Weizenkräuselmilbe (Aceria tosichella)Quelle: Wikimedia CommonsAnna Skoracka, Brian G. Rector Brian, and Gary L. HeinCC BY 4.0
Schädling

Weizenkräuselmilbe (Aceria tosichella)

Aceria tosichella Keifer
Kurzüberblick

Weizenkräuselmilbe (Aceria tosichella) – Kurzüberblick

Die Weizenkräuselmilbe Aceria tosichella ist eine winzige, strohförmige Gallmilbe an Weizen und weiteren Süßgräsern. Sie besiedelt vor allem junge, eingerollte Blätter, verursacht Blattkräuselung und kann mehrere wirtschaftlich bedeutende Getreideviren übertragen, darunter das Wheat-streak-mosaic-Virus. In Deutschland ist eine sichere Diagnose wegen der geringen Körpergröße und der möglichen Verwechslung mit Virusbefall meist nur laborgestützt möglich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem junge Blätter, Blattscheiden, Blattquirle, Fahnenblätter und Ähren; indirekt auch der gesamte Bestand durch Virusübertragung.
Begünstigende BedingungenWarme Perioden um etwa 24–29 °C, aktiv wachsende Gräser, dichter grüner Pflanzenbestand, Ausfallgetreide und kontinuierliche Wirtsvegetation zwischen Ernten und Neuansaaten.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Weizenkräuselmilbe gehört zur Familie Eriophyidae und ist mit etwa 0,2–0,3 mm Länge mit bloßem Auge kaum sicher erkennbar. Ihr länglicher, weißlicher Körper trägt nur zwei Beinpaare am Vorderende. Die Tiere sitzen bevorzugt geschützt in Blattscheiden, Blattquirlen und an jungen Blättern.

Der direkte Fraß kann das Entrollen junger Blätter behindern und das Wachstum schwächen. Größer ist die pflanzenschutzliche Bedeutung häufig durch die Übertragung von Viren wie Wheat-streak-mosaic-Virus, Triticum-mosaic-Virus und Wheat-mosaic-Virus. Ein ähnliches Schadbild kann daher durch die Milbe allein, durch Virusinfektion oder durch beide Faktoren gemeinsam entstehen.

Für Deutschland ist bei einem Verdacht eine Untersuchung durch ein zuständiges Pflanzenschutz- oder Diagnoselabor sinnvoll, insbesondere bei ungewöhnlichen Streifenmustern in Getreidebeständen und möglichem Einschleppungsrisiko mit Pflanzen- oder Saatgutmaterial.

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Symptome und Erkennung

  • Junge Weizenblätter rollen sich längs eng ein oder entfalten sich nur unvollständig.
  • Blattspitzen können in der Blattscheide oder im Blattquirl festgehalten werden.
  • Bei stärkerem Befall sind gestauchtes Wachstum, schwächere Bestockung und verringerte Blattfläche möglich.
  • Bei gleichzeitiger Virusübertragung treten gelbgrüne, längs verlaufende, oft unterbrochene Streifen, Mosaik, Vergilbung, Rosettenbildung und deutliche Zwergwüchsigkeit auf.
  • Die Milben selbst sitzen meist verborgen im jungen Blattgewebe und sind ohne Lupe oder Laborpräparat kaum zu erkennen.

Eine Blattkräuselung allein beweist keinen Befall. Viruskrankheiten, Trockenstress, Kälteschäden und andere Getreidemilben müssen diagnostisch abgegrenzt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Aceria tosichella ernährt sich an der Epidermis junger Blätter und bevorzugt geschützte, noch eingerollte Pflanzenteile. Die flügellosen Milben verbreiten sich nur begrenzt aktiv und werden vor allem durch Luftbewegungen sowie durch befallenes Pflanzenmaterial verschleppt.

Wichtige Überbrückungswirte können Ausfallgetreide, Durchwuchsweizen, Mais und weitere Poaceae sein. Besonders problematisch ist ein dauerhaft grünes Pflanzenband zwischen zwei Getreidekulturen. Befallene Ähren und Blätter können Milben an neu auflaufende oder benachbarte Bestände abgeben. Die Virusübertragung erfolgt beim Saugen an infizierten und anschließend gesunden Pflanzen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Entwicklungszyklus umfasst Ei, zwei Jugendstadien und Adulttier. Die Eier werden typischerweise in Reihen entlang der Blattadern abgelegt. Unter warmen Bedingungen kann eine Generation etwa innerhalb von 7–10 Tagen entstehen; bei kühler Witterung verlangsamt sich die Entwicklung stark.

Die Populationen nehmen an aktiv wachsenden, saftigen Gräsern zu. Während der Abreife wandern die Milben in obere Blätter und Ähren und können von dort durch Wind auf junge Wirtspflanzen gelangen. In Mitteleuropa ist der tatsächliche saisonale Verlauf stark von Witterung, Wirtspflanzenkontinuität und der regionalen Verbreitung abhängig.

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Behandlung und Bekämpfung

Bei bestehendem Befall steht die Unterbrechung der Wirtspflanzenkette im Vordergrund. Stark befallene Ausfallpflanzen und Grasbestände sollten mechanisch oder nach den geltenden ackerbaulichen Vorgaben beseitigt werden. In einem bereits stark virusgeschädigten Bestand lassen sich Virusinfektionen durch eine spätere Milbenbekämpfung nicht rückgängig machen.

  • Befallsherde markieren und die Diagnose durch eine Pflanzenschutzberatung oder ein Labor absichern.
  • Ausfallgetreide frühzeitig beseitigen und anschließend kontrollieren, ob erneut grüne Pflanzen auflaufen.
  • Ernte- und Bodenbearbeitungsmaßnahmen so planen, dass befallene Pflanzenreste nicht unnötig in gesunde Bestände verschleppt werden.
  • Für Folgekulturen resistente oder weniger anfällige Sorten prüfen, sofern solche Eigenschaften für die jeweilige Kultur und Region verfügbar sind.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Für den Haus- und Kleingartenbereich sowie im ökologischen Anbau sind vorbeugende und mechanische Maßnahmen am wichtigsten: Ausfallgetreide und wilde Süßgräser regelmäßig entfernen, befallene Pflanzen nicht über längere Zeit weiterwachsen lassen und Werkzeuge sowie Maschinen zwischen auffälligen und gesunden Beständen reinigen.

Eine direkte biologische Bekämpfung mit Nützlingen ist bei dieser im Blattquirl geschützten Milbe nicht zuverlässig etabliert. Raubmilben und andere natürliche Gegenspieler können zur allgemeinen Regulierung beitragen, ersetzen aber weder die Unterbrechung der grünen Brücke noch die Virusdiagnostik. Kompostieren von eindeutig befallenem Getreidematerial sollte vermieden werden, wenn dadurch lebende Pflanzenreste erhalten bleiben.

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Vorbeugung

  • Ausfallweizen und Durchwuchs nach der Ernte konsequent beseitigen, bevor sie als grüne Brücke dienen.
  • Freiwillig aufgelaufene Getreidepflanzen und geeignete Grasunkräuter an Feldrändern kontrollieren.
  • Nach Hagel, Ernteverlusten oder frühem Ausfall besonders auf neu auflaufenden Weizen achten.
  • Fruchtfolge, sortenspezifische Virusresistenz und regional angepasste Saattermine in die Bestandesplanung einbeziehen.
  • Zertifiziertes, gesundes Saat- und Pflanzgut verwenden und verdächtige Partien nicht zwischen Feldern verschleppen.
  • Bei auffälligen Nestern oder Streifenmustern Pflanzenproben getrennt sammeln und diagnostisch untersuchen lassen.

Eine reine Verschiebung des Saattermins ist kein verlässlicher Schutz, kann aber zusammen mit der vollständigen Beseitigung von Ausfallgetreide das Infektionsrisiko reduzieren.

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Wissenswertes

  • Die Art hat nur zwei Beinpaare und gehört damit zu den charakteristischen Eriophyiden.
  • Sie ist so klein, dass eine sichere Bestimmung meist ein Präparat, eine starke Vergrößerung oder molekulare Diagnostik erfordert.
  • Verschiedene genetisch unterscheidbare Linien beziehungsweise kryptische Formen wurden beschrieben; Wirtsspektrum und Vektorleistung können deshalb variieren.
  • Der direkte Fraß ist häufig weniger folgenschwer als die Übertragung von Getreideviren.
  • Die eng eingerollten Blattränder unterscheiden sich diagnostisch oft von der vollständig eingerollten Blattspreite bei anderen Getreideschädlingen, eine sichere Abgrenzung ist im Feld jedoch nicht immer möglich.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen nur Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die für die betreffende Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die vorgesehene Anwendung aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die amtliche Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Aufwandmenge, Anwendungszeitpunkt, Wartezeit, Abstandsauflagen und Anwenderschutz strikt einhalten. Eine pauschale Akarizidempfehlung ist wegen der geschützten Lebensweise, der unsicheren Feldbestimmung und der möglichen Virusursache nicht sachgerecht.