Wurzelhalsgalle (Wurzelkropf)Quelle: Wikimedia CommonsClemson University - USDA Cooperative Extension Slide Series, , Bugwood.orgPublic domain
Krankheit

Wurzelhalsgalle (Wurzelkropf)

Agrobacterium tumefaciens
Kurzüberblick

Wurzelhalsgalle (Wurzelkropf) – Kurzüberblick

Die Wurzelhalsgalle, auch Wurzelkropf genannt, ist eine bakterielle Pflanzenkrankheit durch Agrobacterium tumefaciens. Typisch sind zunächst helle, weiche und später braune, korkig-raue Wucherungen am Wurzelhals, an Wurzeln oder gelegentlich an Trieben. Besonders junge Gehölze können dadurch im Wachstum, Wasser- und Nährstofftransport sowie in der Standfestigkeit beeinträchtigt werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Wurzelhals, Kronenbereich, Wurzeln, Veredelungs- und Triebbasen; bei einzelnen Wirten auch Äste, Triebe oder Blätter.
Begünstigende BedingungenFrische Verletzungen, feuchter Boden, verschlepptes infiziertes Pflanzgut, kontaminierte Erde oder Werkzeuge sowie wiederholte Bodenbearbeitung nahe dem Wurzelhals begünstigen Infektionen. Die Anfälligkeit variiert stark zwischen Wirtspflanzen und Bakterienstämmen.
Pflanzendoktor

Überblick

Agrobacterium tumefaciens verursacht die Wurzelhalsgalle, auch Wurzelkropf oder Kronengalle genannt. Das Bakterium lebt im Boden und gelangt überwiegend durch frische Verletzungen in Wurzelhals, Wurzeln, Veredelungsstellen oder bodennahe Triebe.

Nach der Infektion überträgt es über ein Ti-Plasmid einen DNA-Abschnitt in Pflanzenzellen. Dadurch werden Zellteilung und Stoffwechsel dauerhaft verändert; es entsteht eine Galle, die dem Bakterium geeignete Nährstoffe liefert. Die Krankheit besitzt einen breiten, aber stamm- und wirtsabhängig unterschiedlichen Wirtspflanzenkreis.

In Deutschland ist besonders bei Gehölzen, Obstunterlagen, Reben, Rosen und verschiedenen Zierpflanzen auf gesundes Ausgangsmaterial und sorgfältige Wundvermeidung zu achten.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Zunächst kleine, helle, weiche oder schwammige Wucherungen am Wurzelhals, an Wurzeln oder an der Veredelungsstelle.
  • Mit zunehmendem Alter werden die Gallen braun bis schwarz, hart, unregelmäßig, korkig und rau.
  • Bei Reben, Beerenobst und manchen Zierpflanzen können auch Gallen an Trieben, Ästen oder anderen oberirdischen Pflanzenteilen auftreten.
  • Junge Pflanzen bleiben klein, vergilben, welken bei Trockenheit leichter oder sterben ab. Ältere Gehölze können trotz Gallen längere Zeit weiterwachsen.
  • Große Gallen können Wasser- und Nährstofftransport, Standfestigkeit und die Belastbarkeit junger Pflanzen beeinträchtigen.

Eine sichere Zuordnung zu A. tumefaciens ist äußerlich nicht immer möglich. Für eine Bestätigung sind meist Laboruntersuchungen, Isolierung oder molekulare Tests erforderlich.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Bakterien werden vor allem mit befallenen Pflanzen, Wurzeln, Stecklingen, Veredelungsmaterial und anhaftender Erde verschleppt. Im Bestand können kontaminierter Boden, Bewässerungswasser, Werkzeuge, Pflanzgefäße und Maschinen zur Ausbreitung beitragen.

Infektionen erfolgen über frische Wunden, beispielsweise durch Rodung und Umpflanzen, Pfropfen, Rückschnitt, Bodenbearbeitung, Nagetiere, Insekten, Frostschäden oder Verletzungen durch Fadenmäher und andere Geräte. Besonders gefährdet sind verletzte Gewebe nahe der Bodenlinie sowie neu gebildete Wurzeln.

Die Krankheit ist nicht mit einer reinen Nährstoffstörung gleichzusetzen. Ähnliche Wucherungen können jedoch auch andere bakterielle Erreger, Pilze, Nematoden oder gallbildende Insekten verursachen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Agrobacterium tumefaciens kann in Gallengewebe und im Boden über längere Zeit überdauern. Nach dem Zerfall älterer Gallen gelangen Bakterien zurück in den Boden und können mit Wasser, Erde oder Pflanzenmaterial weiterverbreitet werden.

Bei geeigneter Feuchtigkeit und vorhandenen Wunden heften sich die Bakterien an Pflanzenzellen und übertragen T-DNA. Die veränderten Zellen teilen sich unkontrolliert und bilden zunächst eine weiche, später verholzte Galle. Die Bakterien vermehren sich in und an der Galle; die Dauerhaftigkeit der Erkrankung und die Stärke der Symptome hängen von Pflanzenart, Bakterienstamm, Alter und Standort ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Eine bereits infizierte Pflanze lässt sich in der Regel nicht zuverlässig heilen. Bei jungen Gehölzen, Rosen, Reben und empfindlichen Zierpflanzen ist die vollständige Entfernung einschließlich möglichst vieler Wurzeln meist sicherer als ein begrenzter Rückschnitt der sichtbaren Galle.

Bei großen, älteren Gehölzen mit kleiner, lokal begrenzter Galle kann eine fachkundige Einzelfallentscheidung sinnvoll sein. Das Ausschneiden der Galle ist riskant, wenn dadurch weiteres gesundes Gewebe verletzt wird oder eine systemische Infektion vorliegt; Werkzeuge müssen danach gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Erde, die an befallenen Wurzeln haftet, nicht an andere Beete oder Pflanzgefäße verschleppen. Bei wiederholtem Auftreten sollte eine Pflanzenuntersuchung zur Bestätigung und zur Abgrenzung von Insektengallen, anderen Bakteriosen oder Wurzelkrankheiten beauftragt werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

  • Sanitation und die Verwendung gesunden Pflanzguts sind die wichtigsten nichtchemischen Maßnahmen.
  • Für bestimmte Gehölze und Vermehrungsverfahren können antagonistische, nicht krankmachende Agrobacterium-Stämme wie K-84 als biologischer Schutz vor der Infektion eingesetzt werden. Verfügbarkeit, Zulassung und Wirksamkeit sind jedoch vom Produkt, Wirt, Erregerstamm und Anwendungsbereich abhängig.
  • Biologische Präparate nur entsprechend der in Deutschland gültigen Zulassung und Gebrauchsanweisung anwenden; sie ersetzen nicht die Entfernung stark befallener Pflanzen.
  • Eine Bodenentseuchung durch Hitze oder Solarisation kann unter geeigneten Bedingungen die Bakterienmenge verringern, ist im deutschen Freilandklima jedoch nicht zuverlässig und für tiefere Bodenschichten begrenzt.
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Vorbeugung

  • Nur sichtbar gesundes, zertifiziertes oder zuverlässig kontrolliertes Pflanzgut aus seriösen Baumschulen und Vermehrungsbetrieben verwenden.
  • Wurzeln, Wurzelhals und Veredelungsstellen vor dem Kauf und nochmals vor dem Pflanzen sorgfältig kontrollieren.
  • Pflanzen beim Transport, Pflanzen, Anbinden und Bearbeiten nicht verletzen; nicht bei nassem, schmierigem Pflanzengewebe arbeiten.
  • Scheren, Sägen, Messer, Töpfe und Arbeitsflächen zwischen Pflanzen reinigen und desinfizieren.
  • Keine befallenen Pflanzenreste kompostieren; befallene Pflanzen möglichst mit Wurzelballen ausgraben und über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
  • Auf belasteten Flächen zunächst nachweislich weniger anfällige oder nicht verwandte Pflanzen wählen und mindestens mehrere Jahre keine stark gefährdeten Gehölze nachpflanzen.
  • Staunässe und unnötige Verletzungen durch Hacken, Rasentrimmer oder Bodenbearbeitung im Wurzelbereich vermeiden.
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Wissenswertes

  • Die krankheitsauslösende Information liegt auf einem Ti-Plasmid und nicht ausschließlich im bakteriellen Chromosom.
  • Nach der Infektion kann T-DNA in das Genom der Pflanzenzelle integriert werden; dieser natürliche Gentransfer wird in der Pflanzenbiotechnologie technisch genutzt.
  • Die Gallengewebe bilden sogenannte Opine, die von den verursachenden Bakterien als besondere Nährstoffquelle genutzt werden können.
  • Die Bezeichnung Wurzelhalsgalle beschreibt das typische Erscheinungsbild; der Erreger kann jedoch auch Wurzeln, Äste und andere Pflanzenteile besiedeln.
  • Bei Reben können gallenbildende Agrobacterium-verwandte Erreger beteiligt sein, die nicht sicher mit A. tumefaciens gleichzusetzen sind. Eine Laborbestimmung ist deshalb bei wirtschaftlich wichtigen Beständen sinnvoll.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für befallene Pflanzen gibt es keine allgemein verlässliche kurative Pflanzenschutzmittelbehandlung. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich für die konkrete Kultur und das konkrete Problem gesetzlich zugelassene Produkte und befolgen Sie stets das aktuelle Etikett sowie die Vorgaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Keine historischen oder nicht zugelassenen Wirkstoffe und keine Eigenmischungen einsetzen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

1 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.