Kraut- und Braunfäule durch Phytophthora infestans
Krankheit

Kraut- und Braunfäule durch Phytophthora infestans

Phytophthora infestans
Kurzüberblick

Kraut- und Braunfäule durch Phytophthora infestans – Kurzüberblick

Phytophthora infestans verursacht an Kartoffeln die Kraut- und Knollenfäule und an Tomaten meist die Kraut- und Braunfäule. Die wasserliebende Oomycete breitet sich bei kühler, feuchter Witterung besonders schnell aus. Typisch sind unregelmäßige graugrüne bis dunkelbraune Blattflecken, weißlicher Sporenrasen bei hoher Luftfeuchte sowie Fäulen an Tomatenfrüchten und Kartoffelknollen.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattstiele, Stängel und Früchte von Tomaten; zusätzlich Kartoffelknollen und Kartoffellaub.
Begünstigende BedingungenKühle bis mäßig warme, anhaltend feuchte Witterung, lange Blattnässe, Regen, Tau, hohe Luftfeuchte, dichter Bestand und schlechte Luftzirkulation. Trockene, heiße Perioden hemmen die Ausbreitung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Krankheit befällt vor allem Kartoffeln (Solanum tuberosum) und Tomaten (Solanum lycopersicum). An Kartoffeln können neben Blättern, Blattstielen und Stängeln auch die Knollen erkranken. Bei Tomaten sind zusätzlich die Früchte gefährdet.

Erste Symptome werden in Deutschland häufig ab dem Frühsommer sichtbar, besonders nach längeren Regenperioden, Taubildung oder dichter Bestandsentwicklung. Bei trockener Witterung wird die Ausbreitung stark gebremst, der Erreger kann sich bei erneut feuchten Bedingungen jedoch wieder aktivieren.

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Symptome und Erkennung

  • Kartoffelblätter: große, unregelmäßige graugrüne, olivbraune bis dunkelbraune Flecken, die nicht durch größere Blattadern begrenzt werden.
  • Blattunterseiten: bei hoher Luftfeuchte ein feiner weißgrauer Sporenrasen am Rand frischer Läsionen.
  • Stängel und Blattstiele: feste, dunkelbraune, längliche Befallsstellen; das Laub kann innerhalb weniger Tage zusammenbrechen.
  • Kartoffelknollen: äußerlich graubraune, leicht eingesunkene Flecken; im Anschnitt trocken-rötlichbraune bis braune Verfärbungen. Sekundäre Bakterien können anschließend Nassfäulen verursachen.
  • Tomatenfrüchte: feste, unregelmäßige oder kreisförmige dunkelbraune Flecken, häufig im oberen Fruchtbereich; später können die Stellen durch Sekundärerreger weichfaulen.

Eine sichere Diagnose sollte ähnliche Blattfleckenkrankheiten, Sonnenbrand, Frostschäden und bakterielle Fäulen berücksichtigen.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger wird überwiegend durch Sporangien verbreitet, die mit Wind, Spritzwasser, Regen und anhaftender Feuchtigkeit auf benachbarte Pflanzen gelangen. Bei kühler, nasser Witterung können Sporangien direkt keimen oder bewegliche Zoosporen freisetzen. Die Infektion erfolgt vor allem über lange Blattnässe, Spaltöffnungen, Wunden und natürliche Öffnungen.

Wichtige Ausgangsquellen sind befallenes Pflanzgut, nicht beseitigte Kartoffelknollen, Ausfallkartoffeln, kranke Pflanzenreste und infizierte Jungpflanzen. Kompostieren von erkranktem Kartoffel- oder Tomatenmaterial ist im Hausgarten keine verlässliche Hygienemaßnahme. Windverfrachtete Sporen können außerdem aus benachbarten Beständen einfliegen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Phytophthora infestans wächst zunächst im lebenden Pflanzengewebe. Nach der Besiedlung entstehen bei hoher Luftfeuchte neue Sporangienträger auf den Läsionen. Diese Sporangien werden durch Luftbewegung und Regentropfen verbreitet und leiten weitere Infektionszyklen ein. Unter günstigen Bedingungen können sich mehrere Zyklen innerhalb von etwa zwei Wochen entwickeln.

Die Überdauerung erfolgt regional und anbausystemabhängig vor allem in infizierten Kartoffelknollen, Ausfallkartoffeln und Pflanzenmaterial. Knollen können während der Vegetation, bei der Ernte oder während der Lagerung infiziert werden. Die Bedeutung sexueller Überdauerungsstrukturen ist populations- und regionsabhängig; für den Hausgarten sollte deshalb insbesondere die Entfernung infizierter Knollen und Pflanzenreste im Vordergrund stehen.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei ersten verdächtigen Symptomen sollten befallene Tomatenblätter und stark erkrankte Triebe entfernt werden, sofern dadurch nicht große Mengen Sporen auf gesunde Pflanzen verteilt werden. Stark befallene Tomatenpflanzen sind meist besser vollständig zu entfernen. Bei Kartoffeln kann ein früher, sachgerecht durchgeführter Krautrückschnitt oder die Entfernung des Laubes den Knollenschutz verbessern; das Schnittgut darf nicht im Bestand liegen bleiben.

Erkrankte Kartoffelknollen aussortieren und nicht als Pflanzgut verwenden. Lagerbestände regelmäßig kontrollieren und faulende Knollen sofort entfernen. Bei wiederkehrendem Befall sind Fruchtfolge, Regenschutz, gute Bestandsdurchlüftung und die Wahl weniger anfälliger Sorten wichtiger als eine nachträgliche Behandlung stark erkrankter Pflanzen.

Im Erwerbsanbau und bei größeren Beständen sollte die Behandlung an regionale Warndienste, Witterungsdaten und zugelassene Prognosemodelle angepasst werden. Pflanzenschutzmittel wirken bei starkem Befall nur begrenzt; vorbeugende Anwendungen sind grundsätzlich wirksamer als eine verspätete Bekämpfung.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende Kulturmaßnahmen im Mittelpunkt: gesundes Pflanzgut, weite und luftige Bestände, Regenschutz bei Tomaten, bodennahe Bewässerung, konsequente Bestandskontrolle und das Entfernen von Ausfallkartoffeln. Kupferhaltige Präparate werden im ökologischen Kartoffelanbau teils eingesetzt, sind jedoch kein Ersatz für Hygiene und Bestandsführung und können Bodenorganismen belasten.

Für Hausgärten sind geprüfte biologische oder pflanzenstärkende Produkte nicht pauschal als ausreichend wirksam gegen Phytophthora infestans einzustufen. Nur Produkte mit nachgewiesener, zur Kultur passender Zulassung beziehungsweise Genehmigung und klarer Anwendungsempfehlung verwenden.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, zertifiziertes Kartoffelpflanzgut und gesunde Tomatenjungpflanzen verwenden.
  • Kartoffeln und Tomaten nicht in dichtem, schlecht abtrocknendem Bestand kultivieren; ausreichende Pflanzabstände einhalten.
  • Tomaten möglichst unter einem gut belüfteten Regendach anbauen und nicht über das Laub bewässern.
  • Beim Gießen den Boden direkt benetzen, vorzugsweise morgens; unnötige Blattnässe vermeiden.
  • Kartoffeln und Tomaten räumlich möglichst trennen und Pflanzen regelmäßig kontrollieren, besonders ab Juni sowie nach Regenperioden.
  • Befallene Blätter und Pflanzen zügig entfernen und nicht auf den Hauskompost geben. Ausfallkartoffeln, kranke Früchte und Knollen vollständig beseitigen.
  • Kartoffelknollen vor der Einlagerung sorgfältig sortieren, verletzungsarm roden und trocken sowie luftig abtrocknen lassen.
  • Weniger anfällige Sorten können das Risiko reduzieren, bieten aber auch bei günstigen Infektionsbedingungen keinen vollständigen Schutz.
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Wissenswertes

  • Phytophthora infestans gehört zu den Oomyceten und ist taxonomisch nicht mit den typischen echten Pilzen gleichzusetzen.
  • Die Krankheit war maßgeblich für die historische Kartoffelmisere in Irland in den 1840er-Jahren.
  • Der Erreger kann unter feuchten Bedingungen sehr große Mengen an Sporen bilden, wodurch sich einzelne Läsionen rasch zu einem Bestandsproblem entwickeln.
  • Viele Erregerlinien können sowohl Kartoffeln als auch Tomaten befallen; die Wirtsspezifität einzelner Linien kann jedoch variieren.
  • Petunien können insbesondere unter Gewächshausbedingungen infiziert werden, sind für den deutschen Hausgarten jedoch kein gleichwertiger Hauptwirt wie Kartoffel oder Tomate.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die für die konkrete Kultur und die konkrete Zweckbestimmung aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Prüfen Sie vor jeder Anwendung das amtliche BVL-Pflanzenschutzmittelverzeichnis sowie das aktuelle Etikett; beachten Sie Aufwandmenge, Wartezeit, maximale Behandlungszahl, Abstände zu Gewässern, Anwenderschutz und sonstige Auflagen. Keine Mittel aus anderen Ländern übernehmen und keine nicht etikettgerechten Mischungen oder Anwendungen durchführen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

4 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.