Mehlige Pflaumenblattlaus
Hyalopterus pruni (Geoffroy, 1762)Mehlige Pflaumenblattlaus – Kurzüberblick
Die Mehlige Pflaumenblattlaus (Hyalopterus pruni) ist eine meist lokal auftretende Blattlaus an Pflaumen, Zwetschgen und verwandten Prunus-Arten. Dichte, weißlich bemehlte Kolonien sitzen überwiegend an den Blattunterseiten und saugen Pflanzensaft. Honigtau führt zu klebrigen Blättern und nachfolgend häufig zu Rußtau, während die Blätter meist nur schwach gekräuselt werden.
Typische Bedingungen
Überblick
Hyalopterus pruni befällt in Deutschland vor allem Pflaume, Zwetschge und Schlehe; regional werden auch Aprikose und Pfirsich besiedelt. Die hellgrünen bis weißlich-grünen Blattläuse sind mit einem auffälligen weißen Wachspuder bedeckt und sitzen meist in dichten Kolonien an den Blattunterseiten.
Die Art tritt häufig unregelmäßig und lokal auf. Bei älteren, vitalen Bäumen bleibt der Schaden oft begrenzt, während Jungbäume und stark besiedelte Triebspitzen durch Saftentzug, Honigtau und Rußtau geschwächt werden können.
Symptome und Erkennung
- Dichte Kolonien blassgrüner, weißlich bemehlter Blattläuse an Blattunterseiten und jungen Trieben.
- Blätter vergilben bei stärkerem Befall, bleiben jedoch im Gegensatz zu manchen anderen Pflaumenblattläusen meist weitgehend ungekräuselt.
- Triebspitzen können im Wachstum stagnieren; junge Blätter bleiben klein und wirken kümmerlich.
- Klebriger Honigtau verursacht glänzende Beläge auf Blättern und Früchten.
- Auf Honigtau siedeln sich Rußtaupilze an, wodurch Blätter dunkel und verschmutzt erscheinen.
- Bei starkem Befall sind vorzeitige Blattvergilbung und Blattfall möglich.
Ursachen und Ausbreitung
Die Blattläuse stechen Leitbündel und Blattgewebe an und entziehen der Pflanze Phloemsaft. Die zuckerhaltigen Ausscheidungen bilden Honigtau. Im Frühjahr steigt die Population durch mehrere aufeinanderfolgende, überwiegend ungeflügelte Generationen rasch an.
Ab dem späten Frühjahr beziehungsweise Frühsommer entstehen geflügelte Tiere. Ein Teil bleibt auf Prunus oder verbreitet sich auf benachbarte Bäume; andere Tiere wandern auf Schilf und weitere geeignete Gräser ab. Im Herbst kehren Geschlechtstiere zu Prunus zurück und legen dort die überwinternden Eier ab. Ameisen können Kolonien wegen des Honigtaus schützen und dadurch die natürliche Regulierung abschwächen.
Lebenszyklus und Überdauerung
Die Überwinterung erfolgt als Ei in der Nähe von Knospenbasen, an jungen Zweigen oder an der Rinde der Primärwirte. In Deutschland schlüpfen die Stammmütter gewöhnlich im April, abhängig von Temperatur und Austriebsentwicklung. Im Frühjahr und bis in den Frühsommer entstehen mehrere Generationen an Pflaumen- und Zwetschgenblättern.
Ab etwa Ende Mai bis Juli treten geflügelte Formen auf. Diese besiedeln unter geeigneten Bedingungen Schilf (Phragmites) und weitere Riedgräser. Ab Ende August beziehungsweise im Herbst erscheinen Rückwanderer und Geschlechtstiere, die erneut Prunus aufsuchen und Wintereier ablegen. Der genaue zeitliche Ablauf variiert mit Witterung, Region und Wirtspflanze.
Behandlung und Bekämpfung
Zunächst den Befall durch eine Kontrolle der Blattunterseiten und eine eindeutige Bestimmung absichern. Bei Einzelbäumen kann ein kräftiger Wasserstrahl die Kolonien deutlich reduzieren, sofern Blätter und Triebe nicht verletzt werden. Stark besiedelte Triebspitzen werden ausgeschnitten und entsorgt.
Eine Behandlung ist vor allem bei jungen Bäumen, starkem Triebwachstumsverlust oder wiederholtem Blattfall zu erwägen. Der günstigste Zeitpunkt liegt im frühen Befallsstadium, bevor sich große, geschützte Kolonien und umfangreiche Honigtauablagerungen entwickeln. Blühende Pflanzen, offene Blüten und aktive Nützlingsbestände müssen bei jeder Maßnahme berücksichtigt werden.
Schonende und biologische Bekämpfung
Die wichtigste biologische Maßnahme ist die Schonung und Förderung natürlicher Gegenspieler. Marienkäferlarven und -käfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven sowie parasitoide Schlupfwespen können Kolonien erheblich dezimieren. Breit wirkende oder unnötige Spritzungen vermindern diese Nützlingsleistung.
Bei leichtem bis mittlerem Befall helfen wiederholtes Abspritzen mit Wasser und das Entfernen einzelner stark befallener Triebe. Ameisenmanagement kann die biologische Kontrolle verbessern, weil Ameisen Blattlauskolonien häufig gegen Gegenspieler verteidigen. Im Haus- und Kleingarten sollten nur für den ökologischen beziehungsweise biologischen Einsatz zugelassene Präparate verwendet werden, und ausschließlich nach Prüfung der aktuellen deutschen Zulassung und Gebrauchsanweisung.
Vorbeugung
- Pflaumen- und Zwetschgenbäume vital, aber nicht übermäßig stickstoffreich ernähren; ein ausgewogenes Wachstum anstreben.
- Triebspitzen und Blattunterseiten ab Austrieb regelmäßig kontrollieren, besonders von April bis Juli.
- Stark befallene junge Triebe frühzeitig ausschneiden und dem Gartenbereich entziehen.
- Ameisen auf den Stamm und in die Krone beobachten; ihre Zugänge mit geeigneten mechanischen Barrieren erschweren und regelmäßig kontrollieren.
- Blühende, möglichst vielfältige Saumstrukturen für Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und parasitoide Wespen erhalten.
- Schilf- und Riedbestände nicht pauschal beseitigen; Maßnahmen sind nur bei wiederkehrendem, nachweislich relevantem Befall und unter Beachtung des Natur- und Gewässerschutzes sinnvoll.
Wissenswertes
- Das weiße, mehlige Erscheinungsbild entsteht durch Wachsabsonderungen und ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.
- Hyalopterus pruni ist eine wirtswechselnde Art: Prunus dient als Primärwirt, Schilf und bestimmte Riedgräser als Sommerwirte.
- Die Mehlige Pflaumenblattlaus verursacht gewöhnlich kein starkes Einrollen der Blätter; dadurch lässt sie sich von einigen anderen Pflaumenblattlausarten unterscheiden.
- Die Art kann als Vektor von Scharka-Viren eine pflanzenschutzfachliche Bedeutung haben; die Vektoreffizienz und die epidemiologische Bedeutung hängen jedoch vom Virusisolat, Wirt und regionalen Befallsgeschehen ab.
- Honigtau kann Ameisen anlocken und gleichzeitig Rußtaupilze fördern, ohne dass diese Pilze die ursprüngliche Ursache des Befalls sind.
Keine pauschale Spritzempfehlung. Verwenden Sie in Deutschland ausschließlich Pflanzenschutzmittel, die zum Zeitpunkt der Anwendung für die konkrete Kultur und den betreffenden Schaderreger rechtlich zugelassen sind. Maßgeblich sind die aktuelle Zulassungsdatenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das Etikett und die Gebrauchsanweisung. Auflagen zu Bienen, Gewässern, Abständen, Wartezeiten, Anwender- und Nützlingsschutz sind strikt einzuhalten. Nicht zugelassene Anwendungen, Mischungen oder Dosierungen dürfen nicht übernommen werden.
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