
Mucor-Köpfchenschimmel an Früchten
Mucor piriformisMucor-Köpfchenschimmel an Früchten – Kurzüberblick
Mucor piriformis verursacht vor allem nach der Ernte eine schnell fortschreitende Weich- und Nassfäule an Äpfeln, Birnen, Steinobst und Erdbeeren. Die Infektion erfolgt meist über Ernte-, Druck- oder Fraßverletzungen. Typisch sind glasig-braune, weich werdende Früchte, Saftaustritt, säuerlicher Geruch und später ein weißer Schimmelrasen mit kleinen dunklen Sporangien.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Mucor-Köpfchenschimmel verursacht eine rasch fortschreitende Weich- beziehungsweise Nassfäule. Im deutschen Obstbau ist die Krankheit vor allem an Äpfeln und Birnen als Lagerfäule bekannt, kann aber auch Erdbeeren, Pfirsiche, Nektarinen, Pflaumen, Süßkirschen, Tomaten und weitere saftreiche Früchte befallen.
Der Pilz ist von anderen Schimmelpilzen nicht allein anhand des äußeren Erscheinungsbilds sicher zu unterscheiden. Die Diagnose sollte deshalb bei wirtschaftlich relevanten oder ungewöhnlichen Lagerproblemen durch eine pflanzenbauliche oder mykologische Untersuchung abgesichert werden.
Symptome und Erkennung
- Zunächst entstehen glasige, hell- bis dunkelbraune, sehr weiche Stellen, häufig an der Stielgrube, am Kelchbereich oder an Druck- und Ernteverletzungen.
- Das Fruchtfleisch wird wässrig und zerfällt; bei fortgeschrittener Fäule tritt Saft aus und die Schale kann aufplatzen.
- Betroffene Früchte können durch Gärungs- und Zersetzungsprozesse aufgebläht wirken und einen säuerlich-süßlichen Geruch entwickeln.
- Später bildet sich ein dichter, weißer bis grauweißer, watteartiger Schimmelrasen mit kleinen dunklen, kugeligen Sporangien, die wie schwarze Köpfchen erscheinen.
- Auslaufender Saft und direkter Kontakt können benachbarte Früchte verunreinigen und infizieren.
Ursachen und Ausbreitung
Mucor piriformis lebt überwiegend im Boden, an abgestorbenem Pflanzenmaterial und an verschmutzten Erntebehältern. Sporen gelangen mit Erde, Fallobst, Kisten und Geräten in Ernte- und Sortieranlagen. Die Infektion erfolgt meist durch kleinste Verletzungen, Druckstellen, Risse, Fraßstellen oder beschädigte Stiel- und Kelchbereiche.
Regen, nasse Erntebedingungen, Insekten, Vögel, auslaufender Fruchtsaft und direkter Kontakt fördern die Verschleppung. Eine starke Luftverbreitung wie bei manchen anderen Schimmelpilzen steht bei dieser Krankheit nicht im Vordergrund. Überreife Früchte und unsanfte Behandlung erhöhen das Risiko deutlich.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Erreger überdauert als Sporen und Myzel in Boden, Pflanzenresten, Fallobst und kontaminierten Kisten. Unter feuchten Bedingungen keimen die Sporen auf verletztem Fruchtgewebe. Das Pilzmyzel besiedelt das Fruchtfleisch und setzt Zellwand abbauende Enzyme frei, wodurch das Gewebe schnell verflüssigt wird.
Auf der Oberfläche bildet der Pilz Sporangiophoren mit Sporangien. Die darin entstehenden Sporangiosporen werden durch Kontakt, Flüssigkeit, Arbeitsabläufe und verschmutzte Materialien verbreitet. Mucor piriformis kann auch bei niedrigen Lagertemperaturen wachsen und sporulieren; Kühlung allein stoppt die Krankheit daher nicht zuverlässig.
Behandlung und Bekämpfung
Bereits weichfaul gewordene Früchte sind nicht heilbar und sollten sofort aus dem Bestand beziehungsweise Lager entfernt werden. Dabei sind austretender Saft, benachbarte Früchte und Kontaktflächen möglichst nicht zu verschmieren.
Bei einem Befall im Lager sollten Partien kontrolliert, befallene Früchte ausgesondert und Kisten sowie Kontaktflächen gereinigt werden. Die Lagerbedingungen sind auf möglichst geringe Oberflächenfeuchte, gute Luftbewegung und eine für die jeweilige Obstart geeignete schnelle Kühlung auszurichten. Eine Temperaturabsenkung verlangsamt den Verderb, beseitigt den Erreger jedoch nicht sicher.
Im Freiland sind Hygiene, schonende Ernte, Entfernung reifer beziehungsweise fauler Früchte und die Vermeidung von Verletzungen die wichtigsten Maßnahmen. Bei wiederkehrenden Verlusten ist eine Ursachenanalyse mit Prüfung von Erntezeitpunkt, Kistenhygiene, Sortierung und Kühlkette sinnvoll.
Schonende und biologische Bekämpfung
Für den ökologischen und hausgärtnerischen Anbau stehen vor allem vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: saubere Mehrwegkisten, regelmäßiges Auslesen, Entfernung von Fallobst, trockene Ernte, geringe Fallhöhe beim Umschlag und rasches Kühlen empfindlicher Früchte.
Biologische Präparate können je nach Kultur, Anwendungsbereich und Zulassungsstatus unterschiedlich bewertet werden. Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn sie in Deutschland für die betreffende Kultur und Indikation zugelassen beziehungsweise nach den geltenden Öko-Regeln zulässig sind. Sie ersetzen keine konsequente Hygiene.
Vorbeugung
- Früchte möglichst trocken und zum geeigneten Reifezeitpunkt ernten; unnötig späte Ernte und überreife Partien vermeiden.
- Beim Pflücken, Transport und Sortieren Druckstellen, Risse und Stielverletzungen minimieren.
- Fallobst, stark faule Früchte und Pflanzenreste regelmäßig aus Anlage, Erntebereich und Lager entfernen.
- Kisten, Fördertechnik, Sortiertische, Erntewerkzeuge und Kühlräume gründlich reinigen und nach betrieblichem Hygieneplan desinfizieren.
- Keine sichtbar faulen Früchte mit gesunden Partien zusammen lagern; beschädigte Ware frühzeitig aussortieren.
- Frisch geerntete Erdbeeren und anderes empfindliches Obst rasch vorkühlen, trocken halten und mit ausreichender Luftzirkulation lagern.
- Erde nicht unnötig in Kisten und Packanlagen eintragen; Erntebehälter nicht direkt auf verschmutztem Boden abstellen.
- In Erdbeerbeständen reife Früchte regelmäßig pflücken und Fruchtkontakt mit nassem Boden durch geeignete Kulturführung vermindern.
Wissenswertes
- Der deutsche Name Mucor-Köpfchenschimmel bezieht sich auf die kleinen dunklen Sporangien, die auf dem weißen Schimmelrasen wie Köpfchen erscheinen.
- Die Krankheit kann äußerlich einer Penicillium- oder Botrytisfäule ähneln; die sehr wässrige Verflüssigung und das schnelle Aufplatzen der Frucht sind jedoch wichtige Hinweise.
- Mucor piriformis kann auch bei niedrigen Temperaturen weiterwachsen und ist deshalb insbesondere für Kühllager von Äpfeln und Birnen relevant.
- Die Artabgrenzung innerhalb der Mucor-Gruppe ist molekular und morphologisch nicht immer einfach; eine sichere Bestimmung sollte bei Bedarf labordiagnostisch erfolgen.
- Bei Steinobst können Fruchtfliegen und Nitiduliden zur Verschleppung zwischen verletzten Früchten beitragen.
Für Mucor piriformis ist keine pauschale, kulturübergreifende Fungizidempfehlung angezeigt; die Wirkung von Nacherntefungiziden ist zudem häufig unzureichend. In Deutschland ausschließlich Produkte verwenden, die für die konkrete Kultur und das konkrete Schadproblem aktuell gesetzlich zugelassen sind, und die jeweils gültige Gebrauchsanleitung, Wartezeit, Aufwandmenge sowie Anwendungsauflagen strikt einhalten. Zulassungen und Indikationen können sich ändern; maßgeblich ist das amtliche deutsche Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis.