Bohnenfliege (Delia platura)
Delia platura (Meigen)Bohnenfliege (Delia platura) – Kurzüberblick
Die Bohnenfliege (Delia platura) ist eine kleine Fliege, deren Larven im Boden keimende Samen und sehr junge Sämlinge zahlreicher Kulturen befressen. Besonders gefährdet sind Bohnen, Mais, Erbsen, Kürbisgewächse und Kohlarten bei kühler, feuchter Witterung sowie frisch eingearbeiteten organischen Materialien. Schäden zeigen sich durch lückigen Aufgang, welke Keimlinge und ausgefressene Samen.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Bohnenfliege ist eine Anthomyiidae aus der Ordnung der Zweiflügler. Die etwa 5–7 mm große, graubraune Fliege ähnelt kleinen Stuben- oder anderen Wurzelfliegen und ist im Feld ohne Spezialkenntnisse nur schwer sicher von verwandten Delia-Arten zu unterscheiden.
Schädigend sind die beinlosen, weißlich bis gelblich gefärbten Larven. Sie sitzen im Boden, höhlen Saatkörner aus oder bohren Fraßgänge in Keimblätter, Hypokotyl und Wurzelhals. Sobald ein Sämling gut etabliert ist und echte Blätter besitzt, nimmt seine Anfälligkeit deutlich ab.
Symptome und Erkennung
Typisch sind lückiger oder vollständig ausbleibender Aufgang, verzögertes Wachstum, Welke und ein gelblich-grünes Erscheinungsbild junger Pflanzen. Bei Bohnen können die Keimblätter miniert oder durchlöchert sein; Mais- und andere große Samen erscheinen ausgehöhlt oder sind weich und teilweise zerstört.
Bei der Kontrolle findet man die Larven im Saatgut, am Hypokotyl oder unmittelbar im Boden. Ähnliche Ausfälle können auch durch schlechte Saatgutqualität, Fäulniserreger, Schnecken, Drahtwürmer oder andere Delia-Arten entstehen. Eine Diagnose sollte deshalb durch die Untersuchung mehrerer geschädigter Samen und Keimlinge abgesichert werden.
Ursachen und Ausbreitung
Das Risiko steigt, wenn unmittelbar vor der Aussaat frischer Mist, unreifer Kompost, Gründüngung oder größere Mengen Pflanzenreste in den Boden eingearbeitet werden. Diese Materialien locken Weibchen zur Eiablage an und bieten den Larven Nahrung.
Kühle und nasse Böden verlängern die Keimphase. Dadurch bleiben Samen und Keimlinge länger gefährdet, während die Larven weiterfressen können. Befallene Erntereste, liegengebliebene Samen und wieder austreibende Pflanzen können die Population lokal erhalten.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Bohnenfliege überwintert überwiegend als Puppe im Boden. Im Frühjahr schlüpfen die erwachsenen Fliegen, paaren sich und legen ihre Eier in feuchten Boden nahe keimender Samen, junger Pflanzen oder verrottender organischer Substanz.
Die Eier schlüpfen je nach Temperatur nach wenigen Tagen. Die Larven fressen etwa ein bis drei Wochen an Samen und Keimlingen und verpuppen sich anschließend im Boden. Unter günstigen Bedingungen sind mehrere Generationen möglich; die frühen Frühjahrsgenerationen verursachen meist die stärksten Aufgangsschäden. Die genaue Generationszahl variiert mit Klima und Region.
Behandlung und Bekämpfung
Ein bereits befallener Samen oder Keimling lässt sich in der Regel nicht kurativ retten. Befallene Pflanzen vorsichtig ausgraben, mitsamt beschädigtem Saatgut entfernen und die Ursache anhand einer Boden- und Samenuntersuchung prüfen.
Bei größeren Ausfällen kann eine Nachsaat sinnvoll sein, wenn der Boden inzwischen wärmer ist und keine frischen organischen Materialien mehr vorhanden sind. Für die laufende Kultur sind Maßnahmen vor der Aussaat oder während der empfindlichen Keimphase am wirksamsten; spätere Blattspritzungen erfassen im Boden lebende Larven nicht zuverlässig.
Schonende und biologische Bekämpfung
Biologische Maßnahmen können den Befall ergänzen, ersetzen aber keine gute Aussaatplanung:
- Bei geeigneter Bodenfeuchte können entomopathogene Nematoden wie Steinernema feltiae gegen Larvenstadien eingesetzt werden, sofern ein für Deutschland zugelassenes und für die betreffende Anwendung bestimmtes Produkt verfügbar ist. Die Anwendungshinweise zu Bodentemperatur, Feuchte und Ausbringung strikt einhalten.
- Junge Reihen oder Einzelpflanzen können mit feinmaschigem Kulturschutznetz gegen die Eiablage geschützt werden; das Netz muss vor dem erwarteten Zuflug dicht abschließen.
- Geschädigte Keimlinge und stark befallene Samen aus dem Beet entfernen und nicht im Beet kompostieren.
Vorbeugung
- Organische Dünger, Mist, Gründüngung und grobe Ernterückstände möglichst mehrere Wochen vor der Aussaat einarbeiten, damit sie weitgehend verrotten können.
- Bei gefährdeten Kulturen ein möglichst warmes, gut abgetrocknetes Saatbett wählen und nicht in kalten, vernässten Boden säen.
- Eine zügige Keimung durch geeignete Bodenvorbereitung, passende Saattiefe und gleichmäßige Feuchte fördern.
- Fruchtwechsel einhalten und Reste befallener Kulturen sowie Ausfallpflanzen konsequent entfernen.
- In Befallslagen empfindliche Direktsaaten nach Möglichkeit in eine wärmere, weniger gefährdete Zeit verlegen oder kräftige Jungpflanzen setzen.
- Aufgang regelmäßig kontrollieren und bei Fehlstellen mehrere Samen sowie den angrenzenden Boden auf Larven, Puppen und Fraßspuren untersuchen.
Wissenswertes
- Trotz des Namens befällt die Bohnenfliege nicht nur Bohnen, sondern zahlreiche große Samen und junge Sämlinge verschiedener Pflanzenfamilien.
- Die Larven können sich teilweise auch von verrottendem organischem Material ernähren; dadurch ist die Abgrenzung zwischen Primärbefall und sekundärer Besiedlung bereits geschädigter Pflanzen wichtig.
- Das Schadensfenster ist kurz: Nach erfolgreicher Etablierung mit echten Blättern sind viele Kulturen deutlich weniger gefährdet.
- Die erwachsenen Fliegen und Larven lassen sich im Garten meist nicht zuverlässig allein anhand des Aussehens von anderen Delia-Arten unterscheiden.
Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die entsprechende Anwendung zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanleitung und die gesetzlichen Auflagen des zugelassenen Produkts beachten. Im Haus- und Kleingarten ist die Verfügbarkeit entsprechender Anwendungen häufig begrenzt; vorbeugende, kulturtechnische und biologische Maßnahmen haben Vorrang.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Zwiebel (Allium cepa) – PflegeAllium cepa
Sternkugel-Lauch (Allium christophii) – PflegeAllium christophii
Winter-Zwiebel (Allium fistulosum) – PflegeAllium fistulosum
Riesenlauch (Allium giganteum) – PflegeAllium giganteum
Lauch (Allium) – PflegeAllium
Knoblauch (Allium sativum) – PflegeAllium sativum
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – PflegeAllium schoenoprasum
Bärlauch (Allium ursinum) – PflegeAllium ursinum
Quelle: