
Schwarze Kirschblattwespe
Caliroa cerasi (Linnaeus, 1758)Schwarze Kirschblattwespe – Kurzüberblick
Die Schwarze Kirschblattwespe (Caliroa cerasi) ist eine Pflanzenwespe, deren schleimüberzogene, schneckenähnliche Larven die Blätter von Kirsche, Birne und weiteren Rosengewächsen oberflächlich abschaben. Zurück bleiben durchscheinende „Fenster“ und später braune, vertrocknete Blattpartien. Bei starkem Befall können Obstbäume vorzeitig entlauben.
Typische Bedingungen
Überblick
Caliroa cerasi wird in Deutschland auch schneckenförmige Kirschblattwespe genannt. Die Larven sind keine Schnecken oder Raupen, sondern Larven einer Pflanzenwespe. Ihr dunkler, glänzender Schleimüberzug und die fehlenden typischen Raupenbeine erleichtern die Erkennung.
Besonders auffällig ist der Fraß an Birnen- und Kirschbäumen. Meist bleiben einzelne Blätter oder Triebpartien geschädigt; junge oder wiederholt stark befallene Bäume können jedoch vorzeitig Blätter verlieren.
Symptome und Erkennung
Die Larven raspeln zunächst das Blattgewebe zwischen den Blattadern ab. Dadurch entstehen helle, durchscheinende Fraßfenster, während die untere Blatthaut zunächst erhalten bleibt.
- schleimige, olivgrüne bis fast schwarze, schneckenähnliche Larven auf den Blättern
- glasige oder skelettierte Blattflächen zwischen den Blattadern
- später braune, vertrocknete und einreißende Blattpartien
- bei starkem Befall vorzeitiger Blattfall und schwächeres Wachstum
Ähnliche Schäden können durch andere Blattwespenlarven oder Blattschäden durch Witterung entstehen. Für eine sichere Diagnose sollten Larven und Fraßbild gemeinsam beurteilt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt durch die erwachsenen Blattwespen, die ihre Eier in Taschen an der Blattunterseite ablegen. Die Larven bleiben zunächst auf dem Befallsbaum, können aber durch Wind, Tiere oder den Transport befallener Pflanzenteile verschleppt werden.
Das Schadpotenzial steigt bei warmen, trockenen Perioden und bei wiederholtem Auftreten mehrerer Generationen. Dichte Bestände, benachbarte Wirtspflanzen und fehlende Kontrollen der Blattunterseiten begünstigen die Vermehrung.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Art überwintert überwiegend als Vorpuppe beziehungsweise Larve in einem Kokon im Boden. Im Frühjahr schlüpfen die erwachsenen Blattwespen und legen Eier in die Blattunterseiten. Die Larven fressen mehrere Tage bis Wochen, durchlaufen mehrere Stadien und lassen sich anschließend zur Verpuppung in den Boden fallen.
In Deutschland ist je nach Witterung und Region meist eine Generation, unter günstigen Bedingungen auch eine zweite Generation möglich. Die erste Larvengeneration tritt typischerweise im späten Frühjahr und Frühsommer auf; eine weitere kann im Hoch- oder Spätsommer folgen.
Behandlung und Bekämpfung
Bei schwachem Befall genügt meist das Absammeln oder Abspülen der Larven. Sie sitzen gut sichtbar auf den Blättern und können in einen Eimer mit Wasser und etwas Spülmittel gegeben werden. Stark geschädigte Einzelblätter können entfernt werden, sofern der Baum dadurch nicht zusätzlich entlaubt wird.
Bei wiederholtem oder starkem Befall sollte der gesamte Baum einschließlich der Blattunterseiten kontrolliert werden. Maßnahmen müssen möglichst gegen junge Larven erfolgen; ältere Larven sind weniger empfindlich und fallen bei Störung oft rasch zu Boden.
Eine Behandlung des Bodens ist im Hausgarten normalerweise nicht erforderlich. Der Schwerpunkt liegt auf Befallsüberwachung, mechanischer Entfernung und dem Schutz der Gesamtvitalität des Gehölzes.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im biologischen und nichtchemischen Pflanzenschutz sind frühes Absammeln, Abspülen und die Förderung natürlicher Gegenspieler die wichtigsten Maßnahmen. Vögel, räuberische Wanzen, Laufkäfer, Spinnen und parasitoide Insekten können zur natürlichen Regulierung beitragen.
Breit wirkende Spritzungen sollten vermieden werden, weil sie Nützlinge treffen und die biologische Kontrolle schwächen können. Bei größeren Bäumen ist eine gute Kronenbeobachtung wichtiger als eine pauschale Behandlung des gesamten Bestands.
Vorbeugung
- Obst- und Ziergehölze ab dem Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders die Blattunterseiten.
- Einzelne Larven frühzeitig abstreifen, absammeln oder mit einem kräftigen Wasserstrahl abspülen.
- Stark befallene, abgefallene Blätter aus dem unmittelbaren Kronenbereich entfernen und über den Hausmüll entsorgen; nicht auf den Kompost geben, wenn noch aktive Larven vorhanden sind.
- Den Boden unter befallenen Gehölzen sauber halten und unnötige dicht stehende Wirtspflanzen in unmittelbarer Nähe vermeiden.
- Eine vielfältige Gartenstruktur mit Blütenpflanzen, Vögeln und Nützlingshabitaten erhalten, da natürliche Gegenspieler die Larvenzahl begrenzen können.
Wissenswertes
- Die Larven sehen wegen ihres Schleimüberzugs wie winzige Schnecken aus, sind aber Insektenlarven.
- Der deutsche Name Kirschblattwespe ist etwas irreführend, weil die Art auch Birnen, Pflaumen, Weißdorn, Mehlbeeren und weitere Rosengewächse befällt.
- Der Fraß beginnt häufig als oberflächliches „Fensterfressen“; erst bei fortschreitendem Schaden werden Blätter vollständig skelettiert.
- Die Schwarze Kirschblattwespe gilt in Deutschland als häufige und ungefährdete Pflanzenwespenart.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur und diesen Schaderreger beziehungsweise diese Indikation gesetzlich zugelassen sind. Ausschließlich nach der aktuellen Gebrauchsanleitung anwenden und Auflagen, Abstände, Bienenschutz- sowie Anwenderschutzbestimmungen einhalten. Zulassungen und Anwendungsbedingungen können sich ändern; die amtliche Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist maßgeblich. Keine pauschale Wirkstoff- oder Spritzempfehlung ohne aktuelle, kulturspezifische Zulassung.