
Weißfäule der Weinrebe (Hagelkrankheit)
Coniella diplodiellaWeißfäule der Weinrebe (Hagelkrankheit) – Kurzüberblick
Die Weißfäule der Weinrebe ist eine pilzliche Traubenkrankheit, die durch Coniella diplodiella verursacht wird. Sie tritt in Deutschland eher selten auf, kann sich aber nach Hagel, Starkregen oder anderen Verletzungen rasch ausbreiten. Befallene Beeren werden weich, verfärben sich gelblich-braun bis violett und überziehen sich später mit zahlreichen hellgrau wirkenden Pyknidien.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Weißfäule, auch Hagelkrankheit genannt, wird durch den Pilz Coniella diplodiella verursacht. Der wichtigste dokumentierte Wirt ist die Weinrebe (Vitis vinifera). Befallen werden vor allem Beeren und Traubenstiele; Infektionen an grünen Trieben und anderen grünen Organen sind möglich, aber im praktischen Anbau weniger typisch.
In Deutschland ist die Krankheit vergleichsweise selten. Besonders kritisch ist sie nach Hagelschlag, Starkregen oder mechanischen Verletzungen, weil der Pilz über Wunden leicht eindringen kann. Eine sichere Diagnose sollte ähnliche Traubenfäulen wie Schwarzfäule, Botrytis- oder Essigfäule berücksichtigen.
Symptome und Erkennung
Erste Symptome sind meist gelblich-grüne bis wässrige, zonierte Flecken an einzelnen Beeren. Die Flecken vergrößern sich, werden gelb-braun, rötlich-braun bis violett und erfassen schließlich die gesamte Beere. Das Fruchtfleisch wird weich; befallene Beeren können abfallen oder am Stielgerüst eintrocknen.
Charakteristisch sind zahlreiche kleine, zunächst bräunlich-violette, später grau-weiß erscheinende Pyknidien auf der Beerenhaut. Durch die Ablösung der Kutikula entsteht der typische weißliche Eindruck. Auch Rachisen und Triebe können eingesunkene braune Läsionen oder längliche Nekrosen entwickeln.
Ursachen und Ausbreitung
Der Erreger überwintert als Myzel oder Pyknidien in mumifizierten Beeren, befallenen Rachisen und erkrankten Ruten. Bei feuchter Witterung werden Konidien aus den Pyknidien ausgeschleudert. Regen- und Spritzwasser verbreiten sie innerhalb der Rebanlage, besonders vom Boden oder von befallenen Fruchtmumien auf tief hängende Trauben.
Hagel, Beerenplatzer, Insektenfraß und andere Verletzungen fördern die Infektion. Der Pilz kann unter günstigen Bedingungen jedoch auch unverletzte Beeren befallen. Wiederholte feuchte Perioden ermöglichen Sekundärinfektionen während der Vegetation.
Lebenszyklus und Überdauerung
Coniella diplodiella überdauert in befallenen Pflanzenresten mehrere Jahre; Pyknidien können auch nach längerer Bodenlagerung infektiöse Sporen freisetzen. Während feuchter Perioden quellen die Pyknidien auf und geben Konidien ab, die durch Regen, Spritzwasser und Arbeiten in nassen Beständen verschleppt werden.
Die Konidien keimen auf feuchten Beeren und dringen über Wunden, Mikrorisse, den Stielansatz oder teilweise direkt durch die Beerenhaut ein. Nach einigen Tagen entstehen neue Läsionen und anschließend Pyknidien, die als weitere Sporenquelle dienen. Wärme im Bereich von etwa 22 bis 27 °C in Verbindung mit Nässe begünstigt die Entwicklung; konkrete Infektionszeiträume hängen von Sorte, Gewebe und Witterung ab.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits weichfaul gewordene oder stark mit Pyknidien bedeckte Trauben sind nicht heilbar und sollten entfernt werden. Ebenso sollten eindeutig befallene Rachisen und Ruten bis in gesundes Holz zurückgeschnitten und aus der Anlage entfernt werden.
Nach Hagelschäden ist eine engmaschige Kontrolle der Trauben besonders wichtig. Maßnahmen müssen vorbeugend beziehungsweise sehr früh nach der Infektion ansetzen, da fungizide Behandlungen bereits zerstörtes Gewebe nicht regenerieren. Die Auswahl und der Zeitpunkt möglicher Pflanzenschutzmaßnahmen gehören in die Hände einer sachkundigen Beratung und müssen zur Kultur, Zulassungssituation und Befallslage passen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im Haus- und Biogarten stehen Hygiene und Bestandsführung im Vordergrund: Fruchtmumien konsequent abnehmen, befallene Trauben ausschneiden, Schnittgut entfernen oder fachgerecht entsorgen und die Traubenzone trocken und luftig halten.
Eine direkte biologische Behandlung mit sicher belegter, allgemein verfügbarer Wirkung gegen diese spezifische Krankheit ist für den deutschen Gartenbau nicht verlässlich abzuleiten. Nützlingsförderung hilft vor allem indirekt, indem sie verletzende Schaderreger wie bestimmte Insekten begrenzen kann; sie ersetzt jedoch keine Sanierung befallener Trauben.
Vorbeugung
- Befallene Trauben, Beerenmumien und abgeschnittene Ruten vollständig aus der Anlage entfernen; nicht unter den Rebstöcken liegen lassen.
- Nach Hagel oder Starkregen die Trauben zeitnah kontrollieren und verletzte, stark gefährdete Partien hygienisch entfernen.
- Eine luftige, schnell abtrocknende Laubwand durch geeigneten Rebschnitt und maßvolle Laubarbeit fördern.
- Trauben nicht unnötig bodennah führen und Spritzwasser vom Boden auf die Traubenzone vermeiden.
- Werkzeuge bei Arbeiten an kranken und gesunden Reben reinigen und nicht in nassen Beständen arbeiten.
- Bei wiederholtem Auftreten die Diagnose durch eine Fachberatung oder ein pflanzenpathologisches Labor bestätigen lassen.
Wissenswertes
Der Name Weißfäule bezieht sich nicht auf ein weißes Pilzmyzel, sondern auf das grau-weißliche Erscheinungsbild der dicht stehenden Pyknidien und der sich ablösenden Kutikula auf den Beeren. Die Krankheit wird häufig mit Schwarzfäule oder Botrytis verwechselt.
Obwohl Hagel ein klassischer Auslöser ist, können auch Starkregen, Beerenplatzer und andere kleine Verletzungen die Epidemie fördern. Die Entfernung von Fruchtmumien ist deshalb nicht nur eine kosmetische Maßnahme, sondern reduziert eine wichtige Quelle für Primär- und Sekundärinfektionen.
Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für Weinreben und die konkrete Indikation beziehungsweise Krankheit aktuell zugelassen sind. Beachten Sie stets das amtliche Zulassungsregister, die Gebrauchsanweisung, Wartezeiten, Anwendungsbedingungen und die gesetzlichen Vorgaben. Nicht zugelassene Hausmittel oder eine pauschale Botrytis- beziehungsweise Peronospora-Behandlung sind keine verlässliche Empfehlung gegen Coniella diplodiella.