Europäische Maulwurfsgrille (Werre)Quelle: Wikimedia CommonsEszter KovácsCC BY-SA 2.0 de
Schädling

Europäische Maulwurfsgrille (Werre)

Gryllotalpa gryllotalpa (Linnaeus, 1758)
Kurzüberblick

Europäische Maulwurfsgrille (Werre) – Kurzüberblick

Die Europäische Maulwurfsgrille oder Werre (Gryllotalpa gryllotalpa) lebt überwiegend unterirdisch in feuchten, lockeren Böden. Ihre Grabgänge lockern und verschieben die obere Bodenschicht; zusätzlich können Larven und erwachsene Tiere Wurzeln, Knollen und Keimlinge beschädigen. In Deutschland ist sie rückläufig und sollte nur bei nachgewiesen starkem Pflanzenschaden reguliert werden.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, unterirdische Sprosse, Knollen, Keimlinge und die unmittelbar oberflächennahe Bodenschicht.
Begünstigende BedingungenFeuchte, lockere, humusreiche Böden mit dichter Bodenbedeckung, Kompost- oder Mistbeetnähe sowie regelmäßig bewässerte Gemüsebeete und geschützte Anbauflächen.
Pflanzendoktor

Überblick

Die Europäische Maulwurfsgrille ist in Deutschland die heimische Maulwurfsgrillenart. Sie wird etwa 3,5 bis 5 cm lang und ist an den kräftigen, schaufelartig verbreiterten Vorderbeinen erkennbar. Den größten Teil ihres Lebens verbringt sie im Boden und ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv.

Die Art ist nicht in jedem Garten ein bedeutender Schädling. Sie frisst sowohl tierische Bodennahrung als auch pflanzliches Gewebe und kann durch ihre waagerechten Gänge Saatbeete, Keimlinge und flach wurzelnde Kulturen stören. Wegen des in Deutschland dokumentierten Bestandsrückgangs sollte eine Regulierung nur bei eindeutigem, stärkerem Schaden erfolgen.

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Symptome und Erkennung

  • Keimlinge oder junge Pflanzen werden gelockert, eingezogen oder fallen ohne erkennbare Blattkrankheit um.
  • Wurzeln und unterirdische Sprossteile zeigen Fraßstellen; Knollen können angenagt sein.
  • Im Beet oder Rasen verlaufen fingerdicke, oberflächennahe Gänge; die Erde wirkt aufgeworfen oder eingesunken.
  • Bei starkem Befall entstehen lückige Saatbeete, welke Jungpflanzen oder lokal kahle Rasenstellen.

Das Schadbild kann mit Wühlmäusen, Drahtwürmern, Erdraupen oder rein mechanisch gelockerten Wurzeln verwechselt werden. Ein Tier- oder Gangnachweis erhöht die diagnostische Sicherheit.

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Ursachen und Ausbreitung

Begünstigt werden lockere, feuchte und humusreiche Böden, Kompostbereiche, Mistbeete, Folientunnel und regelmäßig bewässerte Gemüseflächen. Die Tiere wandern in zusammenhängenden Bodenräumen ein; die unterirdische Lebensweise erschwert eine frühe Erkennung. Schäden werden durch Graben und Fraß verursacht, nicht durch eine übertragbare Pflanzenkrankheit.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Die Paarung und Eiablage finden in Deutschland vorwiegend im Mai und Juni statt. Das Weibchen legt in einer unterirdischen Brutkammer mehrere Eier, in der Literatur werden bis zu etwa 300 Eier genannt. Die Larven schlüpfen nach wenigen Wochen und entwickeln sich über mehrere Jahre; je nach Quelle und Standort dauert die vollständige Entwicklung ungefähr zwei bis zweieinhalb Jahre. Larven und Erwachsene überwintern tief im Boden und können deshalb grundsätzlich ganzjährig gefunden werden.

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Behandlung und Bekämpfung

Zunächst den Befall durch Kontrolle der Gänge und vorsichtiges Freilegen des Wurzelbereichs bestätigen. Bei wenigen Tieren sind nächtliches Absammeln sowie ebenerdig eingegrabene, glattwandige Fanggefäße mit seitlich zuführenden Brettern praktikable Maßnahmen. Fallen täglich kontrollieren und so handhaben, dass gefangene Tiere nicht unnötig lange leiden.

Bei starkem, wiederholtem Befall können biologische Nematodenbehandlungen gegen geeignete Entwicklungsstadien erwogen werden. Nach der Anwendung sind Bodentemperatur, Feuchtigkeit, Aufwandmenge und Anwendungszeitpunkt des zugelassenen Produkts strikt einzuhalten. Einzelne Maßnahmen reichen wegen der mehrjährigen Entwicklung und möglicher Zuwanderung oft nicht aus.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Steinernema carpocapsae kann gegen Maulwurfsgrillen eingesetzt werden; Versuchsergebnisse und praktische Empfehlungen zeigen insbesondere bei geeigneter Bodenfeuchte eine Wirkung, die je nach Stadium und Befallsdruck schwankt. Die Behandlung sollte nur mit einem für die konkrete Anwendung geeigneten und in Deutschland verkehrsfähigen Produkt erfolgen. Für eine nachhaltige Wirkung können wiederholte Kontrollen und gegebenenfalls mehrjährige Maßnahmen erforderlich sein.

  • Feuchte, aber nicht vernässte Bodenbedingungen während der Nematodenanwendung sicherstellen.
  • Behandlungsfläche auf tatsächliche Schadstellen konzentrieren, statt pauschal den gesamten Garten zu behandeln.
  • Fanggefäße, Bodenbeobachtung, sorgfältige Kulturführung und Förderung natürlicher Feinde kombinieren.
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Vorbeugung

  • Gemüsebeete regelmäßig auf Gänge, gelockerte Jungpflanzen und Wurzelfraß kontrollieren.
  • Kompost und organische Materialien gut umgesetzt und nicht unmittelbar an empfindlichen Jungpflanzen lagern.
  • Bewässerung bedarfsgerecht führen und dauerhaft vernässte Bereiche vermeiden, ohne frisch gepflanzte Kulturen austrocknen zu lassen.
  • Jungpflanzen stabil setzen und bei wiederkehrendem Befall Wurzelbereich sowie Boden vor der Pflanzung sorgfältig prüfen.
  • Naturnahe Strukturen und natürliche Gegenspieler erhalten; wegen des Rückgangs der Art keine vorbeugende Flächenbehandlung durchführen.
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Wissenswertes

  • Die Vorderbeine sind zu leistungsfähigen Grabwerkzeugen umgebildet; dadurch ähnelt die Art äußerlich einem kleinen Maulwurf.
  • Maulwurfsgrillen sind überwiegend nacht- und dämmerungsaktiv und werden deshalb tagsüber häufig übersehen.
  • Die Europäische Maulwurfsgrille ist in Deutschland als gefährdet eingestuft; ihr Auftreten im Garten ist daher nicht automatisch gleichbedeutend mit einem behandlungsbedürftigen Befall.
  • Die Art kann durch ihre Bodengänge den Boden beeinflussen, ist bei hoher Dichte in empfindlichen Kulturen aber auch als Pflanzenschädling relevant.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für die Europäische Maulwurfsgrille kein pauschales Spritz- oder Streuprogramm anwenden. Pflanzenschutzmittel und sonstige chemische Produkte dürfen in Deutschland nur verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur, den konkreten Schaderreger und den vorgesehenen Anwendungsbereich aktuell zugelassen sind. Vor jeder Anwendung die amtliche Zulassungsdatenbank und das aktuelle Etikett prüfen; Dosierung, Anwendungsbestimmungen, Abstände und Schutzauflagen des Etiketts strikt befolgen. Verwechslungen mit dem geschützten Maulwurf oder mit anderen Bodenschädlingen vermeiden.