SaateuleQuelle: Wikimedia CommonsFrantišek ŠARŽÍKCC BY 3.0
Schädling

Saateule

Agrotis segetum
Kurzüberblick

Saateule – Kurzüberblick

Die Saateule (Agrotis segetum) ist ein nachtaktiver Eulenfalter, dessen im Boden lebende Raupen zahlreiche Kulturpflanzen schädigen können. Besonders gefährdet sind junge Mais-, Gemüse-, Rüben- und Kartoffelbestände. Typisch sind Fraß an bodennahen Stängeln, abgefressene Jungpflanzen sowie bei Kartoffeln und anderen Wurzelkulturen tiefe Fraßgänge und Gruben.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileJunge Stängel und Keimlinge, bodennahe Blätter, Wurzeln, Rüben, Kartoffelknollen und andere unterirdische Pflanzenteile.
Begünstigende BedingungenWarme, trockene Frühsommer, leichte Böden, lückige oder verunkrautete Bestände, bewachsene Feldränder und Flächen mit reichlich krautigen Eiablagepflanzen.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Saateule, auch Getreide-Saateule genannt, ist in Deutschland heimisch und besiedelt vor allem offene, warme sowie teilweise lückig bewachsene Standorte. Die Falter sind nachtaktiv; die Raupen werden als Erdraupen bezeichnet. Sie können an zahlreichen Kultur- und Unkrautarten vorkommen, treten aber nicht in jedem Jahr wirtschaftlich relevant auf.

Besonders problematisch sind junge Bestände und Kulturen auf leichten Böden. In Kartoffeln können ältere Raupen unterirdisch an Knollen fressen. In Deutschland ist die Diagnose stets gegen andere Erdraupen, insbesondere Agrotis ipsilon und Agrotis exclamationis, abzugrenzen.

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Symptome und Erkennung

Das Schadbild hängt vom Alter der Raupen und von der Kultur ab:

  • Junge Pflanzen welken plötzlich oder werden direkt an der Bodenoberfläche durchtrennt.
  • An oberirdischen Blättern entstehen zunächst Loch- und Schabefraß.
  • Bei Kartoffeln zeigen die Knollen bleistiftstarke Fraßgänge und größere Gruben; die Schale bleibt häufig teilweise erhalten.
  • Bei Rüben, Gemüse und anderen Wurzelkulturen können unterirdische Fraßstellen, ungleichmäßiger Bestand und Sekundärfäulen auftreten.
  • Die Larven sitzen tagsüber meist wenige Zentimeter tief im Boden und rollen sich bei Berührung zusammen.

Eine glänzende, graubraune, nahezu unbehaarte Raupe von etwa 4 bis 5 cm Länge ist ein wichtiger Hinweis, beweist die Art jedoch nicht sicher.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Befall geht von den Raupen der Saateule aus. Die Falter legen ihre Eier einzeln oder in Gruppen an niedrigen krautigen Pflanzen, Unkräutern oder bodennahen Pflanzenteilen ab. Dichte Verunkrautung, bewachsene Feldränder und lückige Bestände bieten geeignete Eiablage- und Nahrungsplätze.

Warme, trockene Witterung begünstigt in Deutschland den Falterflug, die Eiablage und die Entwicklung junger Raupen. Besonders gefährdet sind Flächen mit Vorjahresverunkrautung, angrenzenden Brach- oder Grasstreifen sowie leichte, sich rasch erwärmende Böden.

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Lebenszyklus und Überdauerung

In Mitteleuropa überwintert die Saateule überwiegend als ältere Raupe im Boden. Im Frühjahr beziehungsweise Mai verpuppt sie sich in der obersten Bodenschicht. Die Falter erscheinen anschließend ab etwa Ende Mai; in günstigen Jahren sind meist zwei Generationen zwischen Mai und Oktober möglich, örtlich auch eine teilweise dritte Generation.

Die Eier werden an der Wirtspflanze oder nahe der Bodenoberfläche abgelegt. Junge Raupen fressen zunächst oberirdisch, wandern später in den Boden und werden dort nachtaktiv. Ältere Larven verursachen den stärksten Schaden an Stängelbasen, Wurzeln, Rüben und Knollen.

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Behandlung und Bekämpfung

Zuerst sollten beschädigte Pflanzen, der Boden direkt unter der Pflanze und die angrenzenden Zentimeter Boden kontrolliert werden. Die Suche ist am aussichtsreichsten in der Dämmerung oder früh am Morgen, wenn die Raupen noch nahe der Oberfläche aktiv sind. Zusätzlich können Licht- oder Pheromonfallen den Falterflug anzeigen; sie ersetzen jedoch keine Bestandskontrolle.

Bei Kartoffeln und Gemüse ist eine möglichst frühe Ernte beziehungsweise Bergung gefährdeter Knollen sinnvoll, sobald Kulturziel und Reifegrad dies erlauben. In warmen, trockenen Frühsommern kann eine bedarfsgerechte Beregnung während Eiablage und Junglarvenphase die Überlebensrate junger Raupen vermindern, ist aber keine Garantie und muss mit Wasserverfügbarkeit, Bodenschutz und Krankheitsrisiken abgewogen werden.

Behandlungen müssen auf den nachgewiesenen Schädling, die Kultur und das Entwicklungsstadium abgestimmt werden. Große, im Boden versteckte Raupen sind schwer zu erreichen; deshalb ist eine späte Maßnahme häufig wenig zuverlässig.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und mechanische Maßnahmen im Vordergrund. Kulturschutznetze verhindern die Eiablage an jungen Pflanzen, wenn sie dicht schließen und keine Falter eingeschlossen werden. Bei kleinflächigem Befall können Raupen abends oder früh morgens abgesammelt werden.

Eine strukturreiche, aber nicht unmittelbar an der Kultur verunkrautete Umgebung unterstützt Laufkäfer, Vögel und andere natürliche Gegenspieler. Kompost, Ernterückstände und Unkraut sollten jedoch nicht direkt an gefährdeten Jungpflanzen liegen. Biologische Präparate sind nur dann sinnvoll, wenn sie für die konkrete Kultur, den Schädling und die Anwendungssituation zugelassen beziehungsweise rechtlich anwendbar sind; ihre Wirkung gegen bodenlebende ältere Raupen ist nicht pauschal vorherzusagen.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung sollte mehrere Maßnahmen kombinieren:

  • Unkräuter in der Kultur, an Feldrändern und auf Stilllegungsstreifen gezielt kontrollieren, ohne wertvolle Randstrukturen pauschal zu zerstören.
  • Nach der Vorfrucht Ausfallpflanzen und starke Verunkrautung frühzeitig beseitigen.
  • Eine sorgfältige, standortgerechte Bodenbearbeitung kann Eier und junge Larven stören; unnötige Bodenbearbeitung ist aus Bodenschutzgründen zu vermeiden.
  • Jungpflanzen in gefährdeten Gemüsebeständen mit feinmaschigen Kulturschutznetzen gegen Eiablage schützen.
  • Fruchtfolge, gute Bestandesetablierung und gleichmäßige Pflanzenentwicklung fördern die Toleranz gegenüber Einzelverlusten.
  • Felder und Gartenbeete ab Juni regelmäßig kontrollieren, besonders nach warmen, trockenen Perioden.
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Wissenswertes

Der deutsche Name „Saateule“ bezieht sich auf die landwirtschaftliche Bedeutung der Larven, nicht auf eine Krankheit der Saat. Die Raupen sind überwiegend nachts aktiv und verbergen sich tagsüber im Boden, weshalb sichtbare Fraßspuren oft erst nach bereits eingetretenem Pflanzenausfall auffallen.

Die Art ist polyphag; EPPO führt unter anderem Beta vulgaris, Gossypium hirsutum, Allium porrum, Brassica rapa, Helianthus annuus, Medicago sativa, Solanum lycopersicum, Solanum tuberosum und Zea mays als dokumentierte Wirte. Da mehrere Agrotis-Arten gleiche Schäden verursachen, sollte die Artbezeichnung bei Feldbefunden vorsichtig verwendet werden.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie Pflanzenschutzmittel ausschließlich, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den betreffenden Schaderreger beziehungsweise die entsprechende Indikation zugelassen sind. Maßgeblich sind die aktuelle Zulassungs- und Anwendungssituation des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die Gebrauchsanleitung und die Auflagen auf dem Etikett. Keine Anwendung von Altbeständen, Internet-Empfehlungen oder Wirkstoffen außerhalb der aktuellen Zulassung. In Haus- und Kleingärten können für bestimmte Kulturen keine geeigneten Insektizide zugelassen sein.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

8 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.