
Monilia-Spitzendürre (Monilinia laxa)
Monilinia laxa (Aderh. & Ruhland) HoneyMonilia-Spitzendürre (Monilinia laxa) – Kurzüberblick
Die Monilia-Spitzendürre wird durch den Pilz Monilinia laxa verursacht und befällt vor allem Sauerkirschen, aber auch Süß- und Zierkirschen, Aprikosen, Pfirsiche und Mandeln. Nach kühler, feuchter Blüte welken Blüten und junge Triebe, später können Zweige absterben. Entfernen Sie Infektionsquellen konsequent und schneiden Sie befallene Partien bis ins gesunde Holz zurück.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Krankheit ist in Deutschland vor allem als Monilia-Spitzendürre, Blütenmonilia oder Blüten- und Zweigdürre an Steinobst bekannt. Typisch ist das plötzliche Welken einzelner Blütenbüschel kurz nach der Blüte. Von dort kann der Erreger in den Blütenstiel und weiter in den Trieb vordringen.
Besonders auffällig und wirtschaftlich relevant ist der Befall an Sauerkirschen, vor allem an anfälligen Sorten wie „Schattenmorelle“, sowie an Aprikosen. Die genaue Ursache eines einzelnen abgestorbenen Zweigs sollte jedoch nicht allein anhand des Welkens beurteilt werden, da auch Frost, Bakterienkrankheiten, Obstbaumkrebs oder andere Pilze ähnliche Symptome verursachen können.
Symptome und Erkennung
Wenige Tage bis Wochen nach der Blüte welken einzelne Blüten, Blätter und junge Triebspitzen. Die betroffenen Partien werden braun und trocknen von der Befallsstelle zur Spitze hin ein. Welke Blütenbüschel bleiben häufig am Baum hängen.
An befallenen Zweigen können sich eingesunkene oder verfärbte Rindenbereiche, kleine Wucherungen und bei Steinobst auch Gummifluss bilden. Bei Fruchtbefall entstehen braune, schnell größer werdende Fäulnisstellen. Auf der Frucht erscheinen meist graue, polsterartige Konidienlager; später schrumpft die Frucht zur Mumie ein.
Ursachen und Ausbreitung
Die wichtigste Infektionsquelle sind nicht entfernte, abgestorbene Blüten, Zweige und Fruchtmumien. Sporen werden bei feuchter Witterung gebildet und durch Regen, Spritzwasser, Wind sowie Berührung verbreitet.
Die Infektion wird durch eine lange Blatt- und Blütennässe während der Blüte begünstigt. Bei Früchten erleichtern Hagel, Risse, Insekten- und Vogelfraß sowie mechanische Ernteverletzungen das Eindringen. Dichte Kronen und schlecht abtrocknende Standorte erhöhen das Risiko.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Pilz überdauert vor allem in abgestorbenen Blüten, Zweigen und Fruchtmumien. Bei feuchter Witterung bildet er dort Sporen, die durch Regen, Spritzwasser und Luftbewegung verbreitet werden.
Während der Blüte gelangen die Sporen auf empfindliches Blütengewebe und können über den Blütenstiel in den Trieb wachsen. Befallene Triebe sterben häufig oberhalb der Infektionsstelle ab. Im Sommer infiziert der Erreger Früchte meist über Verletzungen, Risse, Hagelschäden oder Fraßstellen. Die mumifizierten Früchte und abgestorbenen Zweige bilden anschließend neue Infektionsquellen.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits abgestorbene Triebe werden durch Fungizide nicht wieder gesund. Schneiden Sie sie bei trockener Witterung bis weit unterhalb der sichtbaren Verbräunung in gesundes Holz zurück. Entfernen Sie außerdem mumifizierte Früchte und vertrocknete Blüten.
Bei starkem oder wiederkehrendem Befall kann eine vorbeugende Behandlung während der Blüte in Betracht kommen. Der optimale Zeitpunkt hängt von Witterung, Kultur, Befallsdruck und dem zugelassenen Produkt ab. Für Deutschland sind stets die aktuellen Zulassungsdaten und das Etikett maßgeblich; eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge ist nicht sicher übertragbar.
Schonende und biologische Bekämpfung
Schneiden Sie welke Blütenbüschel und abgestorbene Triebe möglichst bald nach der Blüte, spätestens nach der Ernte, bis deutlich ins gesunde Holz zurück. Im Querschnitt darf keine braune Verfärbung mehr sichtbar sein. Schneidwerkzeuge zwischen Bäumen und bei sichtbarem Befallswechsel reinigen.
Entfernen Sie Fruchtmumien, abgestorbene Blüten und Schnittgut vollständig aus der Krone und aus dem unmittelbaren Baumumfeld. Nicht auf dem Kompost belassen, wenn dieser keine sichere Heißrotte gewährleistet. Sorgen Sie durch maßvollen Erziehungsschnitt für eine luftige Krone, vermeiden Sie unnötige Verletzungen und ernten Sie Früchte vorsichtig.
Wählen Sie bei Neupflanzungen möglichst weniger anfällige Sorten und Standorte mit guter Luftzirkulation. Biologische Präparate oder Pflanzenstärkungsmittel können je nach Produkt und Zulassung ergänzend eingesetzt werden; ihre Wirkung ist nicht mit einer sicheren Heilung bereits befallener Triebe gleichzusetzen.
Vorbeugung
- Abgestorbene Blütenbüschel, Zweige und Fruchtmumien regelmäßig kontrollieren und entfernen.
- Befallene Triebe bis in eindeutig gesundes Holz zurückschneiden; Schnittgut aus dem Garten entfernen.
- Die Krone luftig halten und bei der Pflege unnötige Wunden vermeiden.
- Keine Überkopfbewässerung während der Blüte; Bewässerung möglichst bodennah durchführen.
- Bei wiederkehrendem Befall weniger anfällige Sorten und einen gut durchlüfteten Standort wählen.
- Während der Blüte und Fruchtreife regelmäßig kontrollieren, besonders nach längeren Regenperioden.
Wissenswertes
- Die auffälligen abgestorbenen Blütenbüschel können noch über den Winter am Baum hängen bleiben.
- Sauerkirschen und Aprikosen reagieren häufig stärker als Süßkirschen, weil Triebe unterhalb der infizierten Blüte absterben können.
- Monilia-Fruchtfäule und Monilia-Spitzendürre können durch dieselbe Pilzart verursacht werden, sind aber unterschiedliche Befallssituationen.
- Graue Sporenpolster sprechen bei Fruchtbefall eher für M. laxa oder M. fructicola; eine sichere Artabgrenzung erfordert gegebenenfalls eine Laboruntersuchung.
Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die betreffende Kultur und Anwendung gegen die betreffende Krankheit aktuell zugelassen sind. Verwenden Sie ausschließlich legal zugelassene Produkte und halten Sie die jeweils aktuelle Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Wartezeit, Abstandsauflagen und Anwenderschutzvorgaben exakt ein. Im Haus- und Kleingarten sind vorbeugende Kulturmaßnahmen und Hygiene besonders wichtig.