Apfelsägewespe
Schädling

Apfelsägewespe

Hoplocampa testudinea (Klug)
Kurzüberblick

Apfelsägewespe – Kurzüberblick

Die Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) ist ein wichtiger Schädling an Apfelbäumen, besonders in der Blütezeit und kurz danach. Ihre Larven bohren sich in junge Früchte ein und hinterlassen schmale, bogen- oder spiralförmige Fraßgänge. Befallene Äpfel verfärben sich im Inneren, riechen häufig faulig und fallen vorzeitig ab. Eine genaue Befallskontrolle nach der Blüte hilft, unnötige Maßnahmen zu vermeiden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlütenboden, Kelchbereich und Fruchtfleisch junger Äpfel; später auch abgefallene Früchte und der Boden unter dem Baum.
Begünstigende BedingungenWarme, sonnige Witterung während der Apfelblüte, reichlicher Blütenansatz, weiße oder sehr helle Blüten und nicht entfernte Befallsfrüchte unter dem Baum.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Apfelsägewespe ist in Deutschland vor allem im Erwerbs- und Hausgartenobstbau an Apfel bekannt. Die etwa 6–7 mm großen Tiere erscheinen rund um die Apfelblüte. Das Weibchen legt einzelne Eier mit dem sägeförmigen Legeapparat in den Blütenboden. Nach dem Schlupf dringen die Larven in die jungen Früchte ein.

Frühblühende und weißblühende Apfelsorten können besonders attraktiv sein. Ein leichter Befall kann bei sehr starkem Blütenansatz teilweise zur natürlichen Fruchtausdünnung beitragen; eine Bekämpfung ist daher nicht automatisch erforderlich.

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Symptome und Erkennung

  • Nach der Blüte kleine Einbohrstellen am Kelch- oder Fruchtboden, teils mit feuchtem Kot oder Bohrmehl.
  • Schmale, bogenförmige bis spiralige Fraßgänge unter der Fruchthaut.
  • Larvenfraß im Fruchtfleisch, häufig mit Braun- oder Schwarzfärbung und fauligem Geruch.
  • Befallene Jungfrüchte bleiben klein und fallen vorzeitig ab; einzelne Larven können in weitere Früchte wechseln.

Die Fraßgänge unterscheiden sich meist von den tieferen, mit Kotkrümeln gefüllten Einbohrgängen des Apfelwicklers.

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Ursachen und Ausbreitung

Verursacher ist die Larve von Hoplocampa testudinea. Der Befall beginnt mit der Eiablage während der Apfelblüte. Sonniges, warmes Wetter fördert die Aktivität der erwachsenen Tiere, besonders am Vormittag bis Mittag. Das Risiko steigt bei reichlicher Blüte, attraktiven weißblühenden Sorten und dauerhaftem Vorhandensein befallener Jungfrüchte.

Die Art ist überwiegend ortstreu. Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich durch den Schlupf aus befallenen Früchten und durch die natürliche Bewegung erwachsener Tiere zwischen benachbarten Apfelbäumen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Larven entwickeln sich im Frühjahr in den jungen Äpfeln. Nach mehreren Fraßstadien verlassen sie die Frucht, meist wenn diese abfällt, und wandern in den Boden. Dort spinnen sie einen Kokon und überdauern als Ruhelarve. Die Verpuppung und der Schlupf der Erwachsenen erfolgen im folgenden Frühjahr; unter mitteleuropäischen Bedingungen tritt gewöhnlich eine Generation pro Jahr auf.

Die Flug- und Eiablagephase überschneidet sich mit der Apfelblüte. Für eine gezielte Entscheidung können regionale Warndienste und phänologische Modelle wie HOPLOSUM beziehungsweise entsprechende Beratungsangebote herangezogen werden.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei geringem Befall genügt häufig das konsequente Entfernen befallener Jungfrüchte. In Jahren mit sehr starkem Blütenansatz kann der Schaden teilweise einer erwünschten Ausdünnung entsprechen. Bei wiederkehrendem wirtschaftlichem Befall sollte der Flug der erwachsenen Sägewespen überwacht und eine Maßnahme ausschließlich zum passenden Entwicklungszeitpunkt geplant werden.

Da die Larven nach dem Einbohren nur schwer erreichbar sind, sind verspätete Behandlungen meist wenig wirksam. Im professionellen Anbau sollten Prognosemodelle, Kontrollen der Blüten und die Beratung des zuständigen Pflanzenschutzdienstes einbezogen werden.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende und mechanische Maßnahmen im Vordergrund: Blüten- und Fruchtkontrollen, Abschütteln befallener Früchte sowie gründliches Entfernen abgefallener Äpfel. Natürliche Gegenspieler, darunter parasitoide Schlupfwespen, können zur Regulation beitragen und sollten durch einen vielfältigen, wenig belasteten Garten gefördert werden.

Quassia-Präparate zeigten in Versuchen und der Praxis keine stets zuverlässige Wirkung. Azadirachtin-basierte Mittel können je nach Zulassung und Anwendungssituation eine Option sein, dürfen in Deutschland aber nur eingesetzt werden, wenn das konkrete Produkt für Kultur und Schaderreger zugelassen beziehungsweise genehmigt ist und die aktuelle Gebrauchsanleitung dies abdeckt.

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Vorbeugung

  • Blüten- und Fruchtansatz regelmäßig ab der Blüte bis etwa zur Haselnussgröße kontrollieren.
  • Stark befallene Jungfrüchte nach der Blüte abschütteln und aus dem Bestand entfernen; nicht unter dem Baum liegen lassen.
  • Abgefallene Früchte zeitnah aufsammeln, besonders wenn Larven oder Fraßgänge sichtbar sind.
  • Bei Neupflanzungen Sortenwahl berücksichtigen: reinweiß blühende, frühblühende Sorten können stärker gefährdet sein, dies ist jedoch nicht absolut.
  • Baumkrone offen und gut kontrollierbar erziehen und regionale Obstbau-Warndienste beachten.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name bezieht sich auf den sägeförmigen Legeapparat des Weibchens.
  • Die Art gehört nicht zu den Schmetterlingen: Ihre Larven sind Afterraupen und besitzen typischerweise mehr Bauchbeinpaare als echte Raupen.
  • Die Fraßgänge können bogenförmig oder spiralförmig verlaufen und sind ein wichtiges Diagnosemerkmal.
  • Als dokumentierte Hauptwirtspflanze gilt der Kulturapfel; die verwandte Birne wird nur selten als Wirt angegeben und sollte nicht pauschal mit dem häufigeren Birnensägewespen-Befall gleichgesetzt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Keine pauschale Spritzfolge anwenden. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für Apfel und diesen Schaderreger beziehungsweise die betreffende Anwendung aktuell gesetzlich zugelassen oder genehmigt sind. Zulassungsstatus, Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Bienenschutz- und Auflagen sind stets dem aktuellen amtlichen Etikett und den Informationen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu entnehmen.