
Palmenmotte
Paysandisia archon (Burmeister, 1880)Palmenmotte – Kurzüberblick
Die Palmenmotte (Paysandisia archon) ist ein eingeschleppter Schmetterling aus Südamerika, dessen Raupen sich in Palmenstämme, Blattbasen und Blattrachis bohren. Typische Hinweise sind Bohrmehl, Fraßgänge, auffällig perforierte junge Blätter, eine gestörte Kronenentwicklung und eintrocknende Herzblätter. In Deutschland wurde der Schädling bislang vor allem eingeschleppt und lokal festgestellt; verdächtige Palmen sollten fachkundig kontrolliert werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Paysandisia archon stammt aus Südamerika und wurde wahrscheinlich mit importierten Palmen nach Europa eingeschleppt. In Deutschland wurde ein Befall 2016 in einem Gewächshaus in Sachsen-Anhalt an Trachycarpus fortunei festgestellt und anschließend getilgt; weitere Einzelmeldungen können dennoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.
Die Art ist in Europa besonders in wärmeren Regionen mit ausgepflanzten Zierpalmen problematisch. Für Deutschland ist deshalb vor allem die Einschleppung über Pflanzen für den Anbau relevant. Eine sichere Diagnose sollte bei verdächtigen Pflanzen durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst oder eine fachkundige Untersuchung bestätigt werden.
Symptome und Erkennung
- Bohrmehl oder faseriges Material an Blattbasen, Krone oder Stamm
- Perforierte, angenagte oder beim Entfalten regelmäßig durchlöcherte junge Blätter
- Fraßgänge in Blattrachis, Blattbasen oder Stamm; bei größeren Palmen meist nicht von außen vollständig sichtbar
- Abnorme Kronenentwicklung, verkümmerte oder verdrehte Blätter und gestörte Neutriebbildung
- Eintrocknen von Herzblättern und fortschreitende Welke
- Puppenhüllen am Stamm, Eier in Palmfasern oder tagfliegende Falter
Ein Befall kann besonders im frühen Stadium äußerlich unauffällig bleiben. Die genannten Symptome sind zudem nicht vollständig spezifisch und können mit anderen Bohrern, mechanischen Schäden oder Wurzelproblemen verwechselt werden.
Ursachen und Ausbreitung
Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich durch befallene Palmen für den Anbau. Weibchen legen die Eier einzeln in faserreiche Bereiche der Krone oder an Blattbasen. Die frisch geschlüpften Larven dringen rasch in die Pflanze ein und leben danach überwiegend verborgen im Pflanzengewebe. Der Transport großer Palmen mit latentem Befall ist daher der wichtigste Fernverbreitungsweg.
Warme, sonnige Witterung begünstigt die Aktivität der tagfliegenden Falter. In Deutschland ist eine dauerhafte Freilandentwicklung klimatisch wahrscheinlich stärker eingeschränkt als in mediterranen Regionen, kann aber je nach Standort, Überwinterungsschutz und zukünftigem Klima nicht pauschal ausgeschlossen werden.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Falter erscheinen in europäischen Befallsgebieten typischerweise ab Mitte Mai; die Hauptaktivität liegt häufig im Juni und Juli, einzelne Tiere können bis September auftreten. Die Eier schlüpfen temperaturabhängig nach etwa 12 bis 21 Tagen.
Die Larven bohren sich unmittelbar nach dem Schlupf in die Palme ein. Sie überwintern im Pflanzeninneren; das Larvenstadium dauert ungefähr 10,5 bis 18,5 Monate, sodass ein ein- oder zweijähriger Entwicklungszyklus möglich ist. Die Verpuppung erfolgt in einem etwa 5 bis 6 cm langen Kokon aus Seide, Schleim und Palmfasern. Die Puppenentwicklung dauert unter europäischen Bedingungen ungefähr 43 bis 66 Tage.
Behandlung und Bekämpfung
Bei Verdacht sollte die Palme zunächst abgesondert und nicht bewegt werden. Eine fachkundige Kontrolle kann durch Untersuchung der Krone, vorsichtiges Freilegen verdächtiger Bereiche oder eine geeignete Probenahme erfolgen. Bei frühem Befall kommen je nach Palmenart und Zugänglichkeit mechanische Entfernung erreichbarer Larven, befallener Gewebeteile oder Kokons sowie gezielte Behandlungen der Krone infrage.
Da die Larven tief im Pflanzeninneren leben, sind Spritzungen häufig unzureichend. Bei weit fortgeschrittenem Befall, stark geschädigter Krone oder instabiler Palme ist die vollständige Entfernung oft die sicherste Sanierungsmaßnahme. Maßnahmen sollten mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst oder einem qualifizierten Fachbetrieb abgestimmt werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Im integrierten und biologischen Pflanzenschutz können entomopathogene Nematoden gegen zugängliche Larvenstadien geprüft werden. Ihre Wirksamkeit hängt stark von Temperatur, Feuchtigkeit, Dosierung, Applikationstechnik und dem Erreichen der Larvengänge ab; sie ist daher nicht mit einer sicheren Sanierung jedes Befalls gleichzusetzen.
Wichtige nichtchemische Maßnahmen sind regelmäßige Kronenkontrollen, das Entfernen sichtbarer Puppenhüllen und befallener Pflanzenteile, die sichere Entsorgung des Schnitt- und Rodungsmaterials sowie die Isolierung verdächtiger Pflanzen. Nützlinge und natürliche Gegenspieler können den Befall begrenzen, reichen bei verborgen lebenden Larven im Regelfall jedoch nicht allein aus.
Vorbeugung
- Palmen nur aus nachvollziehbaren, professionell überwachten Beständen beziehen und Pflanzenpass- beziehungsweise Herkunftsanforderungen beachten.
- Neue Palmen mehrere Wochen getrennt von vorhandenen Beständen aufstellen und wiederholt Krone, Blattbasen und Stamm auf Bohrmehl, Löcher und Puppenhüllen kontrollieren.
- Bei größeren Palmen besonders die Blattbasen und den Kronenbereich untersuchen; eine unauffällige Außenansicht schließt Befall nicht aus.
- Werkzeuge nach Arbeiten an verdächtigen Pflanzen reinigen und nicht ungeprüft zwischen Palmenbeständen verwenden.
- Befallene Pflanzen nicht weitergeben, nicht verfrachten und den zuständigen Pflanzenschutzdienst kontaktieren.
- Stark geschädigte Palmen fachgerecht entfernen und das Material sicher entsorgen, damit Larven und Puppen nicht verschleppt werden.
Wissenswertes
- Die Palmenmotte ist ein tagaktiver Falter, obwohl sie taxonomisch zu den Nachtfaltern gerechnet wird.
- Die Raupen können etwa 8 bis 9 cm Länge erreichen und bleiben während des größten Teils ihrer Entwicklung verborgen.
- Bohrmehl, regelmäßige Lochreihen in jungen Blättern und eine austretende Puppenhülle sind oft aussagekräftiger als der selten beobachtete Falter.
- Die dokumentierte Wirtspflanzenzugehörigkeit liegt innerhalb der Familie Arecaceae; die Empfindlichkeit einzelner Palmenarten kann jedoch deutlich variieren.
- Für Deutschland wurde ein Befall in einem Gewächshaus an Trachycarpus fortunei amtlich gemeldet und als getilgt eingestuft.
Nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die in Deutschland zum jeweiligen Zeitpunkt für die betreffende Kultur und Anwendung rechtlich zugelassen sind. Zulassung, Anwendungsbestimmungen, Auflagen, Wartezeiten und Schutzvorschriften der aktuellen Gebrauchsanleitung sind strikt einzuhalten. Für Palmen und diesen Schädling darf kein pauschales oder aus dem Ausland übertragenes Spritzprogramm empfohlen werden. Die Beratung durch den zuständigen Pflanzenschutzdienst ist insbesondere bei wertvollen oder großen Palmen sinnvoll.