
Gemeiner Birnenblattsauger
Cacopsylla pyriGemeiner Birnenblattsauger – Kurzüberblick
Der Gemeine Birnenblattsauger ist ein kleiner, saugender Schädling an Birnbäumen. Vor allem die Larven und Nymphen stechen junge Blätter, Triebe und Blütenbereiche an und scheiden klebrigen Honigtau aus. Dieser kann Blätter und Früchte mit Rußtau überziehen, die Fruchtoberfläche berußen oder berosten und bei starkem Befall das Wachstum sowie die Blütenknospenbildung der Birne beeinträchtigen.
Typische Bedingungen
Überblick
Cacopsylla pyri besiedelt Birnbäume vom Knospenaufbruch bis in den Herbst. Die etwa 2–3 mm großen erwachsenen Tiere erinnern in ihrer Körperhaltung an kleine Zikaden; die jüngeren Larven sind gelblich bis grünlich, ältere Stadien dunkler und mit erkennbaren Flügelanlagen.
Für die sichere Bestimmung ist eine Lupe hilfreich, weil mehrere Birnenblattfloh-Arten, darunter Cacopsylla pyricola und Cacopsylla pyrisuga, an Birnen vorkommen können. Bei unklaren Funden sollte eine fachliche Diagnose oder ein amtlicher Warndienst herangezogen werden.
Symptome und Erkennung
- Klebriger Honigtau auf Blättern, Trieben und Früchten
- Schwarzer Rußtau auf den Honigtauflächen, besonders an Früchten
- Verbräunung, vorzeitiges Vergilben oder Absterben stark befallener Blätter
- Verkrüppelung junger Triebe und eingeschränktes Triebwachstum
- Berostete oder verschmutzt wirkende Fruchtschale und dadurch verminderte Vermarktbarkeit
- Bei starkem, wiederholtem Befall: Vitalitätsverlust und geringere Bildung von Blütenknospen
Die Tiere sitzen häufig an jungen Trieben, Blattadern, Blattstielen, Blütenknospen und am Kelchbereich der Früchte. Honigtau und Rußtau sind wichtige Hinweise, aber kein alleiniger Beweis für Cacopsylla pyri.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt durch überwinternde erwachsene Blattflöhe, die im Frühjahr in die Birnenkrone einwandern und ihre Eier an Knospen, Trieben sowie an jungen Blättern ablegen. Die Larven stechen das Pflanzengewebe an und saugen Pflanzensaft. Bewegliche erwachsene Tiere verbreiten sich innerhalb der Krone und zwischen benachbarten Birnbäumen.
Starker, weichtriebiger Austrieb begünstigt die Besiedlung. Übermäßige Stickstoffgaben, sehr kräftiger Rückschnitt mit anschließendem Wasserschosserwachstum und eine stark verdichtete Krone können den Befallsdruck erhöhen. Schnittwerkzeug ist normalerweise nicht der entscheidende Verbreitungsweg; wichtiger sind mobile adulte Tiere und befallenes Pflanzgut.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die erwachsenen Tiere überwintern geschützt in der Baumkrone, an Rinde oder in der näheren Umgebung der Birnbäume. Bei milder Witterung werden sie bereits im Spätwinter und zeitigen Frühjahr aktiv. Nach der Eiablage schlüpfen die Larven an Knospen und jungem Austrieb.
Die Larven durchlaufen mehrere Häutungsstadien. Frühe Stadien sind oft von Honigtau umgeben; ältere Stadien erscheinen dunkler und besitzen deutliche Flügelanlagen. Unter warmen Bedingungen kann sich die Entwicklung innerhalb weniger Wochen vollziehen, sodass während der Vegetationsperiode mehrere Generationen möglich sind. Der genaue Jahresverlauf hängt in Deutschland von Region, Witterung, Sorte und Kulturführung ab.
Behandlung und Bekämpfung
Bei Befallsverdacht zunächst den Befall durch Klopfen einzelner Zweige über einem hellen Tuch, Sichtkontrolle und Lupenuntersuchung bestätigen. Eier, Larven, Honigtau und die Verteilung in der Krone dokumentieren. Eine Behandlung sollte sich an Befallsstärke, Entwicklungsstadium, Sorte, Baumalter und den Empfehlungen des zuständigen deutschen Warndienstes orientieren.
Frühe Larvenstadien sind im Allgemeinen leichter zu erfassen als ältere, stärker geschützte Stadien. Stark befallene Wasserschosser können entfernt werden, sofern dies im Rahmen einer ausgewogenen Schnittmaßnahme geschieht. Honigtau auf kleinen Hausgartenbäumen kann vorsichtig mit Wasser abgespült werden; dadurch wird der Rußtau nicht vollständig beseitigt, aber die klebrige Grundlage reduziert.
Bei wiederholtem wirtschaftlichem Befall sind Kontrollen im Frühjahr und während der Sommergenerationen zu intensivieren. Eine einzelne Maßnahme ohne anschließende Erfolgskontrolle ist nicht zuverlässig, weil sich Blattflöhe aus geschützten Kronenbereichen erneut aufbauen können.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Florfliegenlarven, Blumenwanzen, Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Ohrwürmer und weitere räuberische Insekten können Blattflohstadien nutzen; blütenreiche, pestizidarme Randstrukturen fördern diese Gegenspieler.
- Blühstreifen und strukturreiche Begrünung außerhalb der unmittelbaren Stammscheibe können die Nützlingsvielfalt erhöhen, sofern sie nicht mit dem Baum um Wasser und Nährstoffe konkurrieren.
- Eine zurückhaltende Stickstoffversorgung und ein ausgewogenes Kronenwachstum sind wichtige nichtchemische Bausteine.
- Im Hausgarten können kleine Befallsherde durch Abspritzen mit Wasser und das Entfernen einzelner stark besiedelter Triebspitzen reduziert werden.
- Für den ökologischen Erwerbsanbau sind ausschließlich die im jeweiligen Anwendungsbereich zugelassenen Betriebsmittel und die aktuellen Verbands- beziehungsweise Fachberatungsempfehlungen zu verwenden.
Die Wirkung biologischer Maßnahmen schwankt mit Witterung, Nützlingsvorkommen und Befallsstärke. Sie sollten als Teil eines integrierten Systems und nicht als sicherer Ersatz für jede andere Maßnahme verstanden werden.
Vorbeugung
- Birnbäume regelmäßig ab Knospenaufbruch kontrollieren; besonders Knospen, junge Triebe und Blattunterseiten mit einer Lupe prüfen.
- Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden und nur nach Boden- oder Pflanzenbedarf düngen.
- Starken Rückschnitt vermeiden, der einen Schwall von Wasserschossern und weichen Trieben auslöst.
- Die Krone maßvoll auslichten, damit sie übersichtlich bleibt und Befallsherde früh erkannt werden.
- Wasserschosser und stark befallene weiche Triebe im Rahmen der normalen Schnittpflege entfernen.
- Birnbäume und angrenzende Bestände gemeinsam beobachten, weil erwachsene Blattflöhe zwischen Bäumen wechseln können.
- Nützlingsschonend arbeiten und breit wirkende Insektizide nur bei begründetem Bedarf einsetzen.
Wissenswertes
- Cacopsylla pyri gehört zu den Blattflöhen (Psyllidae), nicht zu den echten Fliegen.
- Die Larven scheiden Honigtau aus, der durch Rußtaupilze zu schwarzen Belägen auf Blättern und Früchten führen kann.
- Mehrere Birnenblattfloh-Arten können ähnlich aussehen und an derselben Wirtspflanze vorkommen; eine mikroskopische oder fachkundige Bestimmung kann erforderlich sein.
- Die Art ist für die vollständige Entwicklung im Wesentlichen an Birnen der Gattung Pyrus gebunden; erwachsene Tiere können jedoch vorübergehend auf anderen Pflanzen sitzen.
Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die zum Zeitpunkt der Anwendung für Birne gegen den betreffenden Birnenblattsauger rechtlich zugelassen oder genehmigt sind. Zulassungsstand, Anwendungsgebiet, Entwicklungsstadium, Aufwandmenge, Wartezeit, Bienenschutz- und Gewässerschutzauflagen können sich ändern. Maßgeblich sind die aktuelle Gebrauchsanleitung, das amtliche BVL-Verzeichnis und die zuständige Pflanzenschutzberatung. Keine Behandlung nach einem allgemeinen Wirkstoff- oder Produktnamen durchführen; Resistenzmanagement und der Schutz von Nützlingen sind zu berücksichtigen.