Zitrusschmierlaus
Planococcus citri (Risso)Zitrusschmierlaus – Kurzüberblick
Die Zitrusschmierlaus (Planococcus citri) ist eine weit verbreitete Schmierlaus an Zitruspflanzen, vielen Zimmerpflanzen und Gewächshauskulturen. Die Weibchen sitzen bevorzugt in Blattachseln, an Trieben, Früchten oder unter Kelchblättern und scheiden Honigtau aus. Dadurch entstehen klebrige Beläge und Rußtau; bei starkem Befall vergilben, verkrüppeln oder verkümmern Pflanzenteile.
Typische Bedingungen
Überblick
Planococcus citri gehört zu den Schmierläusen und befällt zahlreiche Zier-, Obst- und Gewächshauspflanzen. Typisch sind weichhäutige, rosa bis gelbliche Tiere, die von weißem, mehlartigem Wachs bedeckt sind. Weibchen und Nymphen sitzen an geschützten Stellen wie Blattachseln, Triebgabeln, Blattunterseiten, Fruchtständen und unter dem Kelch von Citrusfrüchten.
Die Art ist in Europa insbesondere bei warmen Bedingungen problematisch. An deutschen Citrus-Kübelpflanzen kann sie sich während der warmen Jahreszeit oder in beheizten Innenräumen und Gewächshäusern vermehren.
Symptome und Erkennung
- Weiße, watte- oder mehlartige Beläge an Blattachseln, Trieben, Früchten und Wurzeln.
- Klebriger Honigtau auf Blättern und darunterliegenden Pflanzenteilen.
- Schwarzer Rußtau, der sich auf Honigtauflächen ansiedelt und die Blattoberfläche verschmutzt.
- Vergilbung, Blattfall, gehemmtes Wachstum sowie verkrüppelte junge Triebe oder Früchte bei stärkerem Befall.
- Bei Wurzelbefall: kümmerlicher Wuchs, Welke trotz ausreichender Bodenfeuchte und weißliche Wachsnester am Wurzelballen.
Einzelne Tiere können leicht mit anderen Schmierläusen verwechselt werden. Für eine belastbare Diagnose sollten Körperform, Wachsfäden, Fundort und gegebenenfalls eine fachliche Bestimmung zusammen betrachtet werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Zitrusschmierlaus wird meist mit befallenen Pflanzen, Stecklingen, Töpfen oder Pflanzmaterial eingeschleppt. Junge Nymphen können sich über kurze Distanzen bewegen; Weibchen kriechen auf benachbarte Pflanzen. Dicht stehende Bestände, Blattkontakt und warme, geschützte Bedingungen erleichtern die Ausbreitung.
Ameisen können Schmierläuse fördern, indem sie Honigtau aufnehmen und die Tiere gegenüber natürlichen Feinden schützen. Übermäßige Stickstoffversorgung und weiches, mastiges Wachstum können die Attraktivität der Pflanze für saugende Schädlinge erhöhen, sind aber keine alleinige Ursache.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Weibchen legen typischerweise mehrere hundert Eier in einem watteartigen, weißen Eipaket ab. Nach dem Schlupf breiten sich die mobilen Junglarven, auch Crawler genannt, auf der Pflanze aus. Danach folgen mehrere Nymphenstadien. Aus einem Teil der Puppenstadien entstehen kleine, geflügelte Männchen; die Weibchen bleiben flügellos und behalten die typische weichhäutige Form.
Unter warmen Bedingungen kann eine Generation ungefähr sechs bis zehn Wochen benötigen; Temperatur, Luftfeuchte, Wirtspflanze und Ernährungszustand beeinflussen die Dauer deutlich. In beheizten Räumen sind daher mehrere überlappende Generationen möglich.
Behandlung und Bekämpfung
Frühen Befall zunächst mechanisch reduzieren: Einzelne Tiere und Eipakete mit einem feuchten Wattestäbchen oder weichen Pinsel entfernen. Stark befallene Triebspitzen, Blätter oder Fruchtstände können zurückgeschnitten und im Hausmüll entsorgt werden. Anschließend die Pflanze mit einem kräftigen, aber pflanzenschonenden Wasserstrahl abbrausen und nach einigen Tagen erneut kontrollieren.
Bei Wurzelbefall den Wurzelballen vorsichtig prüfen, befallene Erde entfernen und den Topf gründlich reinigen. Eine Umtopfung beseitigt nicht automatisch alle Tiere; der oberirdische Bestand muss parallel kontrolliert werden. Wiederholte Nachkontrollen sind entscheidend, weil Eipakete und versteckte Tiere leicht übersehen werden.
Bei größeren Beständen sollte die Art möglichst fachlich bestätigt und ein integriertes Vorgehen mit Monitoring, Hygiene und gegebenenfalls Nützlingseinsatz abgestimmt werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
In Gewächshäusern können geeignete Nützlinge eingesetzt werden, insbesondere der australische Marienkäfer Cryptolaemus montrouzieri gegen verschiedene Stadien sowie parasitoide Schlupfwespen wie Leptomastix dactylopii gegen die Zitrusschmierlaus. Der Erfolg hängt von Temperatur, Befallsstärke, Pflanzenbestand und dem Verzicht auf nützlingsschädigende Behandlungen ab.
Für einzelne Zimmer- oder Kübelpflanzen sind mechanisches Entfernen, Abduschen und die wiederholte Behandlung mit einem für die Pflanze geeigneten Kaliseifen- oder Präparat auf Öl-Basis oft sinnvoller als ein einmaliger, breit wirkender Eingriff. Vor jeder Anwendung an wenigen Blättern testen, empfindliche Blätter und starke Sonne vermeiden und Eipakete sowie versteckte Kolonien weiterhin manuell entfernen.
Biologische Maßnahmen wirken am besten frühzeitig und vorbeugend. Bei starkem Befall, Wurzelbefall oder unklarer Artbestimmung sollte eine Beratung durch Pflanzenschutzdienst, Gartenbau-Fachberatung oder einen Nützlingsanbieter erfolgen.
Vorbeugung
- Neue Pflanzen mindestens zwei bis drei Wochen getrennt von der Sammlung aufstellen und wiederholt kontrollieren, besonders Blattachseln, Triebgabeln, Blattunterseiten und den Topfrand.
- Befallene Pflanzen nicht ohne Prüfung zwischen Wohnraum, Winterquartier und Gewächshaus bewegen.
- Pflanzen mit ausreichendem Abstand kultivieren, abgestorbene Blätter entfernen und Werkzeuge sowie Töpfe sauber halten.
- Überdüngung mit schnell verfügbarem Stickstoff vermeiden und gleichmäßig, pflanzengerecht bewässern.
- Ameisenaufkommen am Topf oder Gewächshausbestand beobachten und die Ursache bekämpfen, ohne die Pflanze mit ungeeigneten Mitteln zu schädigen.
- Bei Citrus im Sommer regelmäßig junge Triebe und Fruchtansätze kontrollieren; vor dem Einräumen ins Winterquartier besonders gründlich prüfen.
Wissenswertes
- Der deutsche Name Zitrusschmierlaus ist gebräuchlich, obwohl Planococcus citri nicht auf Citrus beschränkt ist.
- Die Art wurde weltweit an Pflanzen aus zahlreichen Familien nachgewiesen; die praktische Bedeutung hängt jedoch stark von Kultur, Klima und Haltung ab.
- Honigtau ist nicht nur ein klebriger Belag: Er bildet die Grundlage für Rußtaupilze, die die Lichtaufnahme der Blätter beeinträchtigen können.
- Die flügellosen Weibchen werden meist durch Pflanzenkontakt, Menschen oder Pflanzenhandel verbreitet, während nur die Männchen geflügelt sind.
- Eine weiße, wollige Larve eines Marienkäfers kann einer Schmierlaus ähneln; insbesondere Cryptolaemus-Larven sind jedoch deutlich größer und wichtige natürliche Gegenspieler.
Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und das betreffende Problem rechtlich zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Zulassung und das amtliche Etikett beziehungsweise die Gebrauchsanweisung; Aufwandmenge, Anwendungszahl, Wartezeit, Anwenderschutz und Auflagen sind genau einzuhalten. Keine Mittel allein aufgrund einer Empfehlung für eine andere Kultur oder ein anderes Land einsetzen. Spritzungen können Nützlinge schädigen und sollten deshalb nur als begründete, integrierte Maßnahme erfolgen.
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