zu den bevorzugten Wirten, während Cedrus und einzelne andere Nadelgehölze je nach Region unterschiedlich stark genutzt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich eingesetzt werden, wenn das konkrete Produkt aktuell für die betreffende Kultur beziehungsweise Baumart und den jeweiligen Schaderreger zugelassen ist. Maßgeblich sind die aktuelle Zulassung und Gebrauchsanweisung des BVL; Anwendungsbestimmungen, Anwenderschutz, Abdrift- und Gewässerschutz sind strikt einzuhalten. Wegen der Gesundheitsgefahr und der schwierigen Kronenbehandlung gehört eine eventuelle Behandlung in der Regel in die Hände sachkundiger Fachbetriebe. Keine Anwendung aufgrund allgemeiner Empfehlungen oder alter Zulassungsangaben.