Gummistängelkrankheit (Stängelbrand)
Krankheit

Gummistängelkrankheit (Stängelbrand)

Didymella bryoniae
Kurzüberblick

Gummistängelkrankheit (Stängelbrand) – Kurzüberblick

Die Gummistängelkrankheit, in Deutschland auch Stängelbrand genannt, ist eine pilzliche Erkrankung vor allem an Gurken, Melonen, Wassermelonen und Kürbisgewächsen. Typisch sind braune Blattflecken, wassergetränkte Stängelnekrosen, bernsteinfarbener Gummiaustritt und bei Früchten eine Schwarz- oder Endfäule. Feuchte Bestände, infiziertes Saatgut und Pflanzenreste begünstigen die Ausbreitung.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileBlätter, Blattstiele, Ranken, Hauptstängel, Blütenansatz und Früchte; bei Fruchtbefall häufig Schwarz- oder Endfäule.
Begünstigende BedingungenLange Blatt- und Stängelnässe, hohe Luftfeuchte, dichter Bestand, Kondenswasser, häufiges Überkopfgießen, Verletzungen und infiziertes Pflanzenmaterial; besonders relevant im feucht geführten Gewächshaus.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Gummistängelkrankheit wird in Deutschland auch Stängelbrand genannt. Der historisch verwendete Erregername Didymella bryoniae umfasst nach heutiger taxonomischer Auffassung einen Krankheitskomplex eng verwandter Arten, die vielfach unter Stagonosporopsis geführt werden. Für die praktische Diagnose bleibt die Bezeichnung D. bryoniae in der Gartenbaupraxis gebräuchlich.

Betroffen sind vor allem Gurke, Melone, Wassermelone und Kürbis. Im geschützten Anbau kann die Krankheit besonders problematisch werden, wenn Blätter und Stängel lange feucht bleiben.

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Symptome und Erkennung

  • An Blättern entstehen zunächst unregelmäßige, hellbraune bis dunkelbraune Flecken, oft vom Blattrand oder von feuchten, schattigen Bereichen ausgehend.
  • Die Flecken vergrößern sich, verschmelzen und führen zu Blattnekrosen, Einrollen, Blattfall und vorzeitiger Entlaubung.
  • Stängel und Blattstiele zeigen wassergetränkte, später braune bis graue Rindennekrosen. Bei feuchter Witterung tritt gelblich-bernsteinfarbener bis rötlichbrauner, gummiartiger Saft aus.
  • In älteren Läsionen können kleine schwarze Pyknidien oder Pseudothecien sichtbar werden.
  • Früchte entwickeln eingesunkene, wässrige braune bis schwarze Fäulen. Ein Befall kann an Blütennarben, Verletzungen oder der Ansatzstelle beginnen und sich nach der Ernte fortsetzen.

Verwechslungen sind unter anderem mit Alternaria-Blattflecken, bakterienbedingten Nassfäulen, Botrytis, Echtem Mehltau mit Sekundärfäule und mechanischen Stängelverletzungen möglich. Eine sichere Bestimmung erfordert bei unklaren Fällen Laboruntersuchung.

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Ursachen und Ausbreitung

Der Erreger kann mit Saatgut, infizierten Jungpflanzen, Pflanzenresten und anhaftendem Substrat eingeschleppt werden. Auf abgestorbenen Ranken und Blättern überdauert er zwischen den Kulturen. Ascosporen können über Luftbewegungen verbreitet werden; Konidien werden besonders durch Spritzwasser, Kondenswasser, Hände und Werkzeuge weitergetragen.

Wunden durch Schnitt, Ernte, Reibung oder saugende beziehungsweise beißende Insekten erleichtern die Infektion. Auch Blütennarben und Fruchtverletzungen sind Eintrittsstellen. Eine Diagnose allein anhand des Artnamens ist mit Vorsicht zu bewerten, da der Gummistängelkrankheits-Komplex mehrere nahe verwandte Erreger umfasst.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Pilz überdauert in infiziertem Pflanzenmaterial, an freiwillig auflaufenden Kürbisgewächsen und möglicherweise im oder am Saatgut. Auf befallenem Gewebe entstehen Pyknidien mit Konidien sowie, je nach Erreger und Bedingungen, sexuelle Fruchtkörper mit Ascosporen.

Für Keimung und Infektion sind freie Blattnässe, Tau, Kondenswasser oder Regen entscheidend. Längere Feuchteperioden von mehreren Stunden und gemäßigt warme Temperaturen fördern die Krankheitsentwicklung. Unter günstigen Bedingungen können neue Symptome bereits etwa eine Woche nach der Infektion sichtbar werden; anschließend entstehen Sekundärinfektionen durch Spritzwasser.

