Septoria-Blattdürre des Weizens
Zymoseptoria triticiSeptoria-Blattdürre des Weizens – Kurzüberblick
Die Septoria-Blattdürre ist eine wichtige Blattkrankheit des Weizens, verursacht durch den pilzlichen Erreger Zymoseptoria tritici. Sie beginnt meist an älteren Blättern mit gelblichen Sprenkeln und unregelmäßigen, braunen Läsionen. Typisch sind kleine dunkelbraune bis schwarze Pyknidien in den Blattflecken. Feuchte Witterung, anfällige Sorten und Weizenreste fördern die Ausbreitung.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Septoria-Blattdürre, auch Septoria tritici, Septoria-Blattfleckenkrankheit oder Weizenblattdürre genannt, wird durch Zymoseptoria tritici verursacht. Besonders gefährdet sind Winter- und Sommerweizenbestände. Die Krankheit kann die oberen, ertragsrelevanten Blätter schädigen und dadurch die Kornfüllung und den Ertrag vermindern.
Eine sichere Feldbestimmung ist nicht immer möglich, da ähnliche Symptome durch DTR-Blattdürre, Septoria nodorum, Rostkrankheiten oder andere Blattfleckenerreger entstehen. Die typischen Pyknidien und gegebenenfalls eine Laboruntersuchung verbessern die Diagnose.
Symptome und Erkennung
- Erste Anzeichen sind kleine chlorotische oder hellgrüne Sprenkel, meist an den unteren und älteren Blättern.
- Die Flecken vergrößern sich zu unregelmäßigen braunen bis graubraunen Läsionen, die häufig durch Blattadern begrenzt sind.
- In älteren Läsionen erscheinen zahlreiche kleine dunkelbraune bis schwarze, punktförmige Pyknidien.
- Bei hoher Befallsstärke verschmelzen die Flecken; ganze Blätter vergilben, vertrocknen und sterben vorzeitig ab.
- Eine Schädigung der Fahnenblätter und der beiden darunterliegenden Blätter ist besonders kritisch, weil diese Blätter wesentlich zur Kornfüllung beitragen.
Die Pyknidien können bei feuchter Witterung helle, schleimige Sporenranken austreten lassen. Eine Unterscheidung von ähnlichen Getreidekrankheiten ist anhand eines einzelnen Flecks jedoch unsicher.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger überdauert vor allem in infizierten Weizenresten als Myzel, Pyknidien und teilweise als sexuelle Fruchtkörper. Von dort gelangen Sporen durch Regenspritzer auf benachbarte Blätter. Ascosporen können zusätzlich mit Luftströmungen verbreitet werden.
Die Krankheit breitet sich innerhalb dichter Bestände besonders schnell aus, wenn wiederholte Niederschläge oder Tau für lange Blattnässe sorgen. Eine enge Weizenfolge, anfällige Sorten, infizierte Ernterückstände und ein üppiger, schlecht abtrocknender Bestand erhöhen das Infektionsrisiko.
Lebenszyklus und Überdauerung
Zymoseptoria tritici besitzt einen hemibiotrophen Entwicklungszyklus. Nach der Ablagerung auf dem Blatt keimen Asco- oder Pyknidiosporen und dringen überwiegend durch Spaltöffnungen ein. Danach wächst der Pilz zunächst über längere Zeit symptomlos im Zwischenzellraum des Blattgewebes.
Erst später folgt die nekrotische Phase mit Vergilbung, Braunfärbung und Absterben des Gewebes. In den Läsionen entstehen Pyknidien, die bei ausreichender Feuchtigkeit neue Pyknidiosporen freisetzen. Unter geeigneten Bedingungen können dadurch mehrere Infektionszyklen während einer Vegetationsperiode stattfinden.
Behandlung und Bekämpfung
Die Bekämpfung sollte nach dem Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes erfolgen. Entscheidend ist, ob der Bestand, die Sorte, die Witterung und die oberen Blattetagen ein wirtschaftlich relevantes Risiko erwarten lassen. Sehr frühe Standardbehandlungen ohne Befalls- oder Infektionsrisiko sind nicht grundsätzlich sinnvoll.
Bei anfälligen Sorten können Infektionen nach längerer Blattnässe rasch symptomatisch werden. Eine Behandlung muss deshalb vorbeugend oder sehr zeitnah nach einer prognostizierten Infektion erfolgen; stark sichtbare, weit fortgeschrittene Blattnekrosen lassen sich nicht zurückheilen. Wirkstoffgruppen sollten im Rahmen der zugelassenen Anwendung und der Resistenzmanagement-Empfehlungen gewechselt beziehungsweise sinnvoll kombiniert werden.
Bei der Auswahl sind Kulturstadium, Befallsstärke, regionale Beratung, Resistenzlage und aktuelle Zulassung in Deutschland zu berücksichtigen. Die Beurteilung sollte sich besonders auf die Fahnenblattregion und die beiden darunterliegenden Blätter konzentrieren.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende und anbautechnische Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören resistente Sorten, eine ausreichend weite Fruchtfolge, sorgfältiges Stroh- und Stoppelmanagement, die Beseitigung von Ausfallgetreide und eine standortgerechte Stickstoffversorgung.
Ein biologisches Präparat oder Hausmittel mit verlässlich kurativer Wirkung gegen Zymoseptoria tritici kann nicht allgemein vorausgesetzt werden. Pflanzenstärkungsmittel dürfen nicht mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gleichgesetzt werden; ihre Wirkung ist produkt- und situationsabhängig und sollte nur auf Grundlage belastbarer Versuchsergebnisse beurteilt werden.
Vorbeugung
- Für den Standort geeignete, möglichst blattgesunde und Septoria-tolerante Weizensorten anbauen.
- Weizen nicht unnötig eng in der Fruchtfolge führen; eine vielfältige Fruchtfolge reduziert die Menge infizierter Ernterückstände.
- Nach der Ernte Ausfallweizen und möglichst auch überwinternde grüne Getreidebrücken beseitigen.
- Stroh und Stoppelreste gleichmäßig zerkleinern und in den Boden einarbeiten, damit sie rascher verrotten.
- Überhöhte Stickstoffgaben vermeiden, weil sehr dichte und lange feuchte Bestände stärker gefährdet sein können.
- Bestände regelmäßig kontrollieren, besonders ab Schossbeginn und beim Erscheinen der oberen ertragsrelevanten Blätter.
- Witterungs- und Prognosemodelle wie SEPTRI als Entscheidungshilfe verwenden, nicht als Ersatz für die Bestandskontrolle.
Wissenswertes
- Der heute gültige Erregername ist Zymoseptoria tritici; ältere Fach- und Beratungsliteratur verwendet häufig Septoria tritici oder Mycosphaerella graminicola.
- Die Infektion kann über längere Zeit symptomlos bleiben, bevor die typischen Blattflecken sichtbar werden.
- Die Pyknidien sitzen im Blattgewebe und sind ein wichtiges diagnostisches Merkmal, können aber bei schwachem Befall oder trockener Witterung schwer erkennbar sein.
- Die wirtschaftliche Bedeutung hängt stark von Sorte, Witterungsverlauf, Befallszeitpunkt und dem Schutz der oberen Blätter ab.
- Der Erreger ist überwiegend auf Weizen spezialisiert. Aussagen zu anderen Süßgräsern und Getreidearten sind je nach Population und Untersuchungsmethode nicht vollständig einheitlich.
Chemische Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und Zymoseptoria tritici beziehungsweise die entsprechende Krankheit zugelassen sind. Ausschließlich nach der aktuellen Gebrauchsanleitung anwenden und deren Auflagen zu Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Gewässerabständen, Anwenderschutz und Resistenzmanagement einhalten. Zulassungen und Anwendungsbestimmungen können sich ändern; maßgeblich sind das amtliche BVL-Zulassungsverzeichnis und die aktuelle Produktkennzeichnung.
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