Erdbeermilbe
Schädling

Erdbeermilbe

Phytonemus pallidus (Banks)
Kurzüberblick

Erdbeermilbe – Kurzüberblick

Die Erdbeermilbe (Phytonemus pallidus) ist eine kaum sichtbare Weichhautmilbe, die vor allem junge, noch eingerollte Blätter und Blütenanlagen befällt. Typisch sind gekräuselte, verdickte Herzblätter, gehemmtes Wachstum und deformierte Blüten. Bei starkem Befall bleiben Erdbeerpflanzen klein und fruchten nur schwach oder gar nicht. Befallene Jungpflanzen sind eine wichtige Einschleppungsquelle.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileJunge Herzblätter, Blattscheiden, Blattstielbasen, Kronenbereich, Blütenknospen und Blüten; später auch Früchte durch gestörtes Pflanzenwachstum.
Begünstigende BedingungenWarme, feuchte und wenig durchlüftete Bestände; dichter Pflanzenstand, langsam entfaltende Herzblätter, geschützter Gewächshausanbau und die Verwendung bereits befallener Jungpflanzen.
Pflanzendoktor

Überblick

Phytonemus pallidus wird im Gartenbau häufig als Erdbeermilbe bezeichnet; ältere Literatur und Zulassungsunterlagen führen teils die Kombination Steneotarsonemus pallidus oder die Form P. pallidus fragariae. Die Tiere sind etwa 0,2–0,25 mm lang und mit bloßem Auge praktisch nicht zu erkennen. Sie sitzen geschützt zwischen jungen Blättern und Blatthaaren im Pflanzenherz.

Das Schadbild entsteht durch Saugen an sich entwickelndem Gewebe. Symptome werden oft erst sichtbar, wenn die zuvor geschädigten Blätter entfaltet sind. Deshalb sollte die Diagnose bei Verdacht mit einer mindestens 20-fachen Lupe oder durch eine Untersuchung im Labor abgesichert werden.

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Symptome und Erkennung

  • Herzblätter bleiben klein, entfalten sich verzögert, sind verdickt, stark gekräuselt oder verformt.
  • Blattstiele verlängern sich kaum; die Pflanze wirkt kompakt, rosettig oder insgesamt verkümmert.
  • Blattränder können sich unregelmäßig falten, die Blattadern treten wulstig hervor; bei starkem Befall entstehen Nekrosen.
  • Blütenknospen und Blüten werden deformiert, vertrocknen oder brechen ab. Erdbeeren bleiben klein, trocken oder setzen kaum Früchte an.
  • Bei Zierpflanzen zeigen sich ebenfalls verkrüppelter Austrieb, kurze Internodien und deformierte Blüten.

Eine Verwechslung mit Breitmilben, Spinnmilben, Viruskrankheiten oder Wachstumsstörungen ist möglich. Fehlende Gespinste und die Konzentration des Befalls im jungen Pflanzenherz sprechen eher gegen Spinnmilben.

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Ursachen und Ausbreitung

Die Milben werden überwiegend mit befallenem Pflanzgut, Ausläufern und Jungpflanzen eingeschleppt. Innerhalb des Bestands erfolgt die Verschleppung durch Hände, Kleidung, Ernte- und Kulturarbeiten, Geräte sowie durch engen Pflanzenkontakt. Auch Tiere und bewegtes Pflanzenmaterial können zur Verbreitung beitragen.

Da die Tiere in gefalteten Blättern und Kronen verborgen leben, werden einzelne Befallsherde leicht übersehen. Befallene Pflanzen können deshalb über mehrere Sätze oder Vermehrungszyklen als Ausgangspunkt dienen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Weibchen überwintern geschützt in der Pflanzenkrone, zwischen zusammengefalteten Blättern oder an der Basis der Blattstiele. Mit dem Austrieb im Frühjahr beginnen sie erneut mit der Eiablage. Der Entwicklungszyklus umfasst Ei, Larve, Ruhestadium und Adulttier.

Unter warmen, feuchten Bedingungen kann eine Generation in ungefähr zwei bis drei Wochen abgeschlossen sein; dadurch baut sich die Population rasch auf. In deutschen Erdbeerbeständen ist eine Zunahme besonders während der warmen, häufig feuchten Sommermonate möglich. Die genaue Generationszahl hängt von Temperatur, Luftfeuchte, Kulturführung und Wirtspflanze ab.

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Behandlung und Bekämpfung

Einzelne befallene Pflanzen im Hausgarten am besten vollständig ausgraben und über den Restmüll entsorgen; nicht kompostieren und keine Ausläufer davon bewurzeln. Bei größeren Beständen sollten verdächtige Pflanzen markiert, getrennt bearbeitet und durch eine Lupe oder ein Labor bestätigt werden.

Im Erwerbsanbau ist der Bekämpfungstermin entscheidend, weil die Milben tief im Pflanzenherz sitzen und schlecht benetzt werden. Maßnahmen müssen daher am Entwicklungsstadium der Kultur, am Befallsbeginn und an der Zulassungssituation ausgerichtet werden. Eine integrierte Strategie aus sauberem Pflanzgut, Befallsherd-Entfernung, Bestandsüberwachung und – falls erforderlich – einer zugelassenen Behandlung ist wirksamer als wiederholte unspezifische Spritzungen.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Die wichtigste nichtchemische Maßnahme ist die konsequente Verwendung milbenfreier Jungpflanzen und die Entfernung stark befallener Pflanzen. In der professionellen Vermehrung können geeignete Raubmilben aus der Familie Phytoseiidae vorbeugend oder frühzeitig eingesetzt werden; ihre Wirksamkeit hängt von Art, Freisetzungszeitpunkt, Temperatur, Luftfeuchte und Pflanzenschutzmittelverträglichkeit ab.

Bei Erdbeerjungpflanzen wurden außerdem Wärme- beziehungsweise Heißwasserverfahren und belüftete Dampfbehandlungen untersucht. Diese Verfahren sind jedoch temperatur- und kulturabhängig, können Pflanzen schädigen und sollten nur nach einem für das konkrete Pflanzgut validierten Fachverfahren angewendet werden.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, kontrolliertes und möglichst zertifiziertes Pflanzgut aus vertrauenswürdiger Vermehrung verwenden.
  • Neue Erdbeersätze nicht unmittelbar neben auffälligen oder ungeklärten Beständen anlegen.
  • Jungpflanzen und Kronen vor dem Pflanzen kontrollieren; bei Verdacht getrennt aufstellen und untersuchen lassen.
  • Befallene Pflanzen einschließlich stark befallener Ausläufer frühzeitig entfernen und nicht zur Vermehrung verwenden.
  • Werkzeuge, Kisten und Hände zwischen Partien reinigen; unnötiges Berühren von Pflanzenherzen vermeiden.
  • Bestände luftig führen und übermäßige Blattnässe sowie dauerhaft hohe Luftfeuchte im Gewächshaus vermeiden.
  • Im Frühjahr und nach der Ernte regelmäßig das Pflanzenherz kontrollieren, da sichtbare Symptome verzögert auftreten können.
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Wissenswertes

  • Die Erdbeermilbe ist so klein, dass eine sichere Sichtkontrolle meist erst mit mindestens 20-facher Vergrößerung gelingt.
  • Das Schadbild wird häufig erst sichtbar, nachdem die geschädigten Blätter aus dem Pflanzenherz herausgewachsen sind.
  • Unter günstigen Bedingungen kann sich eine Generation in weniger als drei Wochen entwickeln.
  • Die Milbe ist nicht auf Erdbeeren beschränkt: Dokumentiert sind auch zahlreiche Zierpflanzen, besonders unter geschützten Kulturbedingungen.
  • Die Bezeichnungen und die taxonomische Einordnung der Erdbeerform sind in älteren Quellen nicht vollständig einheitlich; für die praktische Diagnose bleibt Phytonemus pallidus die zentrale Bezeichnung.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur, den Schaderreger und den vorgesehenen Anwendungsbereich aktuell zugelassen oder genehmigt sind. Vor jeder Anwendung die aktuelle Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das verbindliche Etikett und alle Auflagen prüfen. Keine Produkte aus anderen Ländern, alte Empfehlungen oder nicht für Erdbeeren beziehungsweise Zierpflanzen zugelassene Mittel einsetzen. Behandlungen gegen versteckt sitzende Milben bergen zudem Risiken für Nützlinge; Resistenzmanagement und integrierter Pflanzenschutz sind zu beachten.