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Behandlung und Bekämpfung

Ein früher Befall lässt sich häufig durch konsequente Hygiene und das Entfernen einzelner Befallsherde begrenzen, nicht jedoch durch das Heilen bereits abgestorbener Gewebe. Befallene Blätter und Früchte mit ausreichendem Abstand zum gesunden Gewebe abschneiden; stark befallene Pflanzen vollständig aus dem Bestand nehmen.

  • Arbeitsgänge an gesunden Pflanzen beginnen und befallene Pflanzen zuletzt bearbeiten.
  • Bei Gewächshauskulturen Luftfeuchte senken, frühzeitig lüften und nächtliche Blattnässe durch angepasste Bewässerung vermeiden.
  • Bewässerungswasser und Spritzwasser nicht von befallenen auf gesunde Pflanzen verschleppen.
  • Bei wirtschaftlich wichtigen Beständen kann eine Diagnose durch ein anerkanntes Pflanzenschutz- oder Pflanzenpathologielabor sinnvoll sein, insbesondere weil der Erregerkomplex morphologisch schwer sicher zu trennen ist.
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Schonende und biologische Bekämpfung

Im Haus- und Kleingarten stehen vorbeugende und hygienische Maßnahmen im Vordergrund: gesundes Ausgangsmaterial, luftiger Bestand, bodennahe Bewässerung, rasches Entfernen befallener Pflanzenteile und gründliche Beseitigung der Pflanzenreste.

Für den ökologischen Anbau dürfen nur im jeweiligen Verfahren und Land zugelassene beziehungsweise gelistete Mittel eingesetzt werden. Präparate mit biologischen Gegenspielern oder Pflanzenstärkungsmittel können höchstens vorbeugend beziehungsweise unterstützend wirken; ihre Eignung gegen diesen Erreger und für die jeweilige Kultur muss anhand der aktuellen deutschen Zulassung und Gebrauchsanweisung geprüft werden. Eine bereits stark befallene Pflanze wird dadurch nicht gesund.

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Vorbeugung

  • Nur gesundes, möglichst zertifiziertes Saatgut und kräftige, symptomfreie Jungpflanzen verwenden.
  • Gurken- und Kürbiskulturen luftig aufbauen, ausreichende Pflanzabstände einhalten und Kondenswasser vermeiden.
  • Am besten morgens und bodennah bewässern; Blätter und Stängel nicht unnötig benetzen.
  • Befallene Blätter, Ranken und Früchte sofort entfernen und nicht kompostieren. Werkzeuge, Hände, Schnüre, Töpfe und Arbeitsflächen reinigen und bei Bedarf desinfizieren.
  • Nach der Kultur sämtliche Kürbisreste aus Gewächshaus und Beet entfernen und eine mehrjährige Fruchtfolge ohne Kürbisgewächse einplanen, soweit die Anbauplanung dies ermöglicht.
  • Freiwillig auflaufende Kürbisgewächse und mögliche Unkraut-Wirtspflanzen im Bestand und in der unmittelbaren Umgebung beseitigen.
  • Ernteverletzungen vermeiden und Früchte trocken, sauber und gut belüftet lagern.
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Wissenswertes

  • Der deutsche Name Gummistängelkrankheit bezieht sich auf den charakteristischen gummiartigen Saftaustritt aus Stängelnekrosen.
  • Auf Früchten wird das Krankheitsbild häufig als Schwarzfäule bezeichnet, während Blatt- und Stängelbefall als Gummistängelkrankheit oder Stängelbrand beschrieben wird.
  • Der frühere Sammelbegriff Didymella bryoniae wird heute durch molekulare Untersuchungen taxonomisch differenzierter bewertet; ähnliche Symptome können durch mehrere nahe verwandte Stagonosporopsis-Arten entstehen.
  • Schwarz gefärbte Fruchtkörper in den Läsionen sind diagnostisch hilfreicher als die reine Farbe eines Blattflecks, sollten bei Bedarf aber mikroskopisch oder molekular bestätigt werden.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

In Deutschland dürfen ausschließlich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die konkrete Kultur, den Anwendungsbereich und den Schadorganismus verwendet werden. Zulassungen, Auflagen, Anwenderkreis, Wartezeit und Gewässerschutzbestimmungen können sich ändern; deshalb vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassung und das gültige Etikett prüfen. Keine Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation und niemals allein nach Produktwerbung dosieren. Fungizide wirken vor allem vorbeugend beziehungsweise bei sehr frühem Befall und ersetzen keine Hygiene, Fruchtfolge und Feuchteführung.