Weidenbohrer
Cossus cossusWeidenbohrer – Kurzüberblick
Der Weidenbohrer (Cossus cossus) ist ein großer Holzbohrer-Falter, dessen mehrere Jahre lebende Raupen sich in Stämmen und starken Ästen von Laubbäumen entwickeln. Typisch sind ovale Einbohrlöcher, rötlich-braune Bohrspäne, austretender Pflanzensaft und ein auffälliger essigartiger Geruch. Befallene Bäume können an Statik und Vitalität verlieren, besonders wenn sie bereits geschwächt sind.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Weidenbohrer ist in Deutschland heimisch und kommt besonders in feuchten Laubgehölzen, Auen, Parks, Streuobstwiesen und Gärten vor. Der Schaden entsteht fast ausschließlich durch die Larven, nicht durch den kurzlebigen Falter. Sie fressen zunächst unter der Borke und später tiefer im Holz von Stamm und stärkeren Ästen.
Ein Befall ist bei alten oder vital geschwächten Bäumen wahrscheinlicher. Einzelne Raupen müssen nicht unmittelbar zum Absterben führen; zahlreiche oder tief reichende Gänge können jedoch die Leitbahnen, die Bruchsicherheit und die Regeneration des Baumes beeinträchtigen.
Symptome und Erkennung
- Ovale Einbohr- und Auswurföffnungen an Stammbasis, Stamm oder starken Ästen.
- Rötlich-braune Bohrspäne und Larvenkot unter den Öffnungen oder in Rindenspalten.
- Rissige, absplitternde oder lokal eingesunkene Borke sowie austretender Saft.
- Bei starkem Befall: Welke einzelner Äste, Kronenrückgang, Astbruch oder Hinweise auf Hohlräume.
- Ein charakteristischer essigartiger Geruch kann die Anwesenheit größerer Raupen anzeigen.
Bohrlöcher allein beweisen den Befall nicht. Alte, verlassene Gänge können von früheren Generationen stammen; frische Bohrspäne und neue Fraßspuren sind aussagekräftiger.
Ursachen und Ausbreitung
Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in Rindenritzen, häufig im unteren Stammabschnitt bis etwa zwei Meter Höhe. Nach dem Schlupf dringen die Larven in die Borke und das Holz ein. Begünstigt wird der Befall durch Verletzungen, Trockenstress, schlechte Standortbedingungen, Überalterung oder andere Vorschädigungen. Eine direkte Ausbreitung von Baum zu Baum erfolgt vor allem über die fliegenden Falter; befallenes Brennholz kann Larven oder Puppen verschleppen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Der Flug der Falter liegt in Deutschland überwiegend zwischen Mai und August, regional und witterungsabhängig. Die Weibchen setzen Eier in Gruppen in Borkenspalten ab; nach ungefähr zwei Wochen schlüpfen die Larven. Die Raupen fressen zunächst unter der Borke und anschließend mehrere Jahre im Holz, meist zwei bis vier Jahre, gelegentlich länger. Sie überwintern als Larven. Zur Verpuppung legen sie eine Kammer im Fraßgang oder nahe der Stammbasis an. Die große, rötlich-braune Raupe kann bei Störung ein übelriechendes Wehrsekret abgeben.
Behandlung und Bekämpfung
Bei lokalem Befall kann ein zugänglicher Fraßgang vorsichtig untersucht und eine sichtbare Raupe mechanisch entfernt werden. Befallene Äste werden bis in gesundes Holz zurückgeschnitten und aus dem Bestand entfernt. Das Bohren oder Ausräumen tiefer Stammgänge ist keine sichere Standardmaßnahme und kann den Baum zusätzlich verletzen.
Bei Stamm- oder Kronenbefall sollte ein qualifizierter Baumpfleger die Vitalität und Bruchsicherheit beurteilen. Bei hohlen, stark geschwächten oder verkehrsgefährdenden Bäumen hat die Verkehrssicherheit Vorrang; Rückschnitt oder Fällung dürfen nur fach- und gegebenenfalls naturschutzrechtlich korrekt erfolgen.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wirksamsten nichtchemischen Maßnahmen sind die Erhaltung der Baumvitalität, regelmäßige Kontrolle, hygienischer Rückschnitt und die Entfernung stark befallener Holzteile. Sichtbare Larven können von Hand entfernt werden; dabei sind Handschuhe sinnvoll, da das Wehrsekret Haut und Augen reizen kann. Eine Förderung strukturreicher Lebensräume unterstützt natürliche Gegenspieler, ersetzt bei tiefem Stamm- oder Astbefall aber keine Baumkontrolle. Für den Weidenbohrer stehen im Hausgarten keine allgemein verlässlich belegten biologischen Bekämpfungsprogramme zur Verfügung.
Vorbeugung
- Bäume durch standortgerechte Pflanzung, ausreichende Bodenfeuchte und schonende Pflege vital halten.
- Mechanische Verletzungen an Stamm und Wurzelanlauf vermeiden; Schnitt fachgerecht und bei trockenem Wetter durchführen.
- Stämme und starke Äste regelmäßig auf frische Bohrspäne, Saftaustritt und neue Löcher kontrollieren, besonders von Mai bis August.
- Stark geschädigte Äste zeitnah und fachgerecht entfernen; Schnittgut nicht als Brennholz in der Nähe gesunder Gehölze lagern.
- Befallenes Holz nicht unkontrolliert transportieren und nur vollständig trocken beziehungsweise nach örtlichen Vorgaben lagern.
- Bei alten oder bruchgefährdeten Bäumen eine fachkundige Baumkontrolle veranlassen.
Wissenswertes
- Der Weidenbohrer gehört zu den größten in Mitteleuropa vorkommenden Kleinschmetterlingen; seine Raupe kann etwa 8 bis 10 cm lang werden.
- Der Falter ist durch seine graue, rindenähnliche Zeichnung tagsüber gut getarnt.
- Die lange Larvenentwicklung erklärt, warum frische Schäden oft erst Jahre nach der Eiablage auffallen.
- Die Art ist in Deutschland nicht generell gefährdet, kann aber an einzelnen geschwächten Bäumen ein bedeutender Holzschädling sein.
- Der deutsche Name bezieht sich auf die häufige Nutzung von Weiden, obwohl die Art zahlreiche weitere Laubgehölze befällt.
Eine chemische Behandlung tief im Stamm lebender Raupen ist schwierig und im Haus- und Kleingarten nicht als pauschales Standardverfahren anzusehen. Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland aktuell für genau diese Kultur und dieses Problem zugelassen sind, und befolgen Sie strikt die jeweils gültige Gebrauchsanleitung, Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten. Keine Mittel in Stammbohrgänge injizieren, wenn dies nicht ausdrücklich zugelassen und fachlich vorgesehen ist.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala
Quelle: