Kohlschotenmücke
Dasineura brassicae (Winnertz, 1853)Kohlschotenmücke – Kurzüberblick
Die Kohlschotenmücke (Dasineura brassicae) ist ein kleiner Gallmücken-Schädling an Raps und anderen Kreuzblütlern. Ihre Larven saugen an der Schoteninnenwand und an den Samen. Befallene Schoten vergilben, verkrümmen sich, reifen vorzeitig ab und platzen schließlich auf. In Deutschland tritt der Schädling meist örtlich begrenzt und besonders in Verbindung mit dem Kohlschotenrüssler wirtschaftlich relevant auf.
Typische Bedingungen
Überblick
Die Kohlschotenmücke (Dasineura brassicae) ist ein kleiner Zweiflügler aus der Familie der Gallmücken. Im deutschen Ackerbau wird sie vor allem als Rapsschädling beobachtet. Die erwachsenen Mücken sind unscheinbar, flugträge und können leicht mit kleinen Schlupfwespen verwechselt werden.
Der eigentliche Schaden entsteht durch die Larven in den Schoten. Sie saugen an der Innenwand und an den sich entwickelnden Samen. Befallene Schoten verlieren früh ihre grüne Farbe, verkrümmen und schrumpfen; bei stärkerem Befall platzen sie vor der Ernte auf.
Die Art ist nicht mit der Kohlfliege (Delia brassicae) zu verwechseln. Die Kohlfliege schädigt überwiegend Wurzeln, während die Kohlschotenmücke im Inneren von Schoten lebt.
Symptome und Erkennung
- Einzelne Schoten, zunächst häufig am Haupttrieb, vergilben vorzeitig.
- Die Schoten verkrümmen sich, schrumpfen und reifen ungleichmäßig ab.
- Befallene Schoten platzen vorzeitig auf; Samen fallen aus oder fehlen teilweise.
- Im Schoteninneren finden sich zahlreiche kleine, weiße, kopflose Larven.
- Das Schadbild kann dem vorzeitigen Schotenaufplatzen nach Befall durch den Kohlschotenrüssler ähneln.
Eine sichere Diagnose gelingt am besten durch das Öffnen verdächtiger Schoten. Einzelne Fraß- oder Eiablagestellen des Kohlschotenrüsslers können als Eintritts- beziehungsweise Eiablagestellen dienen.
Ursachen und Ausbreitung
Weibliche Mücken legen ihre Eier an sich entwickelnde Schoten, häufig an bereits vorhandenen Verletzungen oder Öffnungen. Die Larven schlüpfen und saugen im Schoteninneren an Schotenwand und Samen. Nach Abschluss der Larvenentwicklung verlassen sie die Schote und gelangen in den Boden, wo die Verpuppung stattfindet.
Der Zuflug erfolgt meist aus der Umgebung und ist wegen der geringen Flugleistung besonders an windgeschützten Feldrändern und Waldrändern relevant. Die erste Generation tritt bei beginnender Schotenbildung auf; eine weitere Generation kann etwa zwei bis drei Wochen später folgen. Eine dritte Generation ist möglich, aber seltener.
Feuchte Bodenoberflächen fördern den Anflug beziehungsweise das Auftreten der ersten Generation. Bei trockenen Bedingungen ist der Zuflug deutlich geringer. Die Nähe zu vorjährigen Rapsschlägen und das Vorhandensein von Kohlschotenrüsslern erhöhen das Befallsrisiko.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Überwinterung erfolgt überwiegend als Puppe im Boden. Im Frühjahr schlüpfen die kleinen erwachsenen Mücken und suchen blühenden beziehungsweise schotenbildenden Raps oder andere geeignete Kreuzblütler auf. Die Eiablage erfolgt an den Schoten.
Die Larven leben gesellig im Inneren der Schote. Sie sind weiß, klein und kopflos und saugen an der Schotenwand sowie an den Samen. Nach der Larvenentwicklung verlassen sie die Schote und verpuppen sich im Boden. Unter deutschen Bedingungen sind meist zwei Generationen möglich; eine dritte tritt nur gelegentlich auf.
Die Entwicklungsdauer und die Generationenfolge hängen von Temperatur, Bodenfeuchte, Wirtspflanzenentwicklung und regionaler Witterung ab.
Behandlung und Bekämpfung
Eine Bekämpfung ist in Deutschland meist nur bei wiederholt hohem Befall und entsprechendem Ertragspotenzial wirtschaftlich. Kontrolliert werden sollte ab Blühbeginn bis zur Vollblüte beziehungsweise während der beginnenden Schotenbildung. Die erwachsenen Mücken sind schwer sicher zu erfassen und können mit Schlupfwespen verwechselt werden; deshalb sollten Feldrandkontrollen, Schotenuntersuchungen und regionale Warndienste gemeinsam bewertet werden.
Wenn eine Maßnahme erforderlich ist, kann eine gezielte Behandlung des Feldrandes gegen den ersten Zuflug ausreichen. Während der Rapsblüte sind Bienenschutz, Abstandsauflagen, Gewässerschutz und die Vermeidung unnötiger Überfahrten besonders wichtig. Eine Behandlung der bereits im Schoteninneren fressenden Larven ist grundsätzlich schwieriger als die Erfassung der erwachsenen Mücken vor der Eiablage.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im ökologischen und nichtchemischen Pflanzenschutz stehen vorbeugende und regulierende Maßnahmen im Vordergrund:
- weite Fruchtfolge und möglichst große Entfernung zu vorjährigen Rapsflächen;
- Entfernung beziehungsweise konsequente Kontrolle von Ausfallraps und geeigneten Kreuzblütler-Brücken;
- Förderung von Laufkäfern und parasitoiden Schlupfwespen durch vielfältige Feldränder und einen möglichst schonenden Pflanzenschutz;
- regelmäßige Kontrollen, damit Befallsherde früh erkannt und nicht unnötig großflächig behandelt werden;
- Berücksichtigung des Kohlschotenrüsslers, da dessen Schotenverletzungen die Eiablage der Kohlschotenmücke erleichtern können.
Für den Haus- und Kleingarten ist der Schädling gewöhnlich von geringer Bedeutung. Befallene Schoten können entfernt und nicht zur Saatgutgewinnung verwendet werden.
Vorbeugung
- Rapsfruchtfolge einhalten und möglichst großen Abstand zu vorjährigen Rapsschlägen anstreben.
- Freiwillig auflaufenden Raps und geeignete Kreuzblütler nach der Ernte nicht dauerhaft als Brücke stehen lassen.
- Eine zügige, gleichmäßige Bestandsentwicklung fördern, ohne unnötig späte oder lückige Bestände zu begünstigen.
- Feldränder und Bestände ab Blühbeginn regelmäßig kontrollieren; verdächtige Schoten öffnen.
- Den Kohlschotenrüssler als möglichen Wegbereiter der Eiablage mitbeobachten.
- Natürliche Gegenspieler durch reduzierte, gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen und blütenreiche Randstrukturen schonen.
Wissenswertes
- Die Kohlschotenmücke ist eine Gallmücke, obwohl ihr wichtigstes Schadbild nicht in einer auffälligen Pflanzengalle, sondern in vorzeitig aufplatzenden Schoten besteht.
- Die weißen Larven sind kopflos und leben häufig in Gruppen an der Schoteninnenwand.
- Die Art ist flugträge und wird deshalb besonders in windgeschützten Lagen und an Feldrändern beobachtet.
- Ein Befall durch den Kohlschotenrüssler kann die Eiablage erleichtern, weil dessen Fraßstellen Öffnungen in der Schotenwand hinterlassen.
- Als natürliche Gegenspieler wurden unter anderem parasitoide Schlupfwespen wie Platygaster subulifomis und Omphale clypealis sowie räuberische Laufkäfer genannt.
Keine pauschale oder vorbeugende Insektizidempfehlung. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland nur eingesetzt werden, wenn sie für die jeweilige Kultur und den jeweiligen Schadorganismus beziehungsweise die konkrete Anwendung aktuell zugelassen sind. Ausschließlich die aktuelle Gebrauchsanweisung und die amtlichen Zulassungs- und Anwendungshinweise beachten. In blühendem Raps nur bienengefährdungsrechtlich zulässige Anwendungen durchführen; Abstandsauflagen, Gewässerschutz, Wartezeiten und integrierte Pflanzenschutzgrundsätze einhalten.
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