
Phytophthora ramorum (Triebsterben)
Phytophthora ramorumPhytophthora ramorum (Triebsterben) – Kurzüberblick
Phytophthora ramorum ist eine wasserliebende Oomycete mit sehr variablem Krankheitsbild. An Rhododendron, Viburnum, Pieris und anderen Gehölzen entstehen dunkelbraune bis schwarze Blatt- und Triebnekrosen; an bestimmten Bäumen können Rindennekrosen mit dunklem Ausfluss und rasches Absterben folgen. In Deutschland kommt der Erreger nur an wenigen Orten vor. Eine sichere Bestimmung ist nur per Labor möglich.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Erreger befällt ein breites, je nach Region und Isolat unterschiedlich dokumentiertes Wirtsspektrum, überwiegend Laubgehölze, daneben einige Nadelgehölze und wenige krautige Pflanzen. Im deutschen Gartenbau sind insbesondere Rhododendron, Viburnum und Pieris von Bedeutung. An Blatt- und Triebwirten entstehen häufig Blattbräunen, Triebwelke und Zurücksterben; an geeigneten Baumwirten können Stamm- und Astnekrosen entstehen.
Die Symptome sind nicht eindeutig: Ähnliche Blattflecken, Welke und Rindennekrosen verursachen auch andere Phytophthora-Arten, Pilzkrankheiten, Frost, Staunässe oder Trockenstress. Eine belastbare Diagnose erfordert Probenahme durch Fachkundige und molekularbiologische beziehungsweise kultur- oder labordiagnostische Untersuchung.
Symptome und Erkennung
- An Rhododendron: dunkelbraune bis schwarze Blattbereiche, oft vom Blattstiel entlang der Mittelrippe ausgehend, hängende Blätter, welke Triebspitzen und Triebsterben.
- An Viburnum, Pieris, Camellia und anderen Ziergehölzen: unregelmäßige dunkelbraune bis schwarze Blattnekrosen, Blattfall und Absterben junger Triebe.
- An Lärche: welke, schwarz werdende Triebspitzen, vorzeitiger Nadelverlust und Aststerben.
- An geeigneten Baumwirten: eingesunkene Rindennekrosen oder „blutende“ Krebsstellen mit dunkelrotem bis schwarzem Ausfluss; bei weitreichender Stammnekrose kann der Baum absterben.
- Bei Wurzelbefall können oberirdische Symptome zunächst fehlen. Das Erscheinungsbild allein erlaubt keine sichere Diagnose.
Ursachen und Ausbreitung
Die Krankheit wird vor allem durch infiziertes Pflanzgut und vegetatives Vermehrungsmaterial, kontaminiertes Anzuchtsubstrat, Erde, Töpfe und Geräte sowie durch Regen-, Beregnungs- und Oberflächenwasser verbreitet. Befallene Blätter und Triebe können Sporen bilden; bei geeigneten Baumwirten kann der Befall von Blattwirten auf Rinde und Äste übergehen. Menschen, Fahrzeuge und Arbeitsgeräte verschleppen den Erreger zusätzlich mechanisch.
Lebenszyklus und Überdauerung
Phytophthora ramorum bildet je nach Isolat und Umweltbedingungen Sporangien, aus denen direkt Keimschläuche oder bewegliche Zoosporen entstehen können. Wasserfilme und freies Wasser fördern die Sporenfreisetzung, den Transport und die Infektion. Regen, Beregnung und ablaufendes Wasser verbreiten den Erreger über kurze Distanzen; kontaminierte Pflanzen, Substrate, Töpfe, Werkzeuge, Schuhe und Fahrzeuge können ihn weiter verschleppen.
In abgestorbenem Pflanzengewebe und Holz können widerstandsfähige Chlamydosporen zur Überdauerung beitragen. Bei Wurzelinfektionen können Pflanzen längere Zeit ohne deutliche oberirdische Symptome bleiben. Die Entwicklungsdauer und die Bedeutung einzelner Sporenformen unterscheiden sich zwischen Wirt, Isolat und Standort.
Behandlung und Bekämpfung
Bei Verdacht zunächst Pflanzen isolieren, Arbeiten im Bestand einstellen und keine Stecklinge, Schnittreste, Erde oder Topfware bewegen. Die Diagnose sollte durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder ein qualifiziertes Labor erfolgen.
Bei bestätigtem Befall werden befallene Pflanzen und gegebenenfalls Kontaktpflanzen nach behördlicher Anweisung entfernt und sicher entsorgt. Stark befallene Gehölze nicht durch Rückschnitt „sanieren“, wenn dadurch kontaminiertes Material verteilt wird. Flächen, Töpfe, Werkzeuge und Bewässerungssysteme müssen nach fachlicher Vorgabe gereinigt und hygienisiert werden. Eine Erholung mit Fungiziden ist nicht zuverlässig zu erwarten; Kulturführung und Tilgung möglicher Infektionsquellen stehen im Vordergrund.
Schonende und biologische Bekämpfung
Eine wirksame „biologische“ Hausmittelbehandlung ist nicht verlässlich belegt. Der wichtigste nichtchemische Ansatz ist deshalb konsequente Hygiene und Entfernung möglicher Infektionsquellen:
- Verdächtige Pflanzen separieren und nicht durch Stecklinge, Teilung oder Schnittgut weitervermehren.
- Stark befallene Pflanzen nach Rücksprache mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst vollständig entfernen und entsprechend den örtlichen Vorgaben entsorgen; nicht kompostieren.
- Erde, Topfsubstrat, Töpfe, Untersetzer, Schuhe und Werkzeuge nicht zwischen Beständen verschleppen; Werkzeuge nach jedem Schnitt reinigen und desinfizieren.
- Blattnässe, Spritzwasser und stehende Nässe reduzieren, ohne kontaminiertes Wasser in andere Beete abzuleiten.
- Nur nachweislich gesundes, rückverfolgbares Pflanzgut aus hygienisch arbeitenden Baumschulen beziehen.
Vorbeugung
Im deutschen Gartenbau sind Herkunft und Hygiene des Pflanzguts entscheidend. Pflanzen mit gültigem Pflanzenpass beziehungsweise aus kontrollierter, rückverfolgbarer Produktion bevorzugen und neue Gehölze zunächst getrennt beobachten. Keine Pflanzen aus verdächtigen Beständen weitergeben.
- Bewässerung möglichst bodennah und mit sauberem Wasser durchführen; Überkopfbewässerung und unnötige Blattnässe vermeiden.
- Ausreichende Abstände, gute Luftbewegung und zügige Abtrocknung fördern.
- Staunässe vermeiden und Wege, Stellflächen, Töpfe sowie Schnittwerkzeuge sauber halten.
- Befallssymptome fotografieren, Pflanzen nicht voreilig verschicken und bei Verdacht den Pflanzenschutzdienst oder eine geeignete Diagnosestelle kontaktieren.
- Die jeweils aktuelle deutsche und europäische Pflanzengesundheitsregelung beachten, da Status und Maßnahmen nach Isolat und Warenkategorie differieren können.
Wissenswertes
- Der Name bezeichnet nicht nur eine einzige Symptomform: Je nach Wirt spricht man unter anderem von Blatt- und Triebfäule, Triebsterben oder blutenden Rindenkrebsen.
- Infizierte Blätter mancher Ziergehölze können große Sporenmengen bilden und dadurch nahe stehende Bäume gefährden.
- In Nordamerika ist die Krankheit als „Sudden Oak Death“ bekannt; dort sind besonders bestimmte Eichenverwandte und Tanoak stark gefährdet.
- Für Deutschland unterscheidet der JKI zwischen nicht-europäischen Isolaten mit Quarantänestatus und europäischen Isolaten, die als regulierte Nicht-Quarantäneschädlinge eingestuft sind.
Keine eigenständige Spritzempfehlung ableiten: Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und das konkrete Problem aktuell zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsgebiet, Aufwandmenge, Abstände, Auflagen und Anwenderschutz der aktuellen deutschen Gebrauchsanleitung beachten. Bei bestätigtem Befall stehen Quarantäne-, Hygiene- und Tilgungsmaßnahmen im Vordergrund; chemische Maßnahmen ersetzen weder Entfernung noch Entsorgung infizierten Materials.
Betroffene Pflanzen
Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.
Feldahorn (Acer campestre) – PflegeAcer campestre
Zimt-Ahorn (Acer griseum) – PflegeAcer griseum
Japanischer Ahorn (Acer japonicum) – PflegeAcer japonicum
Eschen-Ahorn (Acer negundo) – PflegeAcer negundo
Fächer-Ahorn (Acer palmatum) – PflegeAcer palmatum
Spitzahorn (Acer platanoides) – PflegeAcer platanoides
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) – PflegeAcer pseudoplatanus
Rot-Ahorn (Acer rubrum) – PflegeAcer rubrum
Silber-Ahorn (Acer saccharinum) – PflegeAcer saccharinum
Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – PflegeAcer saccharum
Tatarischer Steppen-ahorn (Acer tataricum) – PflegeAcer tataricum
Feuer-Ahorn (Acer tataricum ginnala) – PflegeAcer tataricum ginnala