KirschessigfliegeQuelle: Wikimedia CommonsMartin Cooper from Ipswich, UKCC BY 2.0
Schädling

Kirschessigfliege

Drosophila suzukii
Kurzüberblick

Kirschessigfliege – Kurzüberblick

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist ein invasiver Fruchtschädling, der in Deutschland vor allem reifende Kirschen, Beeren und andere weichschalige Früchte befällt. Weibchen legen Eier bereits in gesunde, kurz vor der Ernte stehende Früchte. Die Larven zerstören das Fruchtfleisch, worauf Früchte rasch weich werden, zusammenfallen und von Fäulniserregern besiedelt werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Früchte kurz vor der Reife und reife Früchte; betroffen sind Fruchtschale, Fruchtfleisch und später die gesamte Frucht.
Begünstigende BedingungenMäßig warme Temperaturen, hohe Luftfeuchte, Schatten, dichte Bestände und ein kontinuierliches Angebot reifender Früchte; günstige Bedingungen bestehen besonders in feuchten Sommer- und Herbstperioden sowie an Wald- und Heckenrändern.
Pflanzendoktor

Überblick

Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege, gehört zu den Taufliegen (Drosophilidae), unterscheidet sich aber von den gewöhnlichen Essigfliegen durch ihren sägeartig gezähnten Legebohrer. Dadurch können Weibchen die Schale gesunder, reifender Früchte durchdringen. In Deutschland wurde die Art 2011 erstmals nachgewiesen und ist inzwischen bundesweit verbreitet.

Der Hauptschaden entsteht nicht durch den Fraß erwachsener Fliegen, sondern durch die im Fruchtfleisch fressenden Larven. Befallene Früchte werden innerhalb weniger Tage weich, saftig und anfällig für Sekundärfäule. Die wirtschaftlich wichtigsten Wirtspflanzen liegen bei Steinobst und Beeren; das tatsächliche Wirtsspektrum ist jedoch deutlich breiter und umfasst auch Wild- und Zierpflanzen.

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Symptome und Erkennung

  • Kleine Einstichstellen oder eingesunkene Stellen an zunächst äußerlich gesunden Früchten.
  • Weiches, wässriges oder kollabierendes Fruchtfleisch innerhalb weniger Tage.
  • Weiße, beinlose Larven im Fruchtfleisch; bei starker Reife können sich Larven auch außerhalb der Frucht verpuppen.
  • Saftaustritt, gäriger Geruch und nachfolgende Fäulnis durch Pilze und Bakterien.
  • Bei Kirschen, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren oft rascher Qualitätsverlust kurz vor oder während der Ernte.
  • Erwachsene Männchen besitzen je einen dunklen Flügelfleck; Weibchen haben keinen solchen Fleck, aber einen gezähnten Legebohrer.

Für einen Larvennachweis können verdächtige Früchte einige Tage bei Raumtemperatur in einem verschlossenen Gefäß beobachtet oder in einer geeigneten Salzlösung untersucht werden. Diese Verfahren bestätigen den Befall, ersetzen aber keine fachkundige Artbestimmung.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Ausbreitung erfolgt durch den aktiven Flug erwachsener Fliegen und durch die Verschleppung befallener Früchte. Besonders förderlich sind liegen gelassene Erntefrüchte, Fruchtmumien, Fallobst, dichte und schattige Bestände sowie Wild- und Zierpflanzen mit kleinen Früchten in Hecken und Waldrändern. Weil sich mehrere Generationen überlappen und die Weibchen bereits kurz vor der Ernte gesunde Früchte belegen, kann sich der Befall innerhalb kurzer Zeit stark aufbauen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Entwicklung ist temperaturabhängig und kann unter günstigen Bedingungen in etwa einer Woche abgeschlossen sein. Nach dem Schlupf suchen die Weibchen reifende Früchte auf und legen einzelne oder mehrere Eier unter die Fruchtschale. Die Larven entwickeln sich im Fruchtfleisch und verpuppen sich entweder in der Frucht oder nach dem Herausfallen im Boden beziehungsweise in Pflanzenresten.

In Deutschland entstehen während der Vegetationsperiode mehrere, sich überlappende Generationen. Die Aktivität nimmt meist ab dem Beginn der Fruchtfärbung zu und reicht je nach Witterung bis in den Herbst. Erwachsene Tiere überwintern in geschützten Bereichen; die genaue Überwinterungsleistung hängt von Temperatur, Standort und vorhandenen Wirtspflanzen ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Bereits befallene Früchte können nicht durch eine nachträgliche Behandlung wieder verkehrsfähig gemacht werden. Sie müssen vollständig entfernt und sicher entsorgt werden, damit keine neuen Fliegen schlüpfen.

Bei beginnendem Befall sollten zunächst Erntehygiene, Netzschutz und engmaschiges Monitoring intensiviert werden. In Erwerbsanlagen kann eine chemische Maßnahme nur nach amtlicher Beratung und auf Grundlage einer aktuellen Zulassung für die konkrete Kultur und den Schaderreger sinnvoll sein. Behandlungen richten sich gegen erwachsene Fliegen vor der Eiablage und erfassen Larven im Fruchtinneren nur unzureichend.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten steht die Kombination aus Monitoring, Hygiene und Ausschluss im Vordergrund:

  • Ab Fruchtansatz beziehungsweise spätestens ab dem ersten Farbumschlag wöchentlich Fallen kontrollieren; Lockstofffallen zeigen den Flugbeginn, sind aber keine alleinige Bekämpfung.
  • Reifende Früchte regelmäßig und vollständig ernten. Überreife, beschädigte und abgefallene Früchte täglich aus der Anlage entfernen.
  • Befallene Früchte nicht offen kompostieren und nicht vergraben. In dicht verschlossenen Kunststoffbeuteln der Sonne aussetzen oder über den Restmüll entsorgen.
  • Beeren- und Kirschkulturen mit feinmaschigem Netz vollständig umschließen. Das Netz muss vor dem Farbumschlag angebracht werden; offene Säume, Tore und Ernteöffnungen vermeiden.
  • Wildfrüchte und stark befallene Früchte in unmittelbarer Nähe nur entfernen, wenn dies sicher und rechtlich zulässig ist. Andernfalls das Monitoring auf diese Bereiche ausweiten.
  • Bestände luftig halten und die Reifezeiten durch Sortenwahl sowie zügige Ernte entzerren.

Biologische Gegenspieler und mikrobiologische Verfahren werden erforscht, sind in Deutschland im Hausgarten jedoch nicht als verlässliche alleinige Standardlösung etabliert.

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Vorbeugung

Beginnen Sie in Deutschland mit dem Monitoring ab dem Fruchtansatz und verstärken Sie die Kontrollen ab dem ersten Farbumschlag bis zum Ende der Ernte. Fallen werden schattig nahe den reifenden Früchten aufgehängt und regelmäßig kontrolliert; die Fangzahlen müssen zusammen mit Reifegrad und Fruchtkontrollen bewertet werden.

  • Früchte häufig und vollständig pflücken, nicht überreif am Strauch oder Baum belassen.
  • Fallobst und Ausschuss sofort entfernen.
  • Feinmaschige Netze mit ungefähr 0,8 bis 1,0 mm Maschenweite vor dem Einflug und vor der Fruchtfärbung lückenlos anbringen.
  • Netze nur kurz zur Ernte öffnen und danach sofort wieder schließen.
  • Ernteintervalle verkürzen und gefährdete Kulturen möglichst luftig sowie sonnig führen.
  • Wirtspflanzen in angrenzenden Hecken, Waldrändern und unbewirtschafteten Bereichen bei der Befallseinschätzung berücksichtigen.
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Wissenswertes

  • Die Art befällt im Gegensatz zu vielen heimischen Taufliegen auch gesunde Früchte vor dem vollständigen Überreifen.
  • In Europa wurden neben Kulturpflanzen zahlreiche Wild- und Zierpflanzen als Entwicklungswirte nachgewiesen, darunter Holunder, Kornelkirsche, Brombeeren und verschiedene Heidelbeeren.
  • Hausgemachte Essigfallen eignen sich vor allem zum Nachweis erwachsener Fliegen, reduzieren den Bestand aber normalerweise nicht ausreichend.
  • Larven in einer bereits befallenen Frucht lassen sich nicht wirksam durch eine spätere Spritzung bekämpfen; entscheidend ist der Schutz der Früchte vor der Eiablage.
  • Engmaschige Netze mit etwa 0,8 bis 1,0 mm Maschenweite gelten im deutschen Obstbau als besonders wirksame nichtchemische Schutzmaßnahme, wenn sie rechtzeitig und lückenlos angebracht werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel ausschließlich einsetzen, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und Kirschessigfliege zugelassen oder genehmigt sind. Maßgeblich sind stets das amtliche Verzeichnis und das aktuelle Produktetikett. Auflage, Aufwandmenge, Wartezeit, Bienenschutz, Gewässerabstände und die maximale Zahl der Anwendungen strikt einhalten. Wirkstoffgruppen wegen des Resistenzrisikos nicht einseitig wiederholen. Im Hausgarten ist eine chemische Behandlung oft weder praktikabel noch sinnvoll.