Bakterielle Welke durch RalstoniaQuelle: Wikimedia CommonsEeshieCC BY-SA 3.0
Krankheit

Bakterielle Welke durch Ralstonia

Ralstonia solanacearum species complex
Kurzüberblick

Bakterielle Welke durch Ralstonia – Kurzüberblick

Ralstonia solanacearum species complex verursacht eine boden- und wasserbürtige bakterielle Gefäßkrankheit. Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Paprika, Tabak, Pelargonien und weitere Wirte können trotz grüner Blätter plötzlich welken. Da ähnliche Symptome auch durch Fusarium, Verticillium, bakterielle Stängelkrankheiten, Wurzelschäden oder Trockenstress entstehen, ist eine sichere Bestimmung nur durch ein qualifiziertes Labor möglich.

Schnellbestimmung

Typische Bedingungen

Betroffene PflanzenteileWurzeln, Wurzelhals, Xylem, Stängel, Blätter, Kartoffelknollen sowie Vermehrungs- und Pflanzgut.
Begünstigende BedingungenWarme Böden und Luft, dauerhaft feuchte oder schlecht drainierte Böden, kontaminiertes Bewässerungs- oder Oberflächenwasser, stehendes Wasser, Wurzelverletzungen sowie infiziertes Pflanz- und Vermehrungsmaterial.
Pflanzendoktor

Überblick

Die bakterielle Welke durch Ralstonia solanacearum ist eine Gefäßkrankheit und keine typische Blattfleckenkrankheit. Das Bakterium dringt meist über verletzte Wurzeln, natürliche Öffnungen oder Verletzungen bei Pflanzung und Pflege ein und breitet sich im Xylem nach oben aus. Bakterienschleim und geschädigtes Gefäßgewebe unterbrechen die Wasserversorgung.

Wichtige Wirte im Gartenbau sind Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika, Tabak und Pelargonie. Auch weitere kultivierte und wild wachsende Nachtschattengewächse können beteiligt sein. Wegen der variablen Wirtsspektren darf ein Nachweis an einer Pflanzenart nicht automatisch auf jeden Stamm oder jede andere Wirtspflanze übertragen werden.

In Deutschland und der Europäischen Union ist der Erreger insbesondere wegen der Kartoffelbraunfäule und der bakteriellen Welke an Kartoffel und Tomate pflanzengesundheitsrechtlich relevant. Verdächtige Pflanzen, Knollen oder belastetes Wasser nicht weiterverbringen, sondern die zuständige Pflanzenschutzbehörde beziehungsweise ein anerkanntes Diagnoselabor kontaktieren.

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Symptome und Erkennung

Erste Anzeichen sind häufig eine Welke der jüngsten Blätter oder eines einzelnen Triebs während warmer Tagesstunden. Die Pflanze kann sich nachts oder nach Abkühlung vorübergehend erholen. Später welkt sie dauerhaft; die Blätter bleiben zunächst oft grün, können anschließend vergilben, verbräunen und absterben.

  • einseitige oder abschnittsweise Welke an Tomate, Kartoffel, Aubergine oder Paprika
  • dunkle, schmale Gefäßverfärbungen im frisch angeschnittenen Stängel
  • milchig-weißer, klebriger Bakterienschleim aus angeschnittenen Stängeln
  • bei Kartoffeln graubrauner bis dunkelbrauner Gefäßring und cremefarbener Schleim, an dem Erde haften kann
  • bei Pelargonien Vergilbung, Blattnekrosen, Stängelverfärbung und rascher Kollaps

Feine weiße Bakterienfäden aus einem frisch angeschnittenen Stängel im Wasser sind nur ein Hinweis und ersetzen keine Laboruntersuchung. Fusarium- und Verticillium-Welke, bakterielle Stängelkrankheiten, Wurzelverletzungen, Nematoden, Staunässe und Trockenstress müssen abgegrenzt werden.

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Ursachen und Ausbreitung

Ralstonia wird vor allem mit infiziertem Pflanzgut, Kartoffelpflanzknollen, Jungpflanzen, Erde und Wasser verbreitet. Besonders kritisch sind Bewässerungswasser, Überflutung, Drainagewasser, Rinnsale und Spritzwasser aus belasteten Flächen.

Wurzelschäden durch Hacken, Umpflanzen, Nematoden oder andere Bodenorganismen erleichtern das Eindringen. Auch Erde an Schuhen, Geräten, Kisten und Händen kann den Erreger in neue Beete oder Gewächshausabteile verschleppen. Symptomlose Nachtschattengewächse und Unkräuter können die Übertragung unbemerkt unterstützen.

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Lebenszyklus und Überdauerung

Der Erreger kann in infiziertem Boden, Wasser, Pflanzenresten und lebenden, teilweise symptomlosen Wirten überdauern. Er gelangt vor allem durch Wurzelverletzungen, Seitenwurzelansätze, Verletzungen durch Bodenorganismen oder mechanische Bearbeitung in die Pflanze.

Nach dem Eindringen besiedelt er die Xylemgefäße und bildet dort hohe Bakterienpopulationen sowie schleimige extrazelluläre Substanzen. Die Gefäße verstopfen oder werden funktionsunfähig, wodurch die Pflanze trotz ausreichender Bodenfeuchte welkt. Wärme beschleunigt bei vielen Linien den Verlauf, doch Temperaturgrenzen und Aggressivität sind stammspezifisch.

Die Weiterverbreitung erfolgt besonders über Wasser, Erde, infizierte Knollen und Jungpflanzen, Werkzeuge, Kisten, Schuhe, Geräte und Pflanzenreste. Symptomlose Wirte und Unkräuter, insbesondere an Gräben und Wasserläufen, können als Reservoir dienen.

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Behandlung und Bekämpfung

Für Pflanzen mit fortgeschrittener bakterieller Welke gibt es keine zuverlässig kurative Behandlung. Befallene Pflanzen und Knollen sollten nicht weiter kultiviert werden. Entfernen Sie stark erkrankte Pflanzen möglichst vollständig und vermeiden Sie dabei das Verteilen von Erde oder austretendem Bakterienschleim.

Bei Kartoffeln und Tomaten ist ein Verdacht wegen der pflanzengesundheitsrechtlichen Bedeutung unverzüglich fachlich abzuklären. Probenahme, Sperrung, Vernichtung, Reinigung und Anbaupause können behördlich vorgegeben werden. Nicht eigenmächtig befallene Erde, Wasser, Knollen oder Pflanzenmaterial in andere Gartenbereiche verbringen.

Da Welke durch mehrere Krankheiten und Umweltprobleme verursacht werden kann, sollte die Diagnose durch ein qualifiziertes Labor erfolgen. Bis zur Klärung Bewässerung, Geräte- und Personenbewegungen aus dem Verdachtsbereich einschränken. Nach der Entfernung sind Drainage, Hygiene, Fruchtfolge und die Verwendung gesundes Pflanzguts die wichtigsten Sanierungsbausteine.

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Schonende und biologische Bekämpfung

Eine biologische oder Hausgartenmaßnahme kann stark befallene Pflanzen nicht zuverlässig heilen. Der Schwerpunkt liegt deshalb auf Ausschluss, Hygiene und Vermeidung weiterer Verschleppung.

  • Verdächtige Pflanzen samt möglichst vollständigem Wurzelballen vorsichtig entfernen und nicht über Nachbarsbeete ziehen.
  • Erkrankte Kartoffelknollen, Pflanzenreste und stark belastetes Substrat nicht als Pflanzgut verwenden und nicht in den Hauskompost geben.
  • Werkzeuge, Töpfe, Kisten, Stäbe, Schuhe und Arbeitsflächen nach der Arbeit gründlich von Erde und Pflanzenresten reinigen und gemäß zugelassener Hygieneverfahren behandeln.
  • Wasserabfluss zwischen Beeten verhindern; Tropfbewässerung ist gegenüber Überkopf- und Flutbewässerung vorzuziehen.
  • Resistente oder weniger anfällige Sorten verwenden, soweit sie für die Kultur und den deutschen Standort geeignet sind; Resistenz verhindert eine Infektion nicht in jedem Fall.
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Vorbeugung

Vorbeugung ist in Deutschland die wichtigste Maßnahme, weil eine erkrankte Pflanze nicht zuverlässig zu retten ist.

  • Nur gesundes, zertifiziertes Kartoffelpflanzgut sowie kontrollierte, vertrauenswürdige Jungpflanzen und Stecklinge beziehen.
  • Kein Pflanzgut aus Beständen mit Welkeverdacht gewinnen oder weitergeben.
  • Staunässe beseitigen, für gute Drainage sorgen und Bewässerungswasser nicht von verdächtigen Flächen in gesunde Bestände leiten.
  • Nach Möglichkeit Tropfbewässerung einsetzen und Überkopfberegnung, Überflutung sowie Bodenverschleppung vermeiden.
  • Freiwillig auflaufende Kartoffeln, Tomaten und andere Nachtschattengewächse sowie verdächtige Unkräuter an Gräben und Wasserläufen entfernen.
  • Werkzeuge, Anzuchtplatten, Töpfe, Kisten, Stäbe und Arbeitsflächen zwischen Partien reinigen; Erde von Schuhen und Maschinen entfernen.
  • Fruchtfolge mit nicht anfälligen Kulturen nutzen und anfällige Nachtschattengewächse nicht wiederholt auf derselben nassen Fläche anbauen.
  • Bei Verdacht Pflanzen, Knollen oder Wasserproben nicht versenden oder entsorgen, bevor die zuständige Pflanzenschutzbehörde Hinweise zum weiteren Vorgehen gegeben hat.
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Wissenswertes

  • Der Name umfasst einen genetisch vielfältigen Erregerkomplex; nicht jede Linie besitzt dasselbe Wirtsspektrum oder dieselbe Temperaturpräferenz.
  • Bei Kartoffeln wird das Krankheitsbild als Kartoffelbraunfäule bezeichnet, bei Tomate und anderen Wirten meist als bakterielle Welke.
  • Der bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) kann an feuchten Standorten und Wasserläufen als symptomarmer Wirt eine epidemiologische Rolle spielen.
  • Ein positives Bakterienstreaming aus einem Stängel ist ein nützlicher Feldhinweis, aber keine endgültige Identifizierung.
  • Infektionen können bei kühleren Bedingungen oder in bestimmten Wirt-Stamm-Kombinationen wenig auffällig bleiben.
Wichtiger Pflanzenschutzhinweis

Für diese Gefäßkrankheit gibt es keine verlässlich kurative Spritzfolge für bereits erkrankte Pflanzen. Pflanzenschutzmittel dürfen in Deutschland ausschließlich verwendet werden, wenn sie für die konkrete Kultur und Anwendung zugelassen sind. Maßgeblich ist stets die aktuelle Gebrauchsanleitung und das geltende deutsche Zulassungsregister. Keine nicht zugelassenen Antibiotika, Desinfektionsmittel oder Bodenbehandlungen einsetzen.

Wirtspflanzen

Betroffene Pflanzen

4 verknüpfte Profile

Die folgenden Pflanzen sind anhand strukturierter Wirtsdaten mit diesem Problem verknüpft. Die Liste wird bei neuen Pflanzenprofilen automatisch aktualisiert.