Apfelbaumgespinstmotte
Yponomeuta malinellusApfelbaumgespinstmotte – Kurzüberblick
Die Apfelbaumgespinstmotte ist ein auf Apfel spezialisierter Kleinschmetterling. Ihre gesellig fressenden Raupen minieren zunächst junge Blätter und überziehen anschließend Triebspitzen mit auffälligen weißen Gespinsten. Bei starkem Befall kann es zu erheblichem Blattverlust kommen; ältere Bäume überstehen den Fraß meist, während junge oder bereits geschwächte Apfelbäume stärker gefährdet sind.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Apfelbaumgespinstmotte tritt in Deutschland vor allem an Apfelbäumen in Hausgärten, Streuobstwiesen und wenig gepflegten Beständen auf. Charakteristisch sind plötzlich sichtbare, lockere weiße Gespinste an End- und Seitentrieben im Mai und Juni. Darin sitzen zahlreiche Raupen, die Blätter gemeinschaftlich befressen.
Die Art ist von anderen Gespinstmotten anhand erwachsener Falter oft nur schwer sicher zu unterscheiden. Für die praktische Diagnose sind daher Wirtspflanze, Jahreszeit, Raupenbild und die Art des Gespinstes gemeinsam zu bewerten.
Symptome und Erkennung
- Ab April verbräunen Blattspitzen oder kleine Blattbereiche und trocknen ein; darin können wenige Millimeter große Jungraupen sitzen.
- Ab Mai oder Juni werden junge Blätter und Triebspitzen von lockeren, schleierartigen weißen Gespinsten überzogen.
- Die gelblich-grauen bis graugrünlichen Raupen fressen gesellig; ihre Körperseiten tragen dunkle Punkte.
- Bei starkem Befall bleiben an Blättern mitunter nur die Blattadern zurück. Vollständiger Kahlfraß ist möglich, in deutschen Gartenbeständen jedoch nicht in jedem Jahr typisch.
Ursachen und Ausbreitung
Verursacher ist der Raupenfraß von Yponomeuta malinellus. Die Falter legen ihre Eigelege im Juli und August an dünnen Zweigen, meist in der Nähe von Knospen, ab. Ein Gelege umfasst ungefähr 40 bis 80 Eier und wird durch ein zunächst gelbliches, später dunkler werdendes Sekret geschützt.
Die Ausbreitung erfolgt vor allem durch die Eiablage erwachsener Falter und durch die natürliche Verteilung der Falter im Bestand. Abgeseilte Raupen können vorübergehend auch auf Nicht-Wirtspflanzen oder Gegenständen unter dem Baum auffallen; das bedeutet nicht automatisch, dass diese Pflanzen befallen sind.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Apfelbaumgespinstmotte bildet in Deutschland gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die Eier verändern ihre Farbe von gelb über rötlich zu grau. Die Jungraupen schlüpfen noch im Herbst, bleiben unter der Schutzschicht des Geleges und überwintern dort.
Im Frühjahr, meist ab April und abhängig von Witterung, Austrieb und Standort, wandern sie zu Knospen und jungen Blättern. Zunächst minieren sie gesellig im Blattinneren. Später verlassen sie die Blätter, fressen offen und spinnen ein Schutzgespinst. Die Verpuppung erfolgt meist im Juni in weißen, festen Kokons innerhalb des Gespinstes. Die etwa 20 mm spannende, weiß-schwarz punktierte Motte fliegt überwiegend von Mitte oder Ende Juli bis August.
Behandlung und Bekämpfung
Bei einem begrenzten Befall ist die mechanische Entfernung die bevorzugte Maßnahme. Gespinste samt Raupen können herausgeschnitten oder mit einem kräftigen Wasserstrahl von den Zweigen gelöst und anschließend beseitigt werden. Die Maßnahme ist besonders wirksam, solange die Raupen noch gebündelt im Gespinst sitzen.
Nach der Entfernung sollten die betroffenen Triebe über mehrere Wochen kontrolliert werden. Ein gesunder, etablierter Apfelbaum kann Blattverlust häufig wieder ausgleichen; bei jungen, kleinen oder bereits geschwächten Bäumen ist ein früheres Eingreifen sinnvoll.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste biologische und nichtchemische Kontrolle besteht in der Schonung natürlicher Gegenspieler, darunter verschiedene parasitoide Wespen und räuberische Insekten. Gespinste sollten deshalb gezielt entfernt werden, statt die gesamte Krone vorbeugend zu behandeln.
Bei starkem Raupenbefall kann im Haus- und Kleingarten ein zugelassenes Präparat auf Basis von Bacillus thuringiensis grundsätzlich eine nützlingsschonendere Option sein. Es wirkt nur gegen junge, aktiv fressende Raupen und muss nach aktueller deutscher Zulassung sowie Gebrauchsanweisung eingesetzt werden.
Vorbeugung
- Apfelbäume regelmäßig ab dem Austrieb kontrollieren, besonders Triebspitzen und junge Blätter.
- Im Winter und Vorfrühling dünne Zweige auf dachziegelartig überlagerte, verhärtete Eigelege prüfen.
- Stark befallene, gesponnene Triebabschnitte frühzeitig ausschneiden und nicht kompostieren, sondern über den Hausmüll oder nach örtlichen Vorgaben entsorgen.
- Die Krone durch fachgerechten Schnitt luftig halten, ohne den Baum durch übermäßigen Rückschnitt zu schwächen.
- Breit wirkende, nicht notwendige Insektizidbehandlungen vermeiden, da sie Parasitoide und andere natürliche Gegenspieler schädigen können.
Wissenswertes
- Die Art wird im Deutschen auch Apfel-Gespinstmotte genannt.
- Die weißen Puppenkokons hängen innerhalb des Gespinstes häufig dicht nebeneinander.
- Die erwachsenen Falter sind klein und besitzen weiße Vorderflügel mit schwarzen Punkten.
- Mehrere nahe verwandte Gespinstmottenarten sehen sich sehr ähnlich. Eine sichere Artbestimmung allein anhand eines weißen Gespinstes ist daher nicht immer möglich.
Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn sie in Deutschland aktuell für die betreffende Kultur und diesen Schaderreger zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanleitung und Auflagen des zugelassenen Produkts beachten; keine Mittel, Dosierungen oder Spritzprogramme aus anderen Ländern oder älteren Empfehlungen übertragen.
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