Birnenverfall durch ‘Candidatus Phytoplasma pyri’
‘Candidatus Phytoplasma pyri’Birnenverfall durch ‘Candidatus Phytoplasma pyri’ – Kurzüberblick
Der Birnenverfall ist eine durch ‘Candidatus Phytoplasma pyri’ verursachte Phloemkrankheit, die vor allem Birnbäume befällt. Typisch sind verzögerter Austrieb, blasse oder vorzeitig verfärbte, eingerollte Blätter, schwacher Fruchtbehang und ein fortschreitender Rückgang. Besonders anfällige Unterlagen können bei Wärme rasch welken und absterben. Die Übertragung erfolgt vor allem durch Birnenblattsauger sowie über infiziertes Vermehrungsmaterial.
Typische Bedingungen
Überblick
‘Candidatus Phytoplasma pyri’ verursacht den Birnenverfall, international als pear decline bezeichnet. Der Erreger lebt im Phloem und beeinträchtigt den Assimilat- und Wassertransport. Das Krankheitsbild reicht von langsamem Rückgang mit schwachem Austrieb bis zum schnellen Zusammenbruch einzelner Bäume. Ausprägung und Geschwindigkeit hängen stark von Sorte, Unterlage, Baumalter, Standort und Infektionszeitpunkt ab.
Symptome und Erkennung
Im Frühjahr treiben betroffene Birnbäume verspätet und schwach aus. Die Blätter bleiben klein, wirken blassgrün bis gelblich und können sich später verdicken, nach unten einrollen und vorzeitig verfärben. Bei manchen Sorten treten rote bis violette, bei anderen bronzefarbene Blätter stärker hervor.
Der Fruchtansatz nimmt ab; Früchte bleiben klein und der Baum verliert sichtbar an Vitalität. Auf empfindlichen Unterlagen, insbesondere bei bestimmten asiatischen Birnenunterlagen, kann sich bei heißem Wetter ein schneller Verfall mit Welken der gesamten Krone und Absterben innerhalb kurzer Zeit entwickeln. Diese Symptome sind nicht beweisend und können mit Wurzelproblemen, Trockenstress, Phytophthora, anderen Phytoplasmen oder Saugeschäden verwechselt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Hauptursachen der Ausbreitung sind infizierte Birnbäume als Erregerquelle, infektiöse Birnenblattsauger und infiziertes Vermehrungsmaterial wie Unterlagen, Jungbäume oder Edelreiser. Die Vektoren verbreiten den Erreger meist über kurze Entfernungen von Baum zu Baum; wandernde Arten können auch benachbarte Bestände erreichen.
Eine Übertragung durch gewöhnliche Schnittwerkzeuge oder durch Boden- und Gießwasser steht nicht im Vordergrund. Bei ähnlichen Symptomen müssen jedoch andere Krankheiten und abiotische Ursachen ausgeschlossen werden. Die genaue Bedeutung einzelner Nebenwirte und potenzieller Vektoren kann regional variieren.
Lebenszyklus und Überdauerung
Das Phytoplasma überwintert in infizierten mehrjährigen Wirtspflanzen und in infizierten Vektoren. Beim Saugen an erkrankten Birnbäumen nehmen geeignete Blattsauger den Erreger auf. Dieser vermehrt sich im Insekt, gelangt in dessen Speicheldrüsen und wird bei späteren Stichen in das Phloem gesunder Pflanzen abgegeben. Infizierte Vektoren können grundsätzlich lebenslang infektiös bleiben.
Als bestätigte Überträger gelten in der Fachliteratur der Gemeine Birnenblattsauger Cacopsylla pyri, Cacopsylla pyricola und Cacopsylla pyrisuga. Die ersten beiden Arten können mehrere Generationen bilden und an Birnen über längere Zeiträume vorkommen. Die Übertragung ist besonders im Zeitraum um den Austrieb epidemiologisch bedeutsam; regionale Flug- und Populationsverläufe in Deutschland können jedoch abweichen.
Behandlung und Bekämpfung
Infizierte Birnbäume können nicht zuverlässig kurativ behandelt werden. Bei einem einzelnen Verdachtsbaum sollte zunächst eine fachkundige Diagnose erfolgen, da Trockenstress, Wurzelkrankheiten, Feuerbrand, andere Phytoplasmen und Saugschäden ähnliche Symptome verursachen können.
Bestätigt sich der Birnenverfall, sind stark geschädigte oder absterbende Bäume in der Regel vollständig zu roden und aus dem Bestand zu entfernen. Bei noch vitalen Bäumen können Pflege, Bewässerung bei Trockenheit und die Reduktion der Überträgerpopulation den weiteren Stress begrenzen, beseitigen aber den Erreger nicht. Ein Ersatz sollte ausschließlich mit gesundem, geprüftem Material und möglichst geeigneter beziehungsweise toleranter Unterlage erfolgen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine biologische Heilung bereits infizierter Bäume ist nicht bekannt. Für den Haus- und Kleingartenbereich stehen deshalb Vorbeugung, Überwachung und Bestandshygiene im Mittelpunkt:
- Nur gesundes, geprüftes Pflanz-, Veredelungs- und Reisermaterial aus seriösen Quellen verwenden.
- Birnenblattsauger ab Austrieb regelmäßig kontrollieren, insbesondere an jungen Trieben und Blattunterseiten. Nützlinge wie Florfliegenlarven, Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und Spinnen schonen und fördern.
- Stark geschädigte Bäume samt möglichst viel Wurzel- und Kronenmaterial entfernen und nicht im Bestand liegen lassen; Schnittwerkzeuge zwischen verdächtigen Bäumen reinigen.
- Wasser-, Nährstoff- und Bodenverdichtungsstress vermeiden, weil er den Rückgang verstärken und die Diagnose erschweren kann.
- Bei wiederholtem Auftreten die Überwachung mit fachkundiger Beratung oder einer regionalen Obstbauberatung koordinieren. Alleinige biologische Bekämpfung der Vektoren verhindert die Krankheit nicht sicher.
Vorbeugung
Die wirksamste Strategie ist die Kombination aus gesundem Ausgangsmaterial, toleranter Unterlage, regelmäßiger Vektorkontrolle und konsequenter Entfernung eindeutig erkrankter Bäume.
- Für Neupflanzungen zertifizierte, rückverfolgbare Birnbäume und geprüfte Unterlagen wählen.
- Keine Reiser oder Stecklinge aus unbekannten, symptomatischen oder ungeprüften Bäumen entnehmen.
- Neue Bäume zunächst kontrollieren und nicht unmittelbar neben einem Bestand mit wiederholtem Birnenblattsaugerbefall aufstellen.
- Ab Austrieb und besonders im zeitigen Frühjahr Blattsaugerpopulationen beobachten; bei Erwerbsanlagen regionale Warndienste und amtliche Empfehlungen berücksichtigen.
- Bei Verdacht mehrere charakteristische Triebe und möglichst den gesamten Baumzustand dokumentieren und eine Laboruntersuchung veranlassen. Erregernachweise sollten durch fachkundige Probenahme abgesichert werden.
Wissenswertes
- Die Krankheitsbezeichnung beschreibt einen Rückgang oder Zusammenbruch des Birnbaums und nicht lediglich einen Blattschaden.
- Unterlagen beeinflussen die Ausprägung stark: Auf empfindlichen asiatischen Birnenunterlagen kann ein schneller Verfall auftreten, während andere Unterlagen eher einen langsamen Rückgang mit Blattkräuselung zeigen.
- Birnenblattsauger verursachen zusätzlich eigene Saug- und Honigtau-Schäden, die das Krankheitsbild überlagern können.
- Nach der Infektion können sichtbare Symptome verzögert erscheinen; ein symptomloser Baum ist daher nicht automatisch gesund.
Eine direkte Heilung infizierter Bäume ist nicht verfügbar. Pflanzenschutzmittel gegen Überträger dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die betreffende Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind; stets das amtliche Zulassungsregister und die geltende Gebrauchsanweisung beachten. Keine Behandlung allein aufgrund eines Verdachts durchführen.
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