
Schwarzer Kohlerdfloh
Phyllotreta atraSchwarzer Kohlerdfloh – Kurzüberblick
Der Schwarze Kohlerdfloh (Phyllotreta atra) ist ein nur etwa 2–2,5 mm großer, schwarz glänzender Blattkäfer an Kreuzblütlern. Die erwachsenen Käfer verursachen vor allem an Keimblättern und jungen Laubblättern zahlreiche kleine Fenster- oder Lochfraßstellen. Bei warm-trockener Witterung können empfindliche Sämlinge stark geschädigt oder vollständig vernichtet werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Der Schwarze Kohlerdfloh ist ein 2–2,5 mm kleiner, vollständig schwarzer bis dunkel metallisch glänzender Käfer mit kräftig verdickten Hinterbeinen. Bei Störung springt er weit ab. Er gehört zur artenreichen Gattung Phyllotreta, deren Arten an Kreuzblütlern häufig gemeinsam auftreten können.
Im deutschen Gemüsebau ist besonders die Jugendphase der Kultur gefährdet. Kohl, Rüben, Radieschen, Rettich, Rucola und Raps können befressen werden; bei P. atra sind insbesondere Rübe, Kohl, Blumenkohl und Raps als Wirtspflanzen dokumentiert. Kleine, ältere Pflanzen verkraften den Fraß meist besser als Keimlinge.
Symptome und Erkennung
Typisch sind viele kleine, runde bis unregelmäßige Fraßstellen von etwa 1–2 mm Durchmesser. Je nach Fraßintensität entstehen:
- punktförmiger Lochfraß an Keim- und Laubblättern,
- flache, helle Fensterfraßstellen, bei denen nur die äußere Zellschicht abgetragen wird,
- Rand- und Schabefraß sowie abgestorbene Keimblattränder,
- bei starkem Befall Wachstumsstockungen oder das Absterben von Sämlingen.
Die blass gefärbten Larven sind meist im Boden verborgen und können an Feinwurzeln fressen. Solche Schäden bleiben oft unauffällig, können bei Trockenheit jedoch die Entwicklung junger Pflanzen zusätzlich bremsen.
Ursachen und Ausbreitung
Die erwachsenen Käfer überwintern in der Streuschicht, unter Bodenklumpen, an Hecken oder an Gehölzrändern und wandern im Frühjahr in nahe gelegene Kreuzblütlerbestände ein. Wild wachsende Kreuzblütler, darunter Ackersenf, können als frühe Nahrungs- und Eiablagepflanzen dienen.
Die Aktivität und Schadwirkung nehmen bei warmem, sonnigem und trockenem Wetter zu. Besonders gefährdet sind langsam wachsende, schlecht bewässerte Keimlinge. Befall kann aus benachbarten Kohl-, Raps- oder Unkrautbeständen einwandern; die Käfer breiten sich zusätzlich springend und fliegend aus.
Lebenszyklus und Überdauerung
In Deutschland entwickelt sich bei Phyllotreta atra überwiegend eine Generation pro Jahr. Die überwinterten Käfer werden im Frühjahr aktiv und fressen zunächst an vorhandenen Kreuzblütlern. Die Paarung erfolgt gewöhnlich im späten Frühjahr.
Die Weibchen legen die Eier einzeln in den Boden nahe dem Wurzelhals von Wirtspflanzen, unter anderem in der Nähe von Ackersenf. Nach ungefähr zehn Tagen schlüpfen die Larven. Sie fressen etwa drei bis vier Wochen an Wurzeln und verpuppen sich anschließend im Boden. Nach rund zehn Tagen Puppenruhe erscheinen im Hoch- oder Spätsommer die Jungkäfer. Diese fressen bis zum Herbst an Blättern und suchen danach Winterquartiere auf. Zeitangaben verschieben sich je nach Witterung und Region.
Behandlung und Bekämpfung
Zuerst sollte der Befall bei sonnigem Wetter durch Abklopfen oder direkte Sichtkontrolle an mehreren Pflanzen überprüft werden. Einzelne stark geschädigte Sämlinge lassen sich meist nicht mehr regenerieren; eine Nachsaat oder Nachpflanzung unter Schutznetz ist oft sinnvoller als eine verspätete Behandlung.
Bei größeren Beständen stehen der Schutz junger Pflanzen, ausreichende Bewässerung und die Unterbrechung von Zuflug und Eiablage im Vordergrund. Attraktive Fangpflanzen wie Ackerrettich oder Chinakohl können am Rand eingesetzt werden, müssen jedoch regelmäßig kontrolliert werden, damit sie nicht selbst zur Vermehrungsquelle werden.
Natürliche Gegenspieler wie Laufkäfer und räuberische Schwebfliegenlarven können Eier und Larven reduzieren. Eine vielfältige, wenig gestörte Gartenstruktur unterstützt diese Nützlinge, ersetzt bei starkem Zuflug jedoch keinen mechanischen Kulturschutz.
Schonende und biologische Bekämpfung
- Junge Kulturen mit feinmaschigem Kulturschutznetz schützen; dies ist im ökologischen Anbau die wichtigste Maßnahme.
- Bei Trockenheit bedarfsgerecht bewässern und den Boden möglichst gleichmäßig feucht halten, ohne Staunässe zu erzeugen.
- Gesteinsmehl- oder mineralische Pflanzenstärkungsmittel können die Fraßtätigkeit unter Umständen vermindern oder die Blätter weniger attraktiv machen; die Wirkung ist nicht zuverlässig und sollte nicht als alleinige Maßnahme betrachtet werden.
- Fangpflanzen nur mit Monitoring einsetzen und nach der Hauptflugphase entfernen, wenn sie stark besiedelt sind.
- Laufkäfer, Spinnen und andere Nützlinge durch strukturreiche Randbereiche und den Verzicht auf breit wirkende Behandlungen schonen.
Vorbeugung
- Kohl- und Rübenbestände unmittelbar nach der Aussaat beziehungsweise Pflanzung mit einem lückenlosen Kulturschutznetz von etwa 0,8 × 0,8 mm abdecken.
- Das Netz vor dem ersten Käferauftreten auflegen, Ränder vollständig im Boden verankern und regelmäßig auf Risse kontrollieren.
- Kräftige Jungpflanzen setzen, für gleichmäßige Wasserversorgung sorgen und Trockenstress vermeiden.
- Frühe Aussaat oder Pflanzung und eine zügige Jugendentwicklung nutzen, damit die empfindliche Keimlingsphase möglichst kurz bleibt.
- Beikraut und ausgewachsene Kreuzblütler in unmittelbarer Bestandsnähe entfernen, sofern sie nicht gezielt als überwachte Fangpflanzen eingesetzt werden.
- Die Bodenoberfläche regelmäßig flach hacken; dies kann Eiablage und Entwicklung im oberflächennahen Boden stören.
- Fruchtfolgen einhalten und Erntereste sowie stark befallene Pflanzen zeitnah entfernen.
Wissenswertes
Der Name „Erdfloh“ bezieht sich nicht auf einen Floh, sondern auf die sprungartige Fortbewegung eines kleinen Blattkäfers. Die stark vergrößerten Hinterschenkel ermöglichen das schnelle Wegspringen bei Berührung.
Phyllotreta atra ist von ähnlich gefärbten Arten wie dem blaugrünen oder grünglänzenden Kohlerdfloh oft nur mit genauer Betrachtung von Körperform, Punktierung, Färbung und gegebenenfalls mit einem Bestimmungsschlüssel sicher zu unterscheiden. Fraßbilder allein erlauben daher meist nur die Diagnose „Kohlerdfloh-Komplex“.
Kohlerdflöhe können neben dem direkten Fraß bestimmte Kreuzblütler-Viren übertragen und Pilzsporen verschleppen; die wirtschaftliche Bedeutung dieses indirekten Effekts hängt von Kultur, Bestand und regionalem Infektionsdruck ab.
Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn der Befall die Kultur gefährdet und nichtchemische Maßnahmen nicht ausreichen. In Deutschland dürfen ausschließlich für die jeweilige Kultur und den konkreten Schaderreger beziehungsweise die entsprechende Indikation zugelassene Produkte verwendet werden. Vor jeder Anwendung die aktuelle BVL-Zulassung, die Kennzeichnung für Haus- und Kleingarten sowie das aktuelle Etikett prüfen und exakt befolgen; Dosierung, Anwendungszahl, Wartezeit, Abstandsauflagen und Bienenschutz beachten. Keine pauschale Wirkstoff- oder Spritzfolge aus älteren Quellen übernehmen.