
Falscher Mehltau an Salat
Bremia lactucaeFalscher Mehltau an Salat – Kurzüberblick
Der Falsche Mehltau des Salats wird durch den oomycetischen Erreger Bremia lactucae verursacht. Typisch sind zunächst blassgrüne bis gelbliche, eckig begrenzte Flecken auf der Blattoberseite und ein weißlich-grauer Sporenrasen auf der Blattunterseite. Feuchte, kühle Witterung und lange Blattnässe fördern die schnelle Ausbreitung besonders im Frühjahr und Herbst.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Falsche Mehltau des Salats beginnt meist mit blassgrünen bis gelblichen, unregelmäßig eckigen Flecken auf der Blattoberseite. Auf der zugehörigen Blattunterseite entsteht bei ausreichender Feuchte ein weißlich-grauer bis violettgrauer Sporenrasen. Stark befallene Blätter vergilben, vertrocknen oder verfaulen; bei Jungpflanzen kann die Entwicklung deutlich verzögert werden.
In Deutschland tritt die Krankheit besonders in feuchten, kühlen Phasen des Frühjahrs und Herbstes sowie im geschützten Anbau mit unzureichender Luftbewegung auf. Die Diagnose sollte von Echtem Mehltau, Blattfleckenkrankheiten, Sonnenbrand und Nährstoffstörungen abgegrenzt werden.
Symptome und Erkennung
- Blassgrüne, gelbliche oder gelb-braune Flecken auf der Blattoberseite.
- Flecken häufig durch Blattadern begrenzt und dadurch kantig oder mosaikartig wirkend.
- Weißlich-grauer, samtiger Sporenrasen vor allem auf der Blattunterseite.
- Bei fortschreitendem Befall Nekrosen, Blattwelke und Qualitätsverlust des Ernteguts.
- Junge Pflanzen können im Wachstum zurückbleiben oder absterben.
Der Sporenrasen ist meist nur bei hoher Luftfeuchte oder am frühen Morgen gut sichtbar. Fehlt er vollständig, ist eine sichere Bestimmung anhand der Flecken allein nicht immer möglich.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger verbreitet sich hauptsächlich über Sporangien, die mit Luftströmungen, Spritzwasser, Arbeitsgeräten, Kleidung und infiziertem Pflanzenmaterial weitergetragen werden. Neue Infektionen entstehen bevorzugt, wenn Blätter über längere Zeit nass bleiben. Dicht stehende Bestände, schlechte Durchlüftung, häufige Überkopfberegnung und infizierte Jungpflanzen beschleunigen die Ausbreitung.
Unkraut-Lactuca, insbesondere Wilde Lattiche in der Umgebung, können je nach Erregerrasse als Infektionsquelle Bedeutung haben. Die Empfindlichkeit unterscheidet sich stark zwischen Sorten; außerdem können neue Erregerrassen vorhandene Resistenzgene überwinden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Bremia lactucae wächst im lebenden Blattgewebe und bildet bei hoher Luftfeuchte auf der Blattunterseite verzweigte Sporenträger mit Sporangien. Diese werden durch Luftbewegung verbreitet und keimen unter geeigneten Bedingungen auf feuchten Blättern. Die Infektion erfolgt bevorzugt bei kühlen Temperaturen und längerer Blattnässe; anschließend entstehen innerhalb weniger Tage neue Flecken und Sporulation.
Der Erreger kann mit befallenem Pflanzenmaterial und infizierten Jungpflanzen eingeschleppt werden. Die Bedeutung einer Überdauerung im Boden ist im Vergleich zu Pflanzenresten und lebenden Wirtspflanzen begrenzt und kann je nach Population und Wirt variieren.
Behandlung und Bekämpfung
Ein bereits stark befallener Salat lässt sich meist nicht wieder gesund machen. Einzelne frühe Befallsherde sollten sofort entfernt werden; bei umfangreichem Befall ist die vollständige Entnahme der Pflanzen oft sinnvoller als eine verspätete Behandlung. Werkzeuge nach Arbeiten im Bestand reinigen und Hände beziehungsweise Handschuhe wechseln, bevor gesunde Pflanzen berührt werden.
Im Erwerbsanbau sollten Befallsentwicklung, Wetter und regionale Warndienste berücksichtigt werden. Pflanzenschutzmaßnahmen sind grundsätzlich vorbeugend oder sehr früh im Infektionsverlauf am wirksamsten und müssen mit Sortenwahl, Hygiene und Bestandsführung kombiniert werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen und naturnahen Anbau stehen widerstandsfähige Sorten, gesundes Pflanzgut, weite Bestände, bodennahe Bewässerung und konsequente Entfernung erster Befallsherde im Vordergrund. Eine gute Luftzirkulation und das Abtrocknen der Blätter sind wichtiger als häufige Blattbehandlungen.
Biologische Präparate können je nach Zulassung und Zweckbestimmung zur Befallsminderung beitragen, ersetzen aber keine Bestandskontrolle. In Deutschland dürfen nur für die konkrete Kultur und diesen Schadorganismus zugelassene Mittel verwendet werden; auch im ökologischen Anbau ist die aktuelle Zulassung sowie die Einhaltung der Anwendungsbestimmungen zu prüfen.
Vorbeugung
- Für Deutschland geeignete, möglichst widerstandsfähige Salatsorten verwenden; Sortenresistenz ist jedoch nicht dauerhaft gegen alle Erregerrassen wirksam.
- Nur gesundes, kontrolliertes Pflanzgut setzen und Jungpflanzen vor dem Auspflanzen auf Blattunterseiten prüfen.
- Ausreichende Pflanzabstände und eine lockere Bestandsstruktur einhalten.
- Möglichst morgens und bodennah bewässern; lang anhaltende Blattnässe vermeiden.
- Befallene Blätter und stark erkrankte Pflanzen frühzeitig entfernen und nicht kompostieren, wenn die Rotte nicht sicher ausreichend heiß verläuft.
- Erntereste zügig beseitigen und Ausfallpflanzen sowie verdächtige wilde Lactuca in unmittelbarer Bestandsnähe entfernen.
- Fruchtfolge und Standortwechsel nutzen, auch wenn der Erreger nicht als typischer bodenbürtiger Krankheitserreger gilt.
Wissenswertes
- Bremia lactucae gehört zu den Oomyceten und damit nicht zu den eigentlichen Echten Mehltaupilzen.
- Die Art umfasst spezialisierte Populationen und Erregerrassen; deshalb kann eine bislang resistente Salatsorte in späteren Jahren oder an einem anderen Standort dennoch erkranken.
- Der Erreger ist besonders eng mit Lactuca-Arten verbunden. Kultur- und Wildformen können je nach Population unterschiedliche Reaktionen zeigen.
- Die sichtbare Sporulation auf der Blattunterseite ist ein wichtiges Diagnosemerkmal und entsteht häufig schneller als deutliche Schäden auf der Blattoberseite.
Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die zum Anwendungszeitpunkt für die konkrete Salatkultur und den Falschen Mehltau zugelassen beziehungsweise genehmigt sind. Maßgeblich sind die aktuelle BVL-Zulassungsdatenbank, die geltenden Länderhinweise und das jeweils aktuelle Produktetikett. Dosierung, Anwendungszahl, Wartezeit, Abstände zu Gewässern und sonstige Auflagen sind exakt einzuhalten. Keine Mittel allein nach Wirkstoffnamen, älteren Listen oder ausländischen Empfehlungen einsetzen.