Zitrus-SchwarzfleckenkrankheitQuelle: Wikimedia CommonsCesar CalderonCC BY-SA 3.0
Krankheit

Zitrus-Schwarzfleckenkrankheit

Phyllosticta citricarpa (McAlpine) van der Aa
Kurzüberblick

Zitrus-Schwarzfleckenkrankheit – Kurzüberblick

Die Zitrus-Schwarzfleckenkrankheit ist eine quarantänerelevante Pilzkrankheit der Zitrusgewächse. Phyllosticta citricarpa verursacht vor allem auf reifenden Früchten eingesunkene braune bis schwarze Flecken, kann bei starkem Befall Fruchtfall auslösen und bleibt häufig lange unauffällig. In Deutschland ist der Erreger bislang nicht etabliert; bei Verdacht ist eine sichere Laborbestimmung durch den Pflanzenschutzdienst erforderlich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Fruchtschale und Fruchtfleischrand; seltener Blätter, Blattstiele und abgestorbene Zweige. Blatt- und Triebsymptome sind besonders bei Zitronen auffällig.
Begünstigende BedingungenWarme, feuchte Witterung mit langen Blatt- und Fruchtnässeperioden, häufigen Regenereignissen sowie feucht wechselnder Laubstreu; besonders kritisch in subtropischen Gebieten während der Regenzeit.
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Überblick

Die Zitrus-Schwarzfleckenkrankheit befällt Zitruspflanzen und verursacht hauptsächlich äußere Schäden an Früchten. Typische Läsionen sind eingesunken, rundlich und etwa 3–10 mm groß, mit graubrauner Mitte und einem dunkel rötlichbraunen bis schwarzen Rand. Bei starkem Befall können Früchte vorzeitig abfallen; das Fruchtfleisch bleibt häufig weitgehend unbeschädigt.

In Deutschland wurde der Erreger nach Angaben des Julius Kühn-Instituts nicht festgestellt. Verdächtige Pflanzen oder Früchte sollten deshalb nicht weitergegeben werden, und der zuständige Pflanzenschutzdienst sollte kontaktiert werden.

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Symptome und Erkennung

Auf Früchten entstehen mehrere typische, teilweise ineinander übergehende Symptomformen:

  • Hard spot: kleine, eingesunkene hellbraune bis graue Flecken mit erhabenem dunkelbraunem Rand; auf grünen Früchten kann ein gelber, auf reifen Früchten ein grünlicher Hof sichtbar sein.
  • Freckle spot: kleine graue, rötliche oder bräunliche Sprenkelflecken, meist ohne Hof und häufig ohne sichtbare Pyknidien.
  • False melanose: kleine erhabene dunkelbraune bis schwarze Flecken auf grünen Früchten, die im Saisonverlauf zusammenfließen können.
  • Virulent spot: größere, weichere oder lederartige eingesunkene Läsionen mit zahlreichen schwarzen Pyknidien; sie können tiefer in die Schale eindringen und Fruchtfall fördern.

Auf Blättern und jungen Trieben erscheinen kleine, runde, eingesunkene Nekrosen, oft mit gelbem Hof. Bei Orange und Mandarine sind Blattsymptome selten, bei Zitrone häufiger. Flecken können erst Monate nach der Infektion sichtbar werden und nach der Ernte weiterentwickelt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Die wichtigste natürliche Ausbreitung erfolgt über Sporen aus infizierter Laubstreu sowie über Konidien aus Pyknidien auf Früchten, Blättern und abgestorbenen Zweigen. Regen und Spritzwasser verteilen die Sporen innerhalb der Baumkrone und zwischen benachbarten Bäumen. Über größere Entfernungen ist die menschliche Verschleppung mit infizierten Pflanzen, Stecklingen, Früchten, Verpackungen oder anhaftender Laubstreu entscheidend.

In Deutschland steht deshalb vor allem die Einschleppung mit importierten Zitrusfrüchten und Pflanzenmaterial im Mittelpunkt. Die Diagnose darf nicht allein auf schwarze Flecken gestützt werden, da Kälteschäden, Insektenverletzungen, andere Pilze und verwandte Phyllosticta-Arten ähnlich aussehen können.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger überdauert vor allem in abgefallenem, sich zersetzendem Zitruslaub. Dort entstehen nach wiederholten Feucht- und Trockenperioden pseudotheciale Fruchtkörper mit Ascosporen. Diese werden bei Regen freigesetzt und über größere kurze Distanzen durch Luftbewegung verbreitet.

Eine zweite Infektionsquelle sind Pyknidien auf befallenen Früchten, Blättern, Fruchtstielen, abgestorbenen Zweigen und Laubstreu. Die daraus freigesetzten Konidien werden vorwiegend durch Regentropfen und Spritzwasser innerhalb der Krone verteilt. Nach der Infektion kann der Pilz lange latent bleiben; Fruchtsymptome erscheinen oft erst mehr als sechs Monate nach dem Fruchtansatz, häufig während der Reife.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei einem begründeten Verdacht sollte zunächst eine amtliche oder fachkundige Laboruntersuchung veranlasst werden. Eine Behandlung auf Verdacht ist nicht sinnvoll, weil die Krankheit in Deutschland nicht etabliert ist und mehrere ähnliche Ursachen möglich sind.

In Befallsgebieten beruht die Bekämpfung auf einer Kombination aus Laubstreuentfernung, Entfernung von Befallsquellen, guter Kronenbelüftung und gezieltem Fungizideinsatz während der gefährdeten Infektionsperiode. Für deutsche Hausgärten und Gewächshäuser lassen sich daraus keine automatisch gültigen Spritzpläne ableiten. Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie in Deutschland aktuell für die konkrete Zitruskultur und Anwendung zugelassen sind; Etikett, Wartezeit und Abstandsauflagen sind verbindlich.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine rein biologische oder haushaltsübliche Behandlung bereits infizierter Früchte ist nicht zuverlässig belegt. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes sind jedoch folgende nichtchemische Maßnahmen wichtig:

  • Abgefallenes Zitruslaub regelmäßig aufnehmen und entsprechend den örtlichen Vorgaben entsorgen; nicht in der Nähe empfänglicher Zitruspflanzen liegen lassen.
  • Befallene Früchte, Fruchtstiele und abgestorbene Zweige entfernen und nicht zur Vermehrung oder Weitergabe verwenden.
  • Die Krone luftig halten, ohne starke Rückschnitte an vitalem Holz vorzunehmen; dadurch trocknen Blätter und Früchte schneller ab.
  • Spritzwasser vermeiden und möglichst bodennah gießen. Werkzeuge, Kisten und Arbeitskleidung nach Arbeiten an verdächtigem Material reinigen.
  • Nur gesundes, rückverfolgbares und zertifiziertes Pflanzmaterial verwenden. Verdächtige Pflanzen nicht kompostieren oder über Tauschbörsen weitergeben.
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Vorbeugung

In Deutschland ist die wichtigste Maßnahme die Verhinderung der Einschleppung:

  • Zitruspflanzen nur aus seriösen, pflanzengesundheitlich kontrollierten Quellen beziehen und keine Pflanzen oder Edelreiser aus unbekannter Herkunft einführen.
  • Bei Importfrüchten und Pflanzenmaterial die jeweils geltenden EU-Pflanzengesundheitsvorschriften beachten; Früchte oder Pflanzen aus Risikogebieten nicht in den Gartenkompost geben.
  • Verdächtiges Material getrennt halten, nicht vermehren und dem zuständigen Pflanzenschutzdienst melden.
  • In beheizten Gewächshäusern für gute Luftbewegung, rasches Abtrocknen und möglichst wenig Blattnässe sorgen.
  • Bei bestätigtem Befall Quarantäne- und Tilgungsanweisungen der Behörden vollständig befolgen.
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Wissenswertes

  • Der heute bevorzugte Name ist Phyllosticta citricarpa; ältere Literatur verwendet häufig das Synonym Guignardia citricarpa.
  • Die Artbestimmung ist anspruchsvoll, weil mehrere verwandte Phyllosticta-Arten Zitrusfrüchte besiedeln können und sich äußerlich ähnliche Flecken bilden.
  • Die Frucht bleibt trotz auffälliger Schalenflecken häufig innerlich genießbar beziehungsweise verarbeitungsfähig, sofern keine tiefergehende Fäulnis vorliegt.
  • Die Krankheit ist in der EU als Unionsquarantäneschädling eingestuft; dadurch gelten besondere Einfuhr- und Überwachungsanforderungen für Zitrusfrüchte und Pflanzenmaterial.
  • Als dokumentierte Wirtspflanzen gelten vor allem Citrus, Fortunella, Poncirus und Hybriden daraus. Ältere Meldungen an zahlreichen Nicht-Zitruspflanzen werden wegen taxonomischer Verwechslungen überwiegend als unsicher bewertet.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland und der EU dürfen nur Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die für die betreffende Kultur und Anwendung gegen das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Zulassung, Kultur, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit und Auflagen stets im aktuellen deutschen Pflanzenschutzmittelverzeichnis beziehungsweise auf dem amtlichen Etikett prüfen. Keine Spritzfolge aus ausländischen Anbauempfehlungen übernehmen.