
Grauschimmel (Graufäule)
Botrytis cinereaGrauschimmel (Graufäule) – Kurzüberblick
Grauschimmel ist eine weit verbreitete Pilzkrankheit, die besonders bei feuchtwarmer, schlecht durchlüfteter Witterung oder unter Glas auftritt. Botrytis cinerea befällt Blätter, Triebe, Blüten und Früchte zahlreicher Zier- und Nutzpflanzen. Typisch sind zunächst wassergetränkte, braune Gewebestellen, später ein dichtes grau-braunes Sporenpolster und rasch fortschreitende Fäulnis.
Typische Bedingungen
Überblick
Grauschimmel tritt im deutschen Gartenbau an vielen Zierpflanzen, Beeren, Gemüsearten, Weinreben und weiteren Kulturen auf. Besonders gefährdet sind dicht stehende Bestände, Gewächshäuser und Folientunnel sowie Pflanzenteile mit langer Blatt- oder Fruchtnässe.
Der Pilz kann Blätter, Blattstiele, Triebe, Knospen, Blüten, Früchte, Zwiebeln und gelegentlich junge Sämlinge befallen. Abgestorbene Blütenblätter, Schnittreste und verletztes Gewebe dienen oft als Ausgangspunkt der Infektion.
Symptome und Erkennung
- Zunächst entstehen weich- oder wassergetränkte, hellbraune bis dunkelbraune Flecken.
- Blätter können unregelmäßige Blattflecken, Blattrandnekrosen oder Blattfall zeigen.
- Blüten und Knospen werden braun, welken und verkleben; bei Rosen und anderen Zierpflanzen beginnt der Befall häufig an absterbenden Blütenblättern.
- Früchte entwickeln weiche braune Fäulnis, später meist ein auffälliges grau-braunes, samtig-flaumiges Sporenpolster.
- An Stängeln und Trieben sind eingesunkene braune Läsionen oder abgestorbene Abschnitte möglich.
Ähnliche Symptome können unter anderem durch andere Fäulnispilze, bakterielle Fäulen oder Witterungsschäden entstehen. Für eine sichere Bestimmung müssen Wirtspflanze, Befallsstelle und Verlauf gemeinsam bewertet werden.
Ursachen und Ausbreitung
Botrytis cinerea bildet große Mengen luftverbreiteter Konidien. Diese stammen aus befallenem Pflanzengewebe, abgestorbenen Blättern, Blüten, Früchten, Schnittresten und Pflanzenabfällen. Wind, Luftbewegung, Spritzwasser, Arbeitsgeräte, Hände und der Kontakt zwischen dicht stehenden Pflanzenteilen fördern die Verbreitung.
Infektionen werden besonders durch anhaltende Blatt- und Fruchtnässe, Kondenswasser, hohe relative Luftfeuchte und schlecht durchlüftete Bestände begünstigt. Verletzungen durch Schnitt, Hagel, Insekten, Reibung oder Erntearbeit erleichtern das Eindringen. Der Pilz kann zunächst totes Gewebe besiedeln und von dort auf benachbarte lebende Pflanzenteile übergehen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Erreger überdauert vor allem als Myzel in abgestorbenen oder mumifizierten Pflanzenteilen und teilweise als widerstandsfähige Sklerotien. Bei geeigneter Feuchte bildet er Konidienträger und Konidien, die durch Luftbewegung oder Wasser verbreitet werden.
Auf einer ausreichend feuchten Pflanzenoberfläche keimen die Sporen und dringen bevorzugt über Wunden, natürliche Öffnungen oder bereits geschwächtes Gewebe ein. Das Myzel zerstört Zellen und breitet sich in nekrotischem Gewebe aus. Unter günstigen Bedingungen entsteht innerhalb kurzer Zeit erneut ein Sporenbelag. In gemäßigten Regionen kann der Erreger in Pflanzenresten überwintern und im Frühjahr oder bei erneut feuchten Perioden wieder als Infektionsquelle wirken.
Behandlung und Bekämpfung
Befallene Blätter, Blüten, Triebe und Früchte großzügig bis ins gesunde Gewebe entfernen und über den Hausmüll entsorgen; stark befallene Pflanzen gegebenenfalls vollständig beseitigen. Nicht bei feuchtem Wetter arbeiten, da dabei Sporen verschleppt werden können.
Im Gewächshaus sind konsequentes Lüften, vorsichtiges Bewässern, das Entfernen von Kondenswasser und die Reduzierung der Bestandsfeuchte besonders wirksam. Befallsherde sollten früh behandelt werden, weil abgestorbenes Gewebe die weitere Sporulation unterstützt.
Bei wirtschaftlich wichtigen Kulturen kann eine gezielte Fungizidstrategie Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes sein. Wegen der hohen Variabilität des Erregers und des Resistenzrisikos sollten Wirkstoffgruppen nicht einseitig wiederholt werden; Kultur, Befallszeitpunkt und lokale Beratung sind zu berücksichtigen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im biologischen und ökologischen Anbau stehen vor allem Hygiene, Bestandsklima und frühes Entfernen von Befallsherden im Vordergrund. Je nach Kultur können zugelassene biologische Präparate auf Basis von Bacillus-Arten, Trichoderma oder anderen mikrobiellen beziehungsweise pflanzenstärkenden Wirkprinzipien eingesetzt werden.
Solche Mittel wirken überwiegend vorbeugend und ersetzen keine Sanierung eines stark befallenen Bestands. Ihre Wirksamkeit hängt von Kultur, Anwendungstermin, Befallsdruck und zugelassener Indikation ab. Nützlings- und Mikrobenpräparate dürfen nur entsprechend der aktuellen deutschen Zulassung und Gebrauchsanweisung verwendet werden.
Vorbeugung
- Pflanzen mit ausreichendem Abstand setzen und Bestände regelmäßig auslichten, damit Blätter und Früchte schneller abtrocknen.
- Möglichst bodennah oder tropfbewässern und nicht über das Laub gießen; im Gewächshaus frühzeitig lüften und Kondensation vermeiden.
- Abgefallene Blüten, kranke Blätter, faule Früchte und Schnittreste laufend entfernen und nicht im Bestand liegen lassen.
- Beim Schneiden nur bei trockener Witterung arbeiten, saubere Werkzeuge verwenden und unnötige Verletzungen vermeiden.
- Überreife, beschädigte oder dicht aneinanderliegende Früchte zeitnah ernten und befallene Lagerware aussortieren.
- Für robuste, standortgerechte Sorten und einen ausgewogenen Wasser- und Nährstoffhaushalt sorgen; übermäßige Stickstoffversorgung vermeiden.
- Im geschützten Anbau Luftzirkulation verbessern, Pflanzen nicht zu dicht stellen und feuchte Oberflächen möglichst vor der Nacht abtrocknen lassen.
Wissenswertes
- Botrytis cinerea besitzt einen außergewöhnlich großen Wirtskreis und kann zahlreiche Zier- und Nutzpflanzen befallen.
- Der Pilz ist ein Nekrotroph: Abgestorbenes Gewebe ist nicht nur Symptom, sondern häufig auch eine wichtige Nahrungs- und Sporulationsquelle.
- Bei Weintrauben kann Botrytis je nach Zeitpunkt und Witterung sowohl unerwünschte Rohfäule als auch die erwünschte Edelfäule verursachen.
- Die graue Farbe entsteht durch massenhaft gebildete Konidien; ältere Befallsstellen können zusätzlich dunkle Überdauerungsstrukturen entwickeln.
- Botrytis cinerea gilt als pathogen mit hohem Resistenzrisiko. Integrierte Maßnahmen und ein Wechsel der Wirkmechanismen sind deshalb wichtiger als wiederholte Einzelbehandlungen.
In Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel verwenden, die für die konkrete Kultur und die Zweckbestimmung Botrytis cinerea beziehungsweise Grauschimmel aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die amtliche BVL-Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszahl, Wartezeit, Abstände, Schutzmaßnahmen und Auflagen des Etiketts sind verbindlich. Keine nicht zugelassenen Hausmittel- oder Wirkstoffprogramme anwenden.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Cucumis anguria – PflegeCucumis anguria
Horngurke (Cucumis metuliferus) – PflegeCucumis metuliferus
Gurke (Cucumis sativus) – PflegeCucumis sativus
Zuckermelone (Cucumis melo) – PflegeCucumis melo
Cantaloupe-Melone (Cucumis melo Cantalupensis Group)Cucumis melo Cantalupensis Group
Mangomelone (Cucumis melo Chito Group)Cucumis melo Chito Group
Gemüse-Melone (Cucumis melo Conomon Group)Cucumis melo Conomon Group
Dudaim Group (Cucumis melo Dudaim Group)Cucumis melo Dudaim Group
Armenische Melone (Cucumis melo Flexuosus Group)Cucumis melo Flexuosus Group
Inodorus Group (Cucumis melo Inodorus Group)Cucumis melo Inodorus Group
Koreanische Melone (Cucumis melo Makuwa Group)Cucumis melo Makuwa Group
Momordica Group (Cucumis melo Momordica Group)Cucumis melo Momordica Group