Grüne Erbsenblattlaus
Schädling

Grüne Erbsenblattlaus

Acyrthosiphon pisum (Harris)
Kurzüberblick

Grüne Erbsenblattlaus – Kurzüberblick

Die Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum) ist ein saugender Schädling an Erbsen und zahlreichen weiteren Hülsenfrüchtlern. Die meist grünen, gelegentlich gelblichen oder rötlichen Blattläuse besiedeln vor allem junge Triebe, Blätter, Blüten und Hülsen. Starker Befall kann das Wachstum bremsen, die Hülsenbildung vermindern und Pflanzenviren übertragen. Eine frühe Kontrolle und die Förderung von Nützlingen sind im deutschen Gartenbau besonders wichtig.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileJunge Triebspitzen, Blätter und Blattunterseiten, Blütenstiele, Blüten sowie junge Hülsen.
Begünstigende BedingungenMildes, trockenes bis warmes Wetter, dichter Leguminosenbestand, weiches stark gedüngtes Wachstum, wenig Nützlingsaktivität und benachbarte Luzerne-, Klee- oder Wickenbestände.
Pflanzendoktor

Überblick

Acyrthosiphon pisum tritt an Erbsen meist als grüne, 3–5 mm große Blattlaus auf; gelbliche, rötliche oder bräunliche Formen kommen ebenfalls vor. Die Tiere sitzen häufig in Kolonien an Triebspitzen, Blattunterseiten, Blütenstielen und jungen Hülsen. Die Art ist innerhalb der Leguminosen breit verbreitet, doch unterscheiden sich Populationen und Biotypen in ihrer Wirtspflanzenbindung. An Erbsen ist sie besonders regelmäßig und auffällig.

Eine sichere Bestimmung allein nach Farbe ist nicht möglich, da andere große Blattlausarten, insbesondere die Grünstreifige Kartoffellaus, ähnlich aussehen können. Für die Praxis sind Wirtspflanze, Körpergröße, Koloniebildung und die Lage an jungen Trieben wichtige Hinweise.

Pflanzendoktor

Symptome und Erkennung

Typische Anzeichen sind:

  • Kolonien grüner bis rötlicher Blattläuse an jungen Trieben, Blüten, Blattunterseiten oder Hülsen;
  • gekräuselte, verformte oder im Wachstum gehemmte Triebspitzen;
  • kleinere Blätter sowie verzögerte Blüten- und Hülsenbildung;
  • klebriger Honigtau auf Blättern und darunter gegebenenfalls dunkler Rußtau;
  • bei starkem Befall verkümmerte Hülsen und eine geringere Kornfüllung;
  • mögliche Mosaik-, Blattroll- oder andere Virussymptome nach Virusübertragung.

Virusbedingte Symptome sind nicht spezifisch für diese Blattlausart und müssen von anderen Ursachen abgegrenzt werden.

Pflanzendoktor

Ursachen und Ausbreitung

Die Läuse stechen mit ihren Mundwerkzeugen die Leitbündel an und entnehmen Phloemsaft. Befall beginnt häufig an den Rändern oder an besonders weichen, stark wachsenden Trieben. Geflügelte Tiere entstehen bei dichter Besiedlung, ungünstiger Wirtspflanzenqualität oder saisonaler Veränderung und verbreiten sich anschließend aktiv zwischen Leguminosenbeständen.

Die Verschleppung erfolgt außerdem durch befallene Jungpflanzen, Pflanzenreste und benachbarte Futterleguminosen wie Luzerne oder Klee. Ameisen können Kolonien betreuen und natürliche Gegenspieler behindern. Eine hohe Stickstoffversorgung kann weiches Pflanzengewebe und damit die Blattlausvermehrung begünstigen.

Pflanzendoktor

Lebenszyklus und Überdauerung

In Deutschland überwintert die Art grundsätzlich als Ei an Leguminosen. Im Frühjahr schlüpfen zunächst ungeflügelte Tiere; ab etwa Ende April beziehungsweise im weiteren Frühjahr können Erbsen besiedelt werden. Während der Vegetationsperiode entstehen überwiegend lebend gebärende Weibchen, sodass sich unter günstigen Bedingungen mehrere Generationen rasch entwickeln.

Geflügelte Formen wechseln zwischen geeigneten Leguminosenbeständen. Gegen Ende der Vegetationsperiode nimmt die Population häufig deutlich ab; anschließend entstehen wieder Geschlechtstiere und Wintereier. Der genaue Jahresablauf hängt von Temperatur, Wirtspflanzenangebot und regionaler Witterung ab.

Pflanzendoktor

Behandlung und Bekämpfung

Bei leichtem Befall genügt häufig die Beobachtung, weil Blattlauskolonien durch Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven, Ohrwürmer und parasitoide Schlupfwespen zusammenbrechen können. Einzelne Gartenpflanzen lassen sich mit einem kräftigen Wasserstrahl abspülen; stark besiedelte Triebspitzen können abgeschnitten und im Hausmüll entsorgt werden.

Im Erwerbsanbau sollte die Entscheidung nach Bestandeskontrolle und regionalem Bekämpfungsrichtwert erfolgen. Für Grüne Erbsenblattläuse werden in deutschen Beratungshinweisen bei Futtererbsen häufig Größenordnungen von etwa 10–15 Blattläusen je Trieb als Orientierung genannt; Kultur, Entwicklungsstadium, Virusrisiko und Zulassung sind jedoch entscheidend. Eine Behandlung sollte nicht allein wegen einzelner Läuse erfolgen.

Pflanzendoktor

Schonende und biologische Bekämpfung

Die wirksamste biologische Strategie ist die Erhaltung natürlicher Gegenspieler. Blühende Saumstrukturen liefern Nektar und Pollen für parasitoide Schlupfwespen und Schwebfliegen. Besonders relevant ist Aphidius ervi, der Erbsenblattläuse parasitieren kann; typische aufgeblähte, bräunliche Blattlausmumien zeigen seine Aktivität an.

  • Breit wirkende, nicht selektive Spritzungen vermeiden;
  • blühende Begleitvegetation und Nützlingshabitate erhalten;
  • bei geschütztem Anbau zugelassene Nützlinge nach Beratung einsetzen;
  • kleine Kolonien mechanisch abspülen oder befallene Pflanzenteile entfernen;
  • keine vorbeugenden Hausmittelbehandlungen auf dem gesamten Bestand durchführen, wenn nur einzelne Kolonien vorhanden sind.
Pflanzendoktor

Vorbeugung

Vorbeugend sollten Erbsen regelmäßig ab dem Auflaufen, besonders ab der Bildung junger Triebspitzen und Blüten, kontrolliert werden. Dabei sind mehrere Triebe im Bestand und nicht nur einzelne auffällige Pflanzen zu prüfen.

  • Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden und bedarfsgerecht düngen;
  • sehr dichte, schlecht durchlüftete Bestände vermeiden;
  • befallene Triebspitzen frühzeitig entfernen, sofern dies bei kleinen Beständen praktisch möglich ist;
  • Unkraut und stark befallene Leguminosenreste im unmittelbaren Umfeld reduzieren;
  • Blühstreifen und vielfältige Randstrukturen für Schwebfliegen, Florfliegen, Marienkäfer und Schlupfwespen schaffen;
  • Ameisen an wiederholt stark befallenen Topf- oder Kübelpflanzen möglichst fernhalten;
  • bei Saatgutvermehrung und virusgefährdeten Beständen besonders früh und engmaschig überwachen.
Pflanzendoktor

Wissenswertes

Acyrthosiphon pisum bildet keinen völlig einheitlichen Schädlingskomplex: Populationen können auf bestimmte Leguminosen spezialisiert sein und sich in Wirtspflanzenwahl, Färbung und Leistungsfähigkeit unterscheiden. Deshalb ist ein Nachweis an einer Leguminose nicht automatisch ein Hinweis auf gleich starken Befall jeder anderen Leguminosenart.

Die Art lebt in enger Wechselwirkung mit symbiotischen Bakterien, die zur Versorgung mit essenziellen Aminosäuren beitragen. Ihre Bedeutung als Virusüberträger kann je nach Virus, Kultur, Flugzeit und regionalem Befallsdruck stark variieren.

Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Pflanzenschutzmittel nur verwenden, wenn eine Behandlung nach Kontrolle und zugelassener Indikation tatsächlich erforderlich ist. In Deutschland dürfen ausschließlich aktuell zugelassene Produkte für die jeweilige Kultur und das jeweilige Schadorganismus-Problem eingesetzt werden. Die jeweils geltende Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Wartezeit, maximale Anwendungshäufigkeit, Abstandsauflagen und Bienenschutzauflagen sind strikt einzuhalten. Zulassungen können sich ändern; maßgeblich ist das aktuelle deutsche Zulassungsverzeichnis beziehungsweise die aktuelle Gebrauchsanleitung.