Wanderspornzikade
Laodelphax striatellus (Fallén, 1826)Wanderspornzikade – Kurzüberblick
Die Wanderspornzikade (Laodelphax striatellus) ist eine kleine Spornzikade der Süßgräser und in Deutschland verbreitet. Einzelne Saugstellen bleiben meist unauffällig; größere Bestände können jedoch Getreide schwächen. Besonders bedeutsam ist die Art in Regionen, in denen sie Viren von Reis, Mais oder Getreide übertragen kann. Eine sichere Diagnose erfordert die Bestimmung des Insekts und gegebenenfalls einen Virusnachweis.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Wanderspornzikade ist eine etwa 4,4 bis 4,8 mm große Spitzkopfzikade aus der Familie der Spornzikaden. Sie besitzt helle bis dunkelbraune Flügel- und Körperzeichnungen; langflügelige Tiere können sich ausbreiten, kurzflügelige Formen bleiben stärker am Entwicklungsstandort.
In Deutschland ist die Art heimisch beziehungsweise als Archaeobiota etabliert und verbreitet. Für den praktischen Pflanzenschutz ist zu unterscheiden zwischen den meist begrenzten direkten Saugschäden und den potenziell erheblich wichtigeren Virusübertragungen. Nicht jede gefundene Wanderspornzikade trägt ein Virus, und die relevanten Virus-Wirt-Komplexe sind regional unterschiedlich.
Symptome und Erkennung
Bei direkter Saugtätigkeit zeigen Pflanzen zunächst punktuelle Aufhellungen, nach stärkerem Befall Vergilbung, Welke und Wachstumshemmung. Starker Befall kann zu braunen, eintrocknenden Blättern und sogenanntem Hopperburn führen; Honigtau und darauf wachsender Rußtau sind möglich, aber nicht typisch für jeden Befall.
Virusbedingte Symptome variieren nach Virus und Wirt. Beschrieben sind blasse oder gelbliche Streifen, Blattverfärbungen, Welke, Zwergwuchs, übermäßige Bestockung und verkümmerte Ähren, Rispen oder Kolben. Bei Mais können bestimmte Virusinfektionen ausgeprägten Zwergwuchs und raue, warzenartige Auswüchse an Blattunterseiten oder Blattscheiden verursachen. Diese Symptome sind nicht allein durch die Zikade beweisend.
Zur Abgrenzung von Nährstoffmangel, Trockenstress, Getreideverzwergungsviren und anderen Zikaden sollten Tiere mit einer Lupe oder einem geeigneten Bestimmungsschlüssel geprüft und bei wirtschaftlich relevantem Verdacht Pflanzenproben labordiagnostisch untersucht werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt durch Zuwanderung langflügeliger Tiere, durch lokale Vermehrung in Getreide- und Grasbeständen sowie durch das Überdauern von Nymphen in Stoppeln, Feldrändern und Unkrautbeständen. Virusausbreitung wird zusätzlich gefördert, wenn infizierte Wintergetreide- oder Grasbestände zeitlich eng auf empfindliche Jungbestände folgen.
Besonders kritisch sind junge Pflanzen, dichte Grasbestände, milde Winter und warme Frühjahrsperioden. Der Nachweis der Zikade allein belegt jedoch weder eine Virusinfektion noch einen wirtschaftlich relevanten Befall.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Art überwintert in Mitteleuropa überwiegend als Diapause-Nymphe, meist in älteren Grasbeständen, an Feldrändern, in Stoppelresten oder zwischen Unkräutern. Im Frühjahr setzt die Entwicklung bei steigenden Temperaturen wieder ein. Nach der Häutung erscheinen zunächst lang- oder kurzflügelige Erwachsene, die frühe Wirtspflanzen wie Weizen, Hafer oder andere Süßgräser besiedeln können.
In gemäßigten Regionen sind gewöhnlich zwei Generationen möglich; die tatsächliche Zahl hängt von Temperatur, Vegetationsdauer und Standort ab. Eier werden in Pflanzengewebe abgelegt. Nymphen und Erwachsene saugen am Phloem. Virusübertragungen können erfolgen, wenn die Tiere zuvor an infizierten Pflanzen aufgenommen haben und anschließend empfängliche junge Pflanzen anstechen. Bei mehreren bekannten Viruskomplexen sind frühe Entwicklungsstadien der Kultur besonders gefährdet.
Behandlung und Bekämpfung
Bei geringem Befall genügt meist die Beobachtung. Werden viele Nymphen oder Erwachsene in einem empfindlichen Jungbestand gefunden, sollten zunächst Feldränder, Ausfallgetreide und angrenzende Grasbestände als mögliche Quellen geprüft und kulturtechnisch reguliert werden. Virusinfizierte Pflanzen können nicht kurativ geheilt werden; sie sind möglichst früh zu entfernen, damit sie nicht als Infektionsquelle dienen.
Eine chemische Maßnahme ist nur nach fachlicher Befallseinschätzung und unter Beachtung der deutschen Zulassungssituation zu erwägen. Da Zikaden schwer sicher von ähnlichen Arten zu unterscheiden sind und die Virusübertragung nicht aus dem bloßen Auftreten folgt, sollte eine Behandlung nicht schematisch erfolgen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine vollständig biologische Tilgung ist im Freiland meist nicht realistisch. Ziel des integrierten Pflanzenschutzes ist deshalb, die Populationsentwicklung und die Virusquelle zu begrenzen:
- Bestände regelmäßig kontrollieren, besonders junge Getreide-, Mais- und Reisbestände sowie Feldränder.
- Ausfallgetreide, freiwillig auflaufende Wirtspflanzen und stark besiedelte Grasunkräuter im Rahmen guter Feldhygiene beseitigen, ohne unnötig wertvolle Randbiotope zu zerstören.
- Blühende und strukturreiche Randbereiche erhalten, sofern sie nicht unmittelbar als starke Überwinterungs- oder Virusquelle dienen; sie fördern Spinnen, Laufkäfer und weitere Gegenspieler.
- Bei Reis- oder Spezialkulturen können physische Barrieren wie Insektenschutznetze für empfindliche Jungpflanzen sinnvoll sein.
- Keine breit wirkenden Anwendungen ohne Schwellenüberschreitung, da sie natürliche Gegenspieler beeinträchtigen und die Zikadenkontrolle langfristig erschweren können.
Vorbeugung
Vorbeugend sollten Fruchtfolge, Feldhygiene und eine gute Bestandsentwicklung kombiniert werden. Ausfallgetreide und stark besiedelte Grasbrücken zwischen Vorjahres- und Folgekultur sind frühzeitig zu beobachten und bei Bedarf zu regulieren. Saat- und Pflanztermine können regional so gewählt werden, dass besonders empfindliche Jungpflanzen nicht mit einem erwarteten Aktivitätsmaximum zusammentreffen; solche Maßnahmen müssen an Kultur, Region und Viruslage angepasst werden.
Vermeiden Sie unnötig dichte, schlecht entwickelte Bestände und kontrollieren Sie Feldränder, Stoppelbereiche sowie überwinternde Gräser. Bei Verdacht auf eine Virose befallene Pflanzen entfernen beziehungsweise getrennt entsorgen und nicht als Pflanzmaterial weiterverwenden. Für eine belastbare Entscheidung sind Bestandserfassung, Insektenbestimmung und gegebenenfalls Virusdiagnostik wichtiger als eine pauschale Spritzung.
Wissenswertes
- Die Wanderspornzikade gehört in Deutschland zur heimischen, häufigen Zikadenfauna und ist nicht automatisch ein behandlungsbedürftiger Schädling.
- Die Art kann langflügelige Wanderformen ausbilden und dadurch neue Gras- und Getreidebestände erreichen.
- Ihr wirtschaftliches Risiko entsteht häufig eher durch die mögliche Virusübertragung als durch die reine Saugtätigkeit.
- Als dokumentierte Wirte beziehungsweise wichtige Wirtspflanzen werden unter anderem Mais, Hafer, Reis und Weizen genannt; die Bedeutung einzelner weiterer Gräser kann je nach Quelle und Virus variieren.
Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger zugelassen sind. Maßgeblich sind das amtliche Zulassungsregister, die aktuelle Gebrauchsanweisung und die dort festgelegten Aufwandmengen, Anwendungsbedingungen, Wartezeiten und Auflagen. Keine Behandlung allein aufgrund eines allgemeinen Zikadenverdachts durchführen.
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