Bläulingszikade
Metcalfa pruinosaBläulingszikade – Kurzüberblick
Die Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa) ist ein polyphager, ursprünglich nordamerikanischer Pflanzensauger, der in Deutschland vor allem in wärmebegünstigten Regionen wie der Oberrheinebene auftreten kann. Weißliche Wachswolle an Blattunterseiten und Trieben, klebriger Honigtau sowie nachfolgender Rußtau sind die auffälligsten Merkmale. Meist bleibt der Schaden kosmetisch, bei starkem Befall können junge Triebe und die Pflanzenqualität beeinträchtigt werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Metcalfa pruinosa ist eine Zikade mit einem breiten Wirtsspektrum, die überwiegend Gehölze, Obstpflanzen, Weinreben und Zierpflanzen besiedelt. Die Nymphen sind durch weißliche, flockige Wachsfäden auffällig und sitzen häufig an Blattunterseiten, jungen Trieben oder Blütenständen. Erwachsene Tiere sind etwa 6–9 mm lang, graubraun bis bläulich bereift und können bei Störung springen oder auffliegen.
Für Deutschland bewertet das Julius Kühn-Institut das Schadpotenzial insgesamt als niedrig; besonders geeignete Bedingungen bestehen in der Oberrheinebene und anderen wärmebegünstigten Lagen. Ein Befall ist nicht automatisch behandlungsbedürftig.
Symptome und Erkennung
- Weiße, watte- oder fadenartige Wachsausscheidungen an Blattunterseiten, Triebspitzen und jungen Zweigen.
- Klebriger Honigtau auf Blättern, Früchten, Trieben oder darunter stehenden Pflanzen.
- Schwarzer Rußtau auf honigtauverschmutzten Oberflächen.
- Bei starkem Befall: Wachstumshemmung, geschwächte junge Triebe, Qualitäts- und Vermarktungseinbußen.
- Zur Verwechslung kommen Wollläuse, Schmierläuse und andere wachsausscheidende Pflanzensauger infrage. Die beweglichen Nymphen springen bei Berührung häufig weg.
Ursachen und Ausbreitung
Schäden entstehen durch das Saugen von Nymphen und Adulten an Leitbündeln sowie durch die Abgabe von Honigtau. Die Art ist stark polyphag; als dokumentierte Wirte wurden unter anderem Weinrebe, Apfel, Aprikose, Pfirsich, Himbeere, Brombeere, Robinie, Götterbaum und verschiedene Ahornarten erfasst.
Die natürliche Ausbreitung erfolgt durch flugfähige Adulte. Über größere Entfernungen ist eine Verschleppung mit befallenen Pflanzen, Schnittgut oder Fahrzeugen möglich. In Deutschland ist bislang nicht von einer flächendeckenden wirtschaftlichen Bedeutung auszugehen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Unter europäischen Klimabedingungen entwickelt sich normalerweise eine Generation pro Jahr. Die Eier werden meist von August bis Ende September in Rindenfalten oder weiche Bereiche junger holziger Triebe abgelegt und überwintern dort. Ab etwa April oder Mai schlüpfen die Nymphen; sie durchlaufen fünf Stadien und sind ungefähr 40 Tage aktiv, abhängig von Temperatur und Standort.
Junge Nymphen sitzen zunächst bevorzugt an Blattunterseiten und wandern später auf diesjährige Triebe, Blütenstände oder Fruchtstände. Ab Juli beziehungsweise August erscheinen die Adulten. Die saisonalen Zeitpunkte können in Deutschland regional und witterungsbedingt deutlich variieren.
Behandlung und Bekämpfung
Bei geringem Befall genügt meist Beobachtung, da die Schäden häufig kosmetisch bleiben. Einzelne Nymphen können mit einem kräftigen Wasserstrahl von Blättern und Trieben abgespült oder mechanisch entfernt werden. Stark besetzte junge Triebe lassen sich gegebenenfalls gezielt zurückschneiden und aus dem Bestand entfernen.
Bei wiederholt starkem Befall sollten Befallsherde, Entwicklungsstadium und Wirtspflanzen dokumentiert werden. Maßnahmen sind am wirksamsten gegen junge Nymphen, bevor die Wachsschicht stark ausgeprägt ist. Eine Behandlung der gesamten Pflanze ohne Befallsnachweis ist nicht sinnvoll.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste nichtchemische Maßnahme ist die Kombination aus Kontrolle, Abspritzen, Hygiene und Förderung natürlicher Gegenspieler. Dazu zählen unter anderem räuberische Wanzen, Florfliegenlarven, Marienkäfer und parasitoide Hautflügler; ihre tatsächliche Wirkung hängt vom Standort und der Populationsdichte ab.
Breit wirkende Insektizide können Nützlinge beeinträchtigen und sind bei wachsbedeckten Tieren oft unzuverlässig. Deshalb sollten befallene Triebe gezielt behandelt oder entfernt und blühende Begleitvegetation sowie Rückzugsräume für Nützlinge erhalten werden.
Vorbeugung
- Pflanzen, insbesondere Gehölze, Weinreben und Baumschulware, beim Kauf und vor dem Einpflanzen auf Wachswolle, Honigtau und Nymphen kontrollieren.
- Stark befallenes Schnittgut nicht unkontrolliert im Garten verteilen oder kompostieren; möglichst über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
- Dichte Kronen durch fachgerechten Erziehungs- und Auslichtungsschnitt besser durchlüften.
- Unkraut und verwilderte Gehölze im unmittelbaren Umfeld kontrollieren, ohne blühende oder ökologisch wertvolle Strukturen pauschal zu entfernen.
- Ab Mai bis Spätsommer regelmäßig Blattunterseiten, junge Triebe und geschützte Schattenbereiche kontrollieren.
Wissenswertes
- Die Bläulingszikade ist der einzige Vertreter der Familie Flatidae, der in Deutschland beschrieben wurde.
- Die auffällige weiße Wachswolle wird von den Nymphen gebildet und kann den Körper teilweise verdecken.
- Honigtau kann bei starkem Auftreten Rußtau fördern, dient aber auch Honigbienen als mögliche Spätsommer-Tracht.
- Nach derzeitigem Kenntnisstand ist Metcalfa pruinosa kein Überträger von Pflanzenviren oder Phytoplasmen.
- Die Art stammt aus Nordamerika und wurde in Europa erstmals 1979 in Norditalien nachgewiesen.
Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland zum Zeitpunkt der Anwendung für die betreffende Kultur und den betreffenden Schädling rechtlich zugelassen sind. Die aktuelle Gebrauchsanleitung, Auflagen, Wartezeiten, Bienenschutz- und Gewässerschutzbestimmungen sind strikt einzuhalten. Eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge wird nicht empfohlen; vor einer Anwendung ist die Notwendigkeit fachlich zu prüfen.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: