Rote Tomatenspinnmilbe
Schädling

Rote Tomatenspinnmilbe

Tetranychus evansi Baker & Pritchard, 1960
Kurzüberblick

Rote Tomatenspinnmilbe – Kurzüberblick

Die Rote Tomatenspinnmilbe, Tetranychus evansi, ist eine sehr kleine, wärmeliebende Spinnmilbe mit Schwerpunkt auf Nachtschattengewächsen. An Tomate, Aubergine, Kartoffel und Tabak verursacht sie helle Saugflecken, Vergilbung und bei starkem Befall dichtes Gespinst bis zum Blattfall. In Deutschland ist besonders bei importiertem Pflanzenmaterial und im geschützten Anbau Aufmerksamkeit geboten; eine sichere Artbestimmung erfordert häufig Spezialdiagnostik.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileVor allem Blattunterseiten und Blattgewebe; bei starkem Befall auch Triebspitzen und die gesamte Blattkrone.
Begünstigende BedingungenWärme, trockene Luft, geschützter Anbau, dichter Pflanzenbestand und eingeschlepptes befallenes Pflanzenmaterial begünstigen die Entwicklung und Ausbreitung.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Rote Tomatenspinnmilbe befällt hauptsächlich Nachtschattengewächse. Typische wirtschaftliche Wirte sind Tomate, Aubergine, Kartoffel und Tabak; Paprika und Chili können ebenfalls befallen werden, werden nach den verfügbaren Angaben jedoch meist weniger stark geschädigt. Die Milben sitzen auf beiden Blattseiten, bevorzugt auf der Unterseite entlang der Hauptadern.

Für Deutschland ist der Schädling vor allem im Zusammenhang mit eingeschlepptem Pflanzenmaterial und warmen, geschützten Kulturbedingungen relevant. Die Art ist nicht winterhart im Sinne einer sicheren Freilandüberdauerung unter deutschem Klima und gilt als nicht diapausebildend. Ein Befund sollte daher nicht allein anhand von Blattbild oder Körperfarbe gestellt werden.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

  • Viele kleine, zunächst punktförmige helle bis weißliche Saugflecken auf den Blättern.
  • Zunehmende Vergilbung oder bronzefarbene Verfärbung des Laubs und nachlassende Pflanzenleistung.
  • Feines, später dichtes Gespinst vor allem an Blattunterseiten, Blattstielen und Triebspitzen.
  • Bei starkem Befall Blattrollen, Eintrocknen, Blattfall, Wachstumsstillstand und im Extremfall Absterben der Pflanze.
  • Früher Befall kann mit Nährstoffmangel oder einer Virus- beziehungsweise Pilzerkrankung verwechselt werden.
  • Gemischte Populationen mit anderen Spinnmilben sind möglich; deshalb ist das Schadbild allein nicht artspezifisch.
Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

  • Eintrag über befallene Jungpflanzen, Stecklinge oder andere nicht ausreichend kontrollierte Pflanzenteile.
  • Übertragung durch Berührung benachbarter Blätter und dicht stehende Pflanzen.
  • Verschleppung an Händen, Kleidung, Werkzeug, Transportkisten und Arbeitsgeräten.
  • Überdauerung an befallenen Solanum-Unkräutern, besonders Schwarzem Nachtschatten.
  • Rasche Vermehrung bei warmem, trockenem Gewächshaus- oder Sommerklima.
Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

Die Entwicklung umfasst Ei, Larve, zwei Nymphenstadien und Adultstadium. Eier werden überwiegend an der Blattunterseite abgelegt. Bei günstiger Wärme folgen die Entwicklungsstadien rasch aufeinander, sodass sich mehrere überlappende Generationen bilden können. Die Art gilt als nicht diapausebildend und ist deshalb auf ausreichend warme Bedingungen angewiesen.

Die Ausbreitung erfolgt durch befallene Jungpflanzen, Stecklinge und andere Pflanzenteile, durch direkten Blattkontakt sowie durch Verschleppung an Kleidung, Werkzeug oder Transportmaterial. In Gewächshäusern können lokale Herde zunächst unauffällig bleiben und sich anschließend stark vergrößern.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Befallene Pflanzen zunächst separieren und den Befallsherd markieren. Blätter von beiden Seiten kontrollieren, stark befallene Pflanzenteile entfernen und außerhalb der Kultur entsorgen. Anschließend die verbleibenden Pflanzen wiederholt kontrollieren, da Eier und Jungstadien nach einer Einzelmaßnahme weiter vorhanden sein können.

Im geschützten Anbau sollte die Bekämpfung als integriertes Programm aus Hygiene, Befallsmonitoring, geeigneten biologischen Gegenspielern und – falls erforderlich – einer zugelassenen chemischen Maßnahme erfolgen. Spritz- oder Gießbehandlungen müssen die Blattunterseiten tatsächlich erreichen; zugleich sind Schäden an Nützlingen und die Gefahr einer Resistenzselektion zu berücksichtigen.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten können einzelne Pflanzen isoliert, kräftig mit Wasser abgespült und stark befallene Blätter entfernt werden. Das Abdeck- oder Schnittgut nicht kompostieren, sondern sicher entsorgen. Wiederholte Kontrollen der Blattunterseiten sind wichtiger als eine einmalige Maßnahme.

Im Gewächshaus kommen geeignete Raubmilben oder andere biologische Gegenspieler infrage. Ihre Wirksamkeit ist artspezifisch und von Temperatur, Luftfeuchte, Befallsstärke und Ausbringungszeitpunkt abhängig. Bei T. evansi ist insbesondere zu prüfen, ob der ausgewählte Nützling tatsächlich für diese Art empfohlen wird; der Einsatz von Phytoseiulus persimilis darf nicht automatisch von Erfahrungen mit T. urticae abgeleitet werden.

Pflanzendoktor

Vorbeugung

  • Neu gekaufte oder angelieferte Pflanzen mindestens mehrere Wochen getrennt aufstellen und die Blattunterseiten mit Lupe kontrollieren.
  • Tomaten-, Paprika-, Auberginen- und Kartoffelpflanzen regelmäßig auf helle Sprenkel, Gespinste und Milbenkolonien prüfen.
  • Befallene Pflanzen, Töpfe, Stäbe und Werkzeuge nicht ungeprüft zwischen Beständen bewegen; Arbeitsgeräte reinigen.
  • Schwarzen Nachtschatten und andere mögliche Wirtspflanzen im unmittelbaren Gewächshausumfeld entfernen.
  • Überdüngung mit Stickstoff vermeiden und die Pflanzen gleichmäßig mit Wasser versorgen; Stress durch Austrocknung erhöht häufig die Anfälligkeit für Spinnmilbenbefall.
  • Bei gewerblichen oder pflanzengesundheitlich auffälligen Funden die zuständige Pflanzenschutz- oder Pflanzengesundheitsstelle kontaktieren.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

  • Verwechslungsgefahr: Tetranychus evansi wurde in der Vergangenheit wiederholt mit anderen Spinnmilbenarten verwechselt; die Artbestimmung ist daher anspruchsvoll.
  • Wirtsspektrum: Obwohl Solanaceen die wichtigste Wirtspflanzenfamilie bilden, sind auch Pflanzen aus zahlreichen weiteren Familien dokumentiert.
  • Unkraut als Reservoir: Schwarzer Nachtschatten und andere Solanum-Arten können Befallsherde außerhalb der Kultur aufrechterhalten.
  • Nützlingseinsatz: Nicht jede im Handel übliche Raubmilbe gegen Spinnmilben ist gegen T. evansi gleich geeignet; die Auswahl muss zur Zielart und Kultur passen.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Verwenden Sie ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die in Deutschland zum Zeitpunkt der Anwendung für die konkrete Kultur und das jeweilige Problem zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Gebrauchsanleitung beziehungsweise das amtliche Zulassungsregister. Resistenzmanagement, Wartezeiten, Anwenderschutz und Auflagen strikt einhalten. Eine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge ist nicht empfehlenswert